Vor einer Weile schrieb ich darüber, warum ich nichts von Top 10 Listen halte, in denen Blogger gelistet sind. Thematisch ähnlich sind Unternehmen, die Awards an Blogger vergeben und im Gegenzug einen Link wollen. Macht da nicht mit! Ich zeige euch, woran man SEO-Seiten erkennt.

Die Link-Abgraser

Einige Blogger machen in der aktuellen Kampagne einer Kinderwagen-Vergleich-Seite mit, die mit fünf Preisen für die besten, gewählten Blogger werben. Diese sind mit Amazon-Gutscheinen von jeweils unter 100 € noch nicht einmal hoch, sodass sich Werbung dafür lohnen würde. Dennoch ploppten heute wieder einige Jubelschreie in meiner Timeline über die eigene Nominierung auf. Und auch das ist kostenlose Werbung für diese Seite.

Geboten wird die Möglichkeit eines Gewinns, eine Jury wählt aus und die teilnehmenden Blogger sollen im Gegenzug einen Banner inkl. Link zum Kinderwagen-Vergleichs-Portal einbinden. Darunter sind bereits sehr viele Blogs. Es gibt einige Blogger, die sich sonst echauffieren, wenn sie Mail-Anfragen mit kostenlosen Werbewünschen von „kleinen Startups ohne Budget“ bekommen. Dann ist der Aufschrei vor allem auf Twitter und Facebook sehr groß. Ich gehöre definitiv dazu, kann aber nicht sagen, ob unter den freiwillig gelisteten ebenfalls welche sind. Ich möchte nicht mit dem Finger zeigen, sondern aufklären.

Diese Award-Nominierungen sind genau das: kostenlose Werbung für das Unternehmen. Die Kosten für die Unternehmen sind hingegen gering. Die Arbeit machen ja die Blogger, die bestenfalls noch den zur Verfügung gestellten Banner inkl. Link bzw. eine Badge bei sich einbauen. So schnell kann man für das Google-Ranking benötigte Backlinks aufbauen. Gerne sehen diese Unternehmen natürlich auch das Teilen auf den Social Networks. Nicht zu erwähnen, dass (einige? Ich habe das nicht überprüft.) sicher gerne mit einem Follow-Link verlinken, den es sonst in Werbeblogposts nicht gibt, das mag ja Google nicht.

Schaut euch die Website genau an: SEO-Affiliate-Seiten

Zugegeben, für viele kann es schwer sein, zu erkennen, welchen Zweck eine Internetseite hat. Ich schaue mir die URL an, werfe einen Blick auf die Startseite und die verlinkten Produkte und kann schnell sagen, ob es sich um eine reine Affiliate-Seite / SEO-Seite handelt, die häufig nur zügig und schlecht zusammengeschustert wurde, oder ob Herz & Blut darin steckt. Enthält die URL z. B. einen Suchbegriff, nach denen viele Leute suchen (Keywordrecherche), ist das für mich ein erstes Zeichen. Keywords sind z. B. Kinderwagen, Babyphone und Buggy, jene Begriffe, nach denen Leute suchen, die noch keine genaue Marke vor Augen haben, die sie kaufen möchten.

Affiliate-URL: www.keyword-test.de

Affiliate-URL: www.keyword-vergleich.de

Auf Affiliate-Seiten sind entweder Links zu Amazon gesetzt oder mit einem Tracking-Schnipsel versehene Links zu anderen Shops. Diese erkennt man daran, dass nach dem eigentlichen Ende wie .com oder .de (Top-Level-Domain) noch Parameter mit einem Fragezeichen angehängt sind. Diese zeigen dem Shop, über welche Affiliate-Seite ein Kunde eingekauft hat und zahlen dem Affliate-Partner anschließend eine Provision.

Ich habe bisher noch keine einzige reine SEO-Affiliate-Seite gefunden, die inhaltlich gut war. Oft wird mit „Kinderwagenvergleich“ oder anderen Produkten geworben, die inhaltlich aber sehr schlecht sind. Kein Vergleich zu Stiftung Warentest oder guten Blogposts mit Produkttests. Häufig wird auf diesen Affiliate-Seiten nur eine Produktkategorie verglichen und (angeblich) getestet. Ob nun Babyphone, Buggys oder andere Produkte, diese Seiten sind auf jene Produkte spezialisiert und haben ihre Seite dafür für Google optimiert (SEO). Das sind die Seiten, die ich bei einer Produktrecherche sofort überspringe.

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Blog-Nominierungen, die nicht so knorke sind, wie sie wirken.

Es gibt auch gute Beispiele: Scoyo

Freiwilliges Teilen der Aktionen sowie freies Bloggen über die Aktion finde ich vollkommen ok. Ich erinnere mich an Scoyo, eine Lernplattform für Kinder, die vor kurzem auch eine Blogger-Aktion starteten. Keine Backlink-Pflicht. Dort reichte ich mit Martins Einverständnis den großartigen Text Wie ich Vater wurde von ihm ein, der es aber leider nicht in die End-Abstimmung schaffte. Die Regeln waren klar, es saßen bekannte Bloggerinnen in der Jury, die Ahnung von der Branche haben und wissen, was beliebt ist. Und: es gab mehrere Preise zu gewinnen, der höchste war mit 1500 € ausgeschrieben. Zuletzt durfte das Publikum abstimmen, wo natürlich jene Blogger mit der höchsten Reichweite starke Vorteile hatten. Eine echte Beurteilung kann m. E. nur entstehen, wenn anonym bewerten wird, da der Sympathiefaktor dann nicht zählt. Doch dies ist von der Aktion unabhängig. Das lief freundlich ab und ich teilte gerne die Aktion. Es fühlte sich richtig an.

Fazit: Tauscht euch aus!

Ganz wichtig finde ich den Austausch mit anderen Bloggern. Auf Facebook gibt es z. B. die Gruppe Blogger-Kooperationen, in der man Fragen zur Zusammenarbeit mit Unternehmen stellen kann. Eine geschlossene Gruppe, in die man jedoch gerne aufgenommen wird, wenn man keine Werbung verteilt. Redet miteinander, nur so lernt man. Ich weiß, dass das alles Zeit dauern kann, bis man die Tricks der SEO-Buden durchschaut hat. Ich beschäftige mich seit 10 Jahren mit dem Thema Suchmaschinenoptimierung, daher ist vieles selbstverständlich, das darf ich nicht vergessen.

Stellt Fragen: Ist das wirklich eine gute Seite? Schaut euch an, mit wem ihr zusammenarbeiten wollt, denn das fällt immer auf euch zurück. Werbung bzw. Links zu zwielichtigen Seiten findet auch Google nicht schön (Bad Neighbourhood). Zwielichtig sind die Affiliate-Seiten nicht (zwingend), doch der Kern der Aussage sollte klar sein: wählt gezielt aus, welche Aktionen ihr unterstützt, so wie ihr euch eure Freunde auswählt.

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