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Weil der Mann so gut verdiene, sollte sie ihren Chefs zufolge für das halbe Gehalt weiterarbeiten. Lene nahm das nicht hin, war zeitgleich schwanger, wovon die Chefs erst danach erfuhren und dennoch auf die Kürzung beharrten. Sie meldete sich bei mir und möchte gerne ihre Geschichte für #AGfromHell – Arbeitgeber aus der Hölle erzählen.

Große Gehaltskürzung trotz Leitungsposition

Ich bin Bereichsleiterin in einer Agentur und arbeite 30 Stunden pro Woche. Nach dem Mutterschutz werde ich mit 20 Stunden pro Woche weiter arbeiten.

Wollen Sie nicht lieber für das halbe Gehalt arbeiten?

Der Vorschlag, künftig für das halbe Gehalt zu arbeiten kam, nachdem meine Chefs bei ihrem Steuerberater waren. Als sie sofort nach dem Betreten des Büros ein Mitarbeitergespräch mit mir ankündigten, dachte ich mir schon, dass das nichts Gutes bedeutet. Am nächsten Tag fand das Gespräch dann statt. Ich wusste zu diesem Zeitpunkt schon, dass ich schwanger bin. Es war erst die 6. Woche und ich hätte es niemals gesagt. Aber ich wusste um den Kündigungsschutz. In dem Gespräch habe ich mir dann alles angehört und um eine Woche Bedenkzeit gebeten. Während dieser Zeit war ich bei der Frauenärztin und habe mir eine Bescheinigung über die Schwangerschaft geben lassen. In der Woche drauf habe ich die dann dem Chef unter die Nase gehalten.

Der hat sich ehrlich gefreut, wollte aber gleich darauf auf seinen „Vorschlag“ zu sprechen kommen. Ich habe ihm klar gemacht, dass ich vor allem im Hinblick auf das Elterngeld keine Gehaltskürzung hinnehmen werde und dass ich einen Kündigungsschutz habe. Das hat er dann erstmal kommentarlos geschluckt. Was sollte er auch sonst machen.

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„Wollen Sie für’s halbe Gehalt arbeiten?“ – Ähh, nee?

Die innerliche Kündigung folgte

Nach einer Weile folgte dann ein Gespräch mit beiden Chefs. Sie wollten die Arbeit besser verteilen um mich besser auszulasten. Das fand ich grundsätzlich gut. Allerdings wurde das Gespräch mit dem Kommentar eröffnet, dass ich ihnen ja mit der Schwangerschaft die Pistole auf die Brust setze. In dem Moment habe ich innerlich gekündigt.

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Ich bin bei der Agentur geblieben und werde den Job noch so lange machen, wie mein Mann und ich das Elterngeld Plus bekommen. Danach werde ich mich um eine neue Stelle bemühen. Mein Mann kann sich vorstellen, dann mehr Zuhause zu sein und ich würde gerne voll arbeiten gehen. Meine Position ist grundsätzlich gut und sieht im Lebenslauf toll aus. Ich erhoffe mir deshalb gute Chancen, auch dadurch, dass meine zweite Babypause nur während des gesetzlichen Mutterschutzes stattfindet.

Die ganze Angelegenheit ist umso peinlicher, als meine Chefs sich stets als wahnsinnig familienfreundlich darstellen. Tatsächlich sind sie aber beide sehr konservativ und meinen mit Familienfreundlichkeit vor allem die traditionelle Rollenverteilung, die sie auch selbst leben. In der gleichen Woche, in der mir der Vorschlag mit der Gehaltskürzung unterbreitet wurde, hat sich die Agentur für ein Preis für familienfreundliche Arbeitgeber beworben. Das hat die ganze Sache noch einmal um ein ganzes Stück absurder gemacht.

Liebe Lene, vielen Dank für deinen Text. Einiges kommt mir aus dem näheren Umfeld und Bekanntenkreis sehr bekannt vor. Verrückt, wie sehr sich die Eigeneinschätzung von der Fremdwahrnehmung unterscheiden kann.

Wer auch eine Geschichte zur Serie #AGfromHell Arbeitgeber aus der Hölle beitragen möchte, kann mir gerne schreiben. Ich veröffentliche auch anonym.

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