Nach dem Buch Geborgen Wachsen ist das Erstlingswerk in Print von Danielle Graf und Katja Seide mit dem vollen Titel „Das gewünschteste Wunschkind aller Zeiten treibt mich in den Wahnsinn – Der entspannte Weg durch die Trotzphasen“ das Buch, das mich am allermeisten beeindruckt hat und auf dem guten Weg ist, mich zu einer besseren Mama zu machen. Vorweg: die Autorinnen geben nicht vor, was richtig und falsch ist, sie zeigen auf, welchen Weg sie gehen und verteufeln in ihrem Ratgeber keine anderen Wege. Ausgenommen natürlich die Schwarze Pädagogik mit Gewalt und Einschüchterung. Es war eine Freude und Erleuchtung zu gleich. Kein Buch, das man schnell durchliest, sondern das verstanden werden will. Ich lege es jedem ans Herz, der einen anderen Blick auf die Beziehung mit Kindern haben möchte. Danke an den Beltz-Verlag für das Rezensionsexemplar!

Ein Buch, in dem ich mich immer wiederfinde

Immer wieder, wirklich, sitze ich kopfnickend da. Ich brauchte tatsächlich 2,5 Monate, um das umfassende Werk der Autorinnen zu lesen. Ihren Tipps folge ich schon lange auf ihrem Blog Das gewünschteste Wunschkind aller Zeiten treibt mich in den Wahnsinn. Wer diesen kennt, weiß, warum das Buch schon in der dritten Auflage gedruckt wird und Spiegel-Bestseller wurde. Die Ratschläge sind toll, gehen in der Betrachtungsweise tiefer, gerne auch ins Gehirn und die Biologie, und sind praxisorientiert.

Was, wenn aus unserem Kind doch ein kleiner Tyrann wird? – Das gewünschteste Wunschkind, S. 12

Das frage ich mich ehrlich gesagt öfter, erkenne jedoch in den Tweets anderer Elternbloggerinnen, dass sie ähnliche Erfahrungen mit ihren Kindern machen. Da hilft nur: Augen zu und durch, oder? Die Autorinnen versprechen: nach dem Lesen des Buches werde ich mit Verständnis beim nächsten Trotzanfall reagieren. Ich war sehr gespannt, denn es soll einen Weg ohne Meckereien geben. Das ist genau das, was ich brauche. Denn im Meckern bin ich leider unangefochtene Meisterin.

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Das Buch: Das gewünschteste Wundkind treibt mich in den Wahnsinn

Praxisnahe Beispiele aus dem Leben

Mich spricht sehr an, dass die Beispiele mitten aus dem Alltag mit Kindern gegriffen wurden. Es kommen Problemstellungen auf wie „Mein Kind rastet aus, und ich auch“ oder „Jeden Abend das Drama beim Schlafengehen“. Punkte, die mich selbst betreffen, denn ich möchte nicht die meckernde Mutter oder immer genervt von Kindern sein. Anhand von Beispielen besprechen die Autorinnen die Fälle, schauen genau hin, was die Ursache sein könnte und bieten Lösungen an.

So erklären sie bspw. die Empathie in verschiedenen Altersklassen der Kinder und zeigen, dass diese noch nicht von Beginn an existiert. Mein 2-Jähriger kann somit noch gar nicht in mich hineinfühlen und reagiert mitunter anders, als ich es erwarte. Er kann sich auch noch gar nicht entschuldigen, muss erst lernen, die Gefühle anderer mitzubekommen. Ich muss verstehen, wie er denkt, was wunderbar mit den biologischen und psychologischen Hintergründen funktioniert, welche die beiden aufzeigen.

Der Trotz, der Eltern schier wahnsinnig machen kann, verfolgte mich schon bei meinem älteren Sohn vor 5 Jahren, als er 1,5 Jahre alt war. Ein Kind lernt das Wörtchen nein – war für mich damals sehr unangenehm war. Beim zweiten Kind wurde ich gelassener und nach dem Lesen des Buches (und natürlich ihrer Blogposts!) habe ich oft eine ganz andere Sicht auf die Situation und versuche, mich ganz in meine Kinder hineinzudenken. Natürlich klappt das noch nicht immer, eher selten, doch ich übe es. Statt auf Bock selbst bockig zu reagieren und zu sagen: „Dann lese ich eben nicht vor, wenn du so bockig bist!“ versuche ich es mit einem zweiten Anlauf, beschwichtige und lese eben doch vor. So ist das für alle ein schöner Abschluss des Tages, ohne Wut ins Bett.

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Lesen geht tagsüber nur so: neben Kinderbeschäftigung.

