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Wochenlang hatte ich mit Wehen zu tun, die zwar nicht schmerzhaft waren, dafür häufig und anfangs viel zu früh. Daher hieß es: schonen und Papa die Hausarbeit machen lassen. Auf Grund dieses Befundes hätte ich auch nicht gedacht, dass sich Baby 2.0 so spät auf den Weg macht. Wie heißt es: Besser spät als nie…

Geburt vom ersten Sohn – lang und schmerzhaft

Mit vorzeitigem Blasensprung, d. h. die Fruchtblase platzte vor Einsetzen der Wehen, begann die Geburt des ersten Sohnes frühmorgens bei SSW 38+6. Fest stand, es gab kein Zurück mehr. Sollten die Wehen nicht innerhalb der nächsten 24 h beginnen, würde eine Einleitung drohen.

Leider ist man um halb 6 nicht sehr wach. Gesagt zu bekommen, man soll jetzt Treppen steigen gehen – stundenlang – ist keine tolle Aussicht. Auch nicht für den Mann, der mich die Treppen hoch und runter begleitet hat.

Baby 2.0 ist geboren - mamaskind.de

Vergleich der Geburten von Sohn 1.0 und Sohn 2.0

Zwischendurch durfte ich zwar zweimal in die Wanne – zum Entspannen und auch Eisenkraut im Zimmer verteilt einatmen, dennoch verlief alles sehr schleppend. Die Wehen setzten dann doch irgendwann ein. Trotzdem hieß es: Weiter Treppen laufen um die Geburt in Gang zu bringen. Als Schmerzmittel bekam ich eine Spritze mit irgendwas. Lächerlich, im Vergleich zum anhaltenden Wehenschmerz.

Als es endlich in die entscheidende Phase ging, waren die Herztöne vom Kind plötzlich so schlecht, dass blitzartig ein Zugang für einen Wehenhemmer gelegt wurde. Also runter vom Gebärhocker und rauf auf das Bett, wo ich mein Baby eigentlich nicht zu Welt bringen wollte. Auch dort dauerte es dann noch einige Presswehen, bis unser Sohn ohne weitere Hilfsmittel zur Welt kam. Über 15 h nach Platzen der Fruchtblase.

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Geburt des zweites Sohnes – unverhofft schnell

Innerlich war für mich klar, dass auch diese Geburt mit einem Blasensprung beginnt – obwohl es dafür keinen medizinischen Ansatz gibt. Ich sorgte mich jedoch mehr um die Unterbringung des Großen, der nachts zu Freunden gebracht, tagsüber von der Oma aus der Kita abgeholt werden sollte.

Natürlich bekam ich klassisch abends Wehen – ohne vorzeitigen Blasensprung. Ich war mir relativ sicher, dass nun die Geburt beginnt und so brachten wir Sohn 1 unter und fuhren nachts um 2 Uhr ins Krankenhaus. Den 10 minütigen Weg vom Parkplatz zum Krankenhaus meisterte ich problemlos, das hätte eigentlich ein Zeichen sein müssen. So war es auch.

Kein geburtsreifer Befund – ab nach Hause

Da noch alles fest verschlossen war und nur leichte Wehen erkennbar waren, wurde uns ein einstündiger Spaziergang vorgeschlagen. D. h. im Krankenhaus Treppen steigen – unsere Horrorvorstellung! Immerhin konnten wir langsam den Tagesbeginn mit aufsteigender Sonne verfolgen. Der Mann setzte sich irgendwann auf die Treppen und aß Kekse, während ich lief und mir Rückenmassagen für die Wehen im Vorbeigehen abholte.

Nach einer Stunde hatte sich immer noch nichts getan. Zur Auswahl standen die stationäre Aufnahme im Krankenhaus und nach Hause fahren und schlafen. Schlafen klang verlockend und so waren wir gegen 4.30 Uhr wieder zuhause.

Wehen zuhause veratmen

Das war auch die richtige Entscheidung. Ich konnte zwar nur mit einigen schmerzhaften Unterbrechungen schlafen, dennoch fühlte ich mich zuhause wohler als im Krankenhaus. Als ob wir es geahnt hatten, stellte der Mann tags zuvor noch einen formlosen Antrag auf Home Office, der ihm glücklicherweise genehmigt wurde. Er wollte unbedingt noch ein Projekt abschließen und so arbeitete er den ganzen Tag daran, massierte nebenbei meinen Rücken und brachte mir ab und an Wärmekissen. Für uns beide war das natürlich ideal.

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Ich verbrachte den Tag mit Dr. House gucken, auf meinem Sitzball mit kreisendem Becken und mit Wehen veratmen, die doch schon einigermaßen schmerzhaft waren. Meiner Mutter sagte ich noch, sie könne mit Sohn 1 nach der Kita zum Kaffee vorbeikommen. Hunger hatte ich zwar keinen (insgesamt aß ich bis dahin ein halbes trockenes Brötchen), dennoch freute ich mich, beide nochmal zu verabschieden, bevor sie nach Brandenburg zurück fuhren.

