Wer muss eigentlich ein Kleingewerbe anmelden? Wenn man mit dem Blog Geld verdienen will, besteht eine Gewinnerzielungsabsicht, man möchte mehr Geld einnehmen, als der Blog an Kosten verursacht. Einnahmen müssen angegeben und versteuert werden und dies alles in Rahmen eines Gewerbes. Wer nebenberuflich mit dem Blog bezahlte Kooperationen durchführen will, kommt um die Anmeldung eines Nebengewerbes nicht herum.

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In wenigen Schritten zur Gewerbeanmeldung

In Berlin ist es sehr einfach, ein Gewerbe online anzumelden. Dies kostet nur 26 € und kann bequem via Browser ausgeführt werden. Online entfällt zudem die eigenhändige Unterschrift. In Brandenburg war es ähnlich, die Formulare konnten heruntergeladen und ausgefüllt werden und wurden schließlich per Post ans Gewerbeamt gesendet. In anderen Städten sollte es auch so funktionieren und preislich im ähnlichen Rahmen liegen. In Bayern, Rheinland-Pfalz und Hamburg kann das Gewerbe auch bei der Handels-/ Handwerks-/ Industrie- und Handelskammer (online) angemeldet werden.

>> Gewerbeanmeldung in Berlin: Onlineportal Gewerbeanmeldung Berlin

Formular Gewerbeanmeldung

Neben den Informationen zur eigenen Person soll in Kurzform die auszuübende Tätigkeit beschrieben werden. Bei mir ist das Online Marketing, da ich auch als SEO tätig sein werde. Wichtig ist der Haken bei „Wird die Tätigkeit vorerst im Nebengewerbe betrieben?“ Ja! Wer hauptberuflich ein Gewerbe anmeldet, muss sich meines Wissens nach selbst krankenversichern und das kann teuer werden. Für das Bloggen benötigt man keine gesonderte Erlaubnis, den Teil der Anmeldung kann man überspringen. Was z. B. nicht funktioniert, ist eine Anmeldung eines Kuchenverkaufs über’s Internet. Dafür muss man nämlich Bäckermeister sein, sagte mir damals das Ordnungsamt. Gut, dass es dort Kontrollen gibt.

Identitätserklärung ausfüllen

Da ich für die Anmeldung Online-Weg wählte, musste ich noch eine Identitätserklärung elektronisch unterzeichnen. Der Online-Dienst des Gewerbeamtes leitet wunderbar durch die Anmeldung.

Fragebogen zur steuerlichen Erfassung

Anschließen konnte ich auswählen, ob ich den Fragebogen zur elektronischen Erfassung für das Finanzamt gleich selbstständig ausfüllen. Hätte ich das nicht getan, hätte mir das Finanzamt diesen später postalisch zugesendet. Als Belohnung winkt eine Steuernummer, mit der ich das als Kleinunternehmerin tätig werden darf. Diese wird automatisch zugesendet, kann aber auch angefordert werden. Man soll dort schätzen, wie hoch die zukünftigen Einnahmen sein werden. Hier schätzte ich vorsichtig, da auch Ausgaben kommen werden und der Gewinn auf sich warten lassen kann. Die Einkommens- und Gewerbesteuer ist auch davon abhängig! Im Fragebogen macht man zudem Angaben zur Gewinnermittlung. Ich wählte hier die Einnahmen-Überschuss-Rechnung. Weiterhin entschied ich mich für die Kleinunternehmerregelung im Antrag. Somit entfällt für mich die quartalsweise Abgabe der Umsatzsteuer-Voranmeldung.

[warning]Gewerbesteuer muss erst ab einem Gewinn von 24.500 € abgeführt werden![/warning]

Wenn ihr plant, Aufträge im Ausland anzunehmen, dann kreuzt unbedingt an, dass ihr eine Umsatzsteuer-ID benötigt. Dies ist bspw. auch der Fall, wenn eine Agentur, mit der ihr zu tun habt, ihren Sitz im Ausland hat, was nicht unüblich ist. Ich habe das leider versäumt, warte zur Zeit noch auf meine Steuernummer, die ich zur nachträglichen Beantragung der Umsatzsteuer-ID benötige.

Kleinunternehmerregelung mit Umsatzsteuerbefreiung

Als zukünftige Kleinunternehmerin gab ich an, nicht mehr als 17.500 € Umsatz im Jahr zu machen und im folgenden Jahr unter 50.000 € Umsatz zu bleiben. § 19 UStG gibt weitere Informationen. Dadurch muss ich keine Umsatzsteuer abführen, darf allerdings auch keinen Vorsteuerabzug vornehmen. Das bedeutet, wenn ich einen neuen Computer für mein Gewerbe kaufe, muss ich den vollen Preis bezahlen, genau wie eine Privatperson. Unternehmen, die nicht der Kleinunternehmerregelung unterliegen, dürfen sich 19 % Umsatzsteuer vom Finanzamt wiederholen. Immerhin darf ich, wie große Unternehmen, als Kleinunternehmerin einen Computer drei Jahre lang abschreiben, d. h. jedes Jahr 1/3 der Kosten angeben, um meinen Gewinn zu schmälern (und meine abzuführende Steuer zu reduzieren).

