So ein bisschen hört man es aus meinen Blogbeiträgen und Instagramposts heraus: bei uns gibt es viel Action, Unruhe und Stress. Geschwisterstreit sehe ich als großen Stressfaktor bei uns. Irgendwie müsste ich doch den Kindern beibringen, dass sie nett miteinander umgehen!

Nicola Schmidt brachte einen Ratgeber für Mehrkindeltern heraus in dem gerade das nicht gemacht wird. Stattdessen beginnt die artgerecht-Autorin bei den Eltern. In unserem Handeln können wir die gesamte Familiensituation verbessern. Ich lernte in dem Ratgeber „Geschwister als Team“ viel über mich und uns als Eltern.

Der Kösel Verlag stellte mir das Buch als Rezensionsexemplar unbezahlt zur Verfügung. Der Blogpost erscheint unbeauftragt. Der Beitrag enthält Werbelinks, mit Sternchen* versehen.

Die Kinder streiten schon wieder!

So startet auch Nicolas Ratgeber: mit Anna und ihren beiden streitenden Kindern. Die Autorin verspricht, dass wir in dem Buch anhand von sechs Bausteinen alles darüber lernen, wie Kinder denken und wie man den Frieden in der Familie wiederherstellt. Sie möchte einfache Tipps geben, die auch so umsetzbar sind – ganz ohne Manipulation.

Als Befürworterin der bedürfnisorientierten Erziehung mag ich das sehr, denn noch lange nicht handele ich so bedürfnisorientiert, wie es meinen Kindern zusteht oder wie ich mir es wünsche.

Die sechs Bausteine

  1. Verstehen, was jedes Kind braucht
  2. Phasen der Geschwisterbeziehung
  3. Rollenverteilung & Problemkinder vermeiden
  4. Geschwister lernen Konflikte lösen
  5. Geschwister lernen zu sich selbst zu finden
  6. Wie Geschwister ein Team werden

Der Ratgeber Geschwister als Team ist so gegliedert, dass er kapitelweise gelesen werden kann – von vorne nach hinten oder andersrum. Sehr interessant sind auch die kurzen Tipps zum Thema „Dos and Don’ts – Was Eltern lassen und stattdessen tun können“. Dazu gehören u. a.:

  • Nicht vergleichen
  • Nicht ausrasten
  • Nicht die Tür zumachen, wenn jemand bockt

Noch ein super Tipp, mit dem sie Jesper Juul zitiert:

Bei neuen Erziehungsmethoden bitte immer überlegen, ob man diese auch so bei dem Partner anwenden würde! (S. 215)

Gleichzeitig zeigt sie, wie man zu diesem Idealzustand kommt: Selbstfürsorge. Was kann Eltern helfen, nicht auszurasten? Hilft eine Tasse Tee? Atmen? Regelmäßiger Sport? Achtsamkeit trainieren? (S. 209)

1. Verstehen, was jedes Kind braucht

Die Autorin geht auf verschiedene Studien zum Thema Geschwisterpositionen ein. Sind Erstgeborene wirklich die schlaueren Kinder? Wie ist das mit dem Nesthäkchen? Tatsächlich spielen diese Dinge eine Rolle, doch wichtiger sind laut Nicola Schmidt, wie wir mit den Kindern umgehen, wie nah sie beieinander sind und welche Erfahrungen sie machen. (S. 24)

Ein Abstand von drei oder weniger Jahren ruft eher mehr Streit & Wettbewerb hervor, bringt jedoch später möglicherweise auch eine engere Bindung der Geschwister. (S. 26)

Spannend ist der Blick auf damals und heute: Warum streiten Geschwister überhaupt? Früher ging es um Nahrung, heute um Zeit. Sie blickt auf ältere Geschwister, andere Kulturen und klärt auf, ob sich Geschwister in früheren Zeiten besser vertrugen. (S. 37)

Werbung
Geschwister als Team - Nicola Schmidt - Eine Rezension zu dem Geschwister-Ratgeber von der artgerecht-Autorin gibt es auf Mamaskind.de
Geschwister als Team – Nicola Schmidt

2. Phasen der Geschwisterbeziehung

Es wird aufgezeigt, wie Eltern mit ihren Kindern und dem neuen Geschwisterkind in verschieden Phasen umgehen können. Es geht um das Stillen, Spielen und Kinderbeschäftigung. Sehr praktisch finde ich die Aufteilung in verschiedene Altersgruppen im 8-Monats-Abstand.

Der beste Tipp: präventive Maßnahmen ergreifen. Gar nicht erst überhungrige Kinder entstehen lassen, sondern die Bedürfnisse sofort beachten, bevor es akut wird. Konflikte sollen moderiert und das Zeitmanagement optimal gesteuert werden.

Viele, viele nützliche Hinweise gibt Nicola, bei denen es sich lohnt, sie sich zu verinnerlichen. Ein Teil ihrer Strategie ist auch das aktive Zuhören nach Gordon aus der Familienkonferenz, mit dem wir bereits sehr gute Erfahrungen machten. Nur dranbleiben fällt uns im Alltag schwer.

3. Rollenverteilung & Problemkinder vermeiden

Presst Kinder nicht in eine Schublade, sonst könnte sich dieses Denken festigen, fordert die Autorin. Geschwistervergleiche fördern Rivalität und Streit. Man sollte also nicht erwähnen, dass die Schwester ja schon besser malen kann als der Bruder!

Werbung