Als beide eintrafen, hatten sich meine Wehen schon sehr verändert. Ich musste ordentlich atmen, sodass ich diese aushalten konnte. Mein Sohn fand das wohl witzig und machte mit. Beängstigend fand er diese Situation nicht. Er freute sich auf das Fahren mit dem Zug und den Oma-Opa-Urlaub.

Zu diesem Zeitpunkt hatte ich schon ca. alle 5 min Wehen. Dass ich ins Krankenhaus wollte, merkte ich auch wenig später. Meine Mama musste den Kaffee herunterkippen, mein Sohn schaffte es immerhin noch, drei Mini-Muffins zu verspeisen. Beide verließen nahezu fluchtartig unsere Wohnung. Ich drängelte, mein Mann machte sich in Ruhe fertig (woher diese Gelassenheit???). Es war 16.45 Uhr.

Zweiter Besuch im Krankenhaus

Für mich war klar: Ich möchte dieses Mal eine PDA. Ich will nicht nochmal so lange Schmerzen haben und stundenlang Wehen aushalten. Meine Hoffnung war also, dass der Muttermund mindestens bei 3 cm (lt. Google-Recherche das Mindeste für eine PDA-Legung) war.

Auch unterwegs blieben die Wehen alle 5 min stark und schmerzhaft. Diesmal parkten wir direkt auf dem Storchenparkplatz neben dem Krankenhaus. Diagnose: Muttermund bei ca. 2-3 cm. Juchu! Ich rief: Bitte gebt mir eine PDA! Die Hebamme blieb skeptisch. Erstmal CTG schreiben. Auch die Ärztin war ein wenig zögerlich wegen der PDA. Das ist vermutlich auch besser so, immerhin ist auch das ein medizinischer Eingriff, bei dem einiges kaputt gehen kann.

Die Ärztin nahm mir jedoch meine Hoffnung auf schnelle Linderung: Vorerst müsste ein Bluttest auf irgendwas gemacht werden, sonst wäre eine PDA nicht möglich. Das Labor würde ca. 30 – 45 min brauchen. Oh mein Gott! Immerhin hatte ich bereits einen Zugang. Nach Hause würde ich also nicht mehr geschickt werden. Lustig, worüber man sich in solchen Momenten Gedanken macht.

Verstärkter Druck mit veränderten Wehen

Gegen 17.30 Uhr wurden meine Wehen erneut viel stärker und ich war liegend ans CTG gefesselt. Ich lebte nur noch von Wehe zu Wehe und versuchte, diese so gut wie möglich zu überstehen und zu veratmen. Ich zitterte am ganzen Körper, vermutlich wegen der Anstrengung. Auf meine Bitte hin wurde der Kreißsaal erwärmt. Der Mann gab mir fleißig kleine Schlucke zu trinken, kühlte und massierte mich am Rücken. Alter Hase!

Die Hebamme wollte auf Grund meines veränderten Tönens doch lieber mal nachsehen. Ich sagte noch: „Ich denke nicht, dass sich etwas verändert hat.“ Pessimistin, wie ich bin. Die Ärztin war derselben Meinung, meinte jedoch, es gibt nichts, was es nicht gibt…

Austreibungsphase – das ging schnell

Muttermund bei 8 cm. Das hätte keiner von uns geglaubt. In nicht mal einer Stunde 5 cm! Die PDA konnte ich nun vergessen, auch für andere Schmerzmittel war keine Zeit mehr. Ich merkte plötzlich, dass der Druck nach unten stärker wurde und musste Hecheln. Das bekommt man vermutlich auch ohne Geburtsvorbereitungskurs hin. Jedoch wusste ich, jetzt dauert es nicht mehr lange und ich muss so lange hecheln, bis ich das OK zum Pressen habe, damit alles heil bleibt.

Ohne Hebamme hätte ich nicht gewusst, wann ich pressen darf!

Nach der zweiten Presswehe durfte ich auch mitschieben und nach zwei weiteren Wehen war mein Sohn auf der Welt. Er wurde mir sofort auf die Brust gelegt und wir konnten zu dritt ein paar Stunden im Kreißsaal kuscheln bevor er schließlich gewogen, gemessen und untersucht wurde. Juchu, wir haben die Geburt in nur einer Stunde im Kreißsaal geschafft!

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Er hatte super APGAR-Werte, wog 3030 g und maß 52 cm. Ein vollkommen gesunder kleiner Junge. Auch ich kam dieses Mal ohne Verletzungen davon.

Heute, 7 Tage später, hat er schon 3300 g. Viel abgenommen hat er nach der Geburt also nicht, dafür verhältnismäßig viel zugenommen. Die Muttermilch macht’s! Im Moment genießen wir unsere gemeinsame Zeit kuschelnd und ohne Stress. Baby ist sehr ausgeglichen und wir sehr gelassene Eltern. Auch unsere Hebamme ist sehr zufrieden mit Baby und uns. Der große Bruder findet das Baby immerhin süß und benimmt sich wie ein typischer 4-Jähriger. Aufgedreht, Aufmerksamkeit fordernd aber interessiert und lieb.

Das Leben zu viert beginnt.

Mittlerweile bin ich schwanger mit dem dritten Kind und eine ambulante Geburt ist geplant.