Steuererklärung und Buchführung

Als Kleinunternehmerin mit EÜR muss ich keine Bilanz am Jahresende abgeben. Nun stellt sich die Frage, wie ich meine Buchhaltung mache. Jeder Geschäftsfall, also jede Zahlung und jede Einnahme muss aufgezeichnet werden, sodass am Jahresende der Gewinn bzw. Verlust ermittelt werden kann. Möchte ich meine Geschäftsvorfälle einfach in einer Excel-Liste aufzeichnen oder nutze ich ein EÜR-Programm, das mir am Jahresende auch leicht eine EÜR erstellt? Für die zweite Variante sollte Grundlagenwissen in der Buchhaltung vorhanden sein. Ich werde mich wahrscheinlich für WISO EÜR+Kasse Mac entscheiden, da ich mit der Steuererklärungssoftware für Privatpersonen ganz gut zurecht komme. Auf der Website gibt es auch eine Demo zum Download. Blogger, die sich für das Aufzeichnen in Excel entschieden haben, geben ihre EÜR am Jahresende via Elster online ab. Im Gegensatz zum EÜR-Programm finde ich die Steuerformulare des Finanzamtes eher schwer verständlich. Noch ein Grund mehr, um ein ordentliches EÜR-Programm zu nutzen.

In einem solchen Programm (gibt es bspw. auch von Lexware) können auch viele Einstellungen vorgenommen werden, die die Buchhaltung erleichtern. Die Rechnungsnummern werden automatisch fortlaufend vergeben, was eine zwingende Bedingung in der Buchführung ist. Die Grundsätze ordnungsmäßiger Buchführung (GoB) sollte man sich auch durchlesen.

Für mein Gewerbe legte ich mir ein separates Bankkonto an, das nur für den Geschäftsverkehr gedacht ist. Für mich ist das übersichtlicher und ich kann das Bankkonto in meiner EÜR-Software für die Buchungsfälle angeben. Der Kontostand in der Software sollte dann bei der Buchung mit dem Ist-Bestand auf dem Bankkonto übereinstimmen.

Angaben auf der Rechnung

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Was muss auf die Rechnung? §14 UStG

§ 14 UStG regelt, was auf einer Rechnung enthalten sein muss. Dazu gehört:

  • Name & Anschrift des Unternehmers und Leistungsempfängers
  • Steuernummer bzw. Umsatzsteuer-ID
  • Ausstellungsdatum
  • Rechnungsnummer (fortlaufend)
  • Art und Menge des Produkts / der Dienstleistung
  • Lieferzeitpunkt / Vereinnahmungszeitpunkt
  • Steuersatz bzw. beim Kleinunternehmer der Hinweis:
    „Gemäß § 19 UStG wird keine Umsatzsteuer berechnet.“
  • Falls die Rechnung durch den Leistungsempfänger erstellt wurde, der Aufdruck „Gutschrift”.

Wie viel darf man im Nebengewerbe verdienen und arbeiten?

Im Hauptarbeitsverhältnis ist man krankenversichert und hat sich beim Arbeitgeber schriftlich versichert, dass man ein Nebengewerbe ausführen darf. Bleibt nun die Frage, wie viel man in diesem arbeiten und verdienen darf. Hierzu informiert man sich am besten bei seiner Krankenkasse, die dies ggf. beantworten kann. Meines Wissens darf die Arbeitszeit im Nebengewerbe nicht höher als die der Hauptarbeit sein. Konkret las ich von erlaubten 15 Stunden in der Woche, in denen man dem Nebengewerbe nachgehen kann. In Deutschland darf die regelmäßige Arbeitszeit insgesamt 10 h pro Tag nicht übersteigen. Die Einnahmen sollten den Bruttoverdienst der Hauptarbeit nicht überschreiten. Befindet man sich über dem Verdienst, kann es sein, dass man sich selbst versichern muss. Dabei können die Kosten immens sein. Eine Beratung bei der Krankenkasse ist an dieser Stelle nicht verkehrt. Wer rückwirkend viele Monatsbeiträge für die Krankenkasse nachzahlen muss, könnte in Zahlungsschwierigkeiten kommen.

Welche Institutionen werden automatisch benachrichtigt?

  • das Finanzamt
  • die Berufsgenossenschaft (für Unternehmen mit Mitarbeitern)
    • Sofern man Mitarbeiter beschäftigt, muss man sich selbst an die Berufsgenossenschaft wenden. Für Blogger sollte das nicht zutreffen.
  • das Statistische Landesamt
  • die Handwerkskammer (bei Handwerkstätigkeiten – nicht für Blogger relevant)
  • die Industrie- und Handelskammer

Gewerbeanmeldung in Berlin

Ein kurzes Video von der IHK Berlin, das einen guten Überblick über die Gewerbeanmeldung gibt:

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Weiterführende Informationen gibt es bei der IHK Berlin (PDF).

[disclaim]Wer rechtliche Fragen hat, wendet sich am besten an einen Anwalt. Dieser Blogpost entstand aus Sicht einer Bloggerin und Nicht-Juristin. Fehler sind nicht ausgeschlossen, dürfen mir jedoch gerne zur Verbesserung mitgeteilt werden.[/disclaim]