Werbung

Ein paar Mal überlegte ich: Wofür mache ich das eigentlich? Eine Frage, die mir auch mein Mann oft stellt. Dann, wenn ich unbedingt den einen Blogbeitrag fertigstellen muss. Nahezu jede Woche geht es mir so, wenn ich das Wochenende in Bildern fertigstelle. Ich zeige gerne, was wir gemacht haben und gebe Einblick in unser Privatleben. Doch warum zeigt man sich so (vermeintlich) öffentlich? Noch ne Muddi fragt in ihrem Blog, ob ich es bereue, mit dem Bloggen angefangen zu haben, wo es Zweifel gibt und ob ich mit dem Gedanken spiele, aufzuhören.

Vor fast sechs Jahren dachte ich nicht, dass der Blog so groß werden wird. Ich erreichte im März 2016 über 40.000 Seitenaufrufe! Der Druck steigt ganz natürlich: Ich möchte meinen StammleserInnen, die nur ein kleiner Teil dessen sind, etwas bieten. Ihnen zeigen, wie unser Familienleben im Alltag aussieht, ohne jedoch zu viel offen zu legen. Manche Dinge müssen geheim bleiben.

bloggen-bereuen-mamaskind

Bloggen bereuen? #regretting bloggerhood

Klare Grenzen ziehen

Mit meinem Mann bespreche ich kritische Themen, denn auch die Familie liest mit. Ich bin authentisch, äußere mich auch, dass es mich stört, wenn die Familie raucht, so sehr, dass ich das Fest verlasse. Jedoch gibt es für mich Grenzen. Familiäre Probleme, die uns nicht betreffen, werden nicht thematisiert. Ich schreibe nicht über Kinder von Freunden und auch meine Söhne sollen im Blog unerkannt bleiben. Als ich mit dem Journalisten vom Tagesspiegel sprach, fragte er mich, warum ich so offen über meine Familie. Er könne sicherlich herausfinden, auf welche Schule und in welche Kita meine Kinder gehen. Nein, das kann man nicht. Diese Dinge umschweife ich nur. Ich erwähne nicht, in welche der vielen Schulen meine Kinder eingeschult werden, bzw. welche ich mir wünsche, und lasse viele Dinge aus, obwohl sie mich bewegen.

Was ich schreibe ist real, genau so passiert, doch es ist nur ein Teil von mir. Ich möchte nicht alles im Internet zeigen und diskutieren. Mein Mann möchte nicht zwingend im Blog erscheinend, so verwende ich nur jene Bilder von ihm, die er abgenickt hat. mamaskind bleibt meine Spielwiese. Und ein Hobby. Vor kurzem schrieb ich darüber, dass mir alles zu viel wird und zog mich ein wenig zurück. Zurück kam ich mit frischem Design und mit klaren Regeln: Ich blogge nur dann, wann ich Zeit und Lust habe. Wenn die Kinder krank zu Hause sind, dann tippe ich nicht mit halben Herz einen Blogbeitrag auf dem Smartphone, sondern lege es weg und blogge später. Oder auch nicht. Sonntags übernimmt mein Mann die Kinder, damit ich ausnahmsweise bloggen kann, obwohl die Kinder nicht im Bett sind. Er darf dafür an anderen Tagen seinen Hobbys nachgehen. Eine klare Absprache zwischen uns ist dringend erforderlich für ein harmonisches Familienleben. Schon einige Male war der Blog Streitthema, daher kommen Schritt für Schritt Änderungen in meine Arbeitsweise. Thematisch sind wir einer Meinung.

Persönlichkeit der Kinder schützen

Die Persönlichkeit meiner Kinder möchte ich schützen. Ich schreibe nicht über (mögliches) aggressives Verhalten, Einnässen in der Grundschulzeit, chronische Krankheiten und zeige sie auf Bildern nur von hinten. Mir ist es wichtig, dass sich meine Söhne nicht später dafür schämen müssen, was ich über sie verfasst habe. Wie es wohl bei einem Arbeitgeber ankäme, würde ich schreiben, dass Sohn XY schon immer dieses und jenes Verhalten gezeigt habe? Oder wenn ich einen Sohn als hypersensibel, ADHS auffällig oder ähnlich beschreiben würde – was würde sein Umfeld (Freunde, Arbeitgeber, Konkurrenten…) denken? Wie sie sich fühlen würden, wenn ihre Klassenkameraden ihre Badewannenbilder in der Schule zeigen? Das möchte ich nicht – das wird es hier nicht geben. Das ist aber auch eine schwere Entscheidung: Was ist noch akzeptabel, was geht gar nicht?

Werbung

Auf Emilundida gibt es einen sehr guten Beitrag dazu: Die gläserne Mutter – möchte sie die gläserne Mutter sein?

Denn du bist die gläserne Mutter. Die Frau, über die ich nahezu alles nachlesen kann. In deren Leben ich in die Vergangenheit scrollen kann.

Das Bloggen bereuen

Manchmal keimt in mir der Gedanke: Warum mache ich das eigentlich? Warum schreibe ich stundenlang Blogposts, bearbeite die Bilder und betreue die Social Networks, obwohl ich auf manche Beiträge nur ein paar hundert Klicks bekomme und niemand Feedback gibt? Ein Blog lebt von Feedback, es ist ein Dialog. ich teile meine Gedanken mit dir und möchte natürlich wissen, ob du es auch so siehst. Ich erfrage Tipps, z. B. zum Schlafen, was immer noch nicht klappt oder zum Beikostplan. Ich schaffe eine kleine Welt, einen schriftlichen Ort, an dem ich mich wohlfühle. Eine Oase der Ruhe. Ich tauche ein in meine Buchstaben, forme Wörter aus ihnen und muss diese auch mit Leuten teilen, die ihre gegenteiligen Meinungen (unbedingt erwünscht!) auf miese Art äußern (unerwünscht!). Man braucht ein dickes Fell. Meines wächst noch immer. Mich nerven Spam-Kommentare im Blog, die ich händisch aussortiere und die Flut an Spam-E-Mails von Leuten, die ihre unpassenden Produkte auf dem Blog vorstellen wollen. Die Arbeit rund um den Blog ist immens. Manchmal sehne ich mich danach, endlich mal Feierabend zu haben und nicht noch einen Blogbeitrag zu schreiben, E-Mails zu beantworten oder Facebook für passende Links zu durchforsten, die ich teilen mag. Networking gehört dazu.

Obwohl ich hier ab und an Kooperationen eingehe, muss ich glücklicherweise nicht davon leben und kann mir diese zeitlich gut legen. Doch irgendwann ist auch der Werbebeitrag fällig. Wörter, die besser durchdacht sein müssen als ein persönlicher Beitrag. Mein Mann fragt mich oft: warum nur all das, obwohl ich in der Zeit auch andere Dinge machen kann? Doch was gibt es Schöneres, als die frischen Kommentare zu lesen und zu sehen, welche StammleserInnen meinen Blog verfolgen und welche neu dazukommen? Was bringt es mir, ein weiteres Buch erfolgreich gelesen zu haben, wenn mir doch der Austausch fehlt?

Nein, ich bereue das Bloggen nicht.