Beißattacken und wütende Eltern & Kinder

Meine Söhne waren beides „Beißkinder“ und nutzten dies, um sich zu verständigen. Anfangs war mir das sehr unangenehm und ich war sehr überfragt, was man denn da machen kann. Mit der neuen Kita wurde das besser, die Sohn 2.0 nicht als Täter darstellten, sondern nur darauf hinwiesen. Es wäre eben seine Art der Kommunikation, die man allerdings umleiten sollte. Mit dem größeren Wortschatz wurde das weniger. Katja und Danielle gehen auch das das Thema Beißen ein und zeigen verschiedene Arten, u. a. aus Liebe oder Wut.

Was ich sehr befreiend finde: auch über die nicht so gern erwähnte Wut der Eltern wird geschrieben. Das Kapitel ist für mich sehr aufschlussreich, so wird die Wut zwar von den Kindern ausgelöst, doch sind sie nicht die Ursache. Diese liegt viel weiter zurück. Na, wer kommt auf den Grund? :)

Einen Aha-Effekt hatte ich bei der Becher-Farbe, die schnell Wut auslösen kann, wenn sie unseren zweiten Sohn nicht passt. Es sei eben ein veränderter Plan, mit dem das kindliche Gehirn nicht klar kommt. Und viele weitere Beispiele werden genannt, die uns direkt betreffen und versprechen, einen anderen Blick auf die Situation zu bekommen. So kommt mir im Kapitel „Tipps gegen freche Antworten“ auch ein mir aus dem Psychologie-Unterricht (mein viertes Abitur-Fach) Bekannter vor: Schulz von Thun mit seinem Vier-Seiten-Modell. Was sagt das Kind, was sagen die Eltern, was hört das Kind usw. Und auch der Staufer-Kaiser Friedrich mit seinem Isolationsexperiment kenne ich aus der Schule. Würde ich das Wissen daher anwenden können, würden viele Dialoge mit den Kindern einfacher fallen. Dann lernte ich also tatsächlich etwas Sinnvolles in der Schule! ;)

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So sieht mein Buch nach dem Lesen aus: markiert und voller Notizzettel.

Wenn man sich viel mehr auf das Analytische konzentriert und dem Kind nicht immer sofort Bockigkeit und Niedertracht unterstellt (selbsterfüllende Prophezeiung), kann Kommunikation ganz anders laufen. Und eben diese ist der Schlüssel zum Glück: glückliche Kommunikation, die man eben lernen muss. Gegen das Bauchgefühl ankämpfen – welches eben auch falsch erlernt sein kann, nicht muss – und die Situation sachlich betrachten. Das geht nicht von heute auf morgen, doch mit ein wenig Übung, dem richtigen Ziel kann das klappen. Ich habe es an einigen Beispielen selbst ausprobiert und es zeigte Wirkung.

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Und es gibt so viele Themen, welche die Bestseller-Autorinnen vornehmen, die wirklich nützlich sind. Dazu gehören z. B. Geschwister-Eifersucht, wie man die Glückskessel von Kindern auffüllt, wie man Grenzen setzt und zwischen natürlichen und künstlichen Grenzen unterscheidet.

Lerneffekte, die ich aus dem Buch ziehe

  1. Auf meine Kommunikation achten
  2. Selbst kompromissbereit sein und dies nicht nur fordern
  3. Nein, welches aus Bequemlichkeit gesagt wird, weglassen
  4. Die Zeit genießen, nicht nur vom langen Einschlafprozess genervt sein, sondern das Kuscheln wahrnehmen und abspeichern. Sohn 1.0 hat z. B. nur noch wenige Kuschelmomente, die er eher mit dem Papa verbringt.
  5. Stressregulation lernen. Z. B. den Zauberatem von Dr. Karp?

Ich hatte übrigens nicht das Gefühl, dass mir Katja und Danielle ihre Sicht als die einzig Wahre aufdrängen wollen. Sie zeigen die Hintergründe, klären auf und erläutern, wie sie vorgehen. Manchmal entschuldigen sie sich gar und schreiben „Das ist kein Vorwurf unsererseits.“ – So fasse ich das nicht auf, im Gegenteil! Das gewünschteste Wunschkind ist ein absolut bereichernder Berater im Alltag. Es bestärkt mich, neue Wege zu gehen, die keine Zauberei, jedoch immer aufs Kind gerichtet sind.

Kommunikation ist der Schlüssel guter Eltern-Kind-Bindung.

Mehr zum Buch Gewünschtestes Wunschkind

Wer gerne in das Buch schnuppern möchte, kann beim Beltz-Verlag eine Leseprobe anschauen. Mit 14,95 € auf 288 Seiten bekommt man geballtes Wissen und bestimmt auch ein Umdenken im Umgang mit den eigenen Kindern präsentiert. Ich empfehle das Buch aus vollem Herzen.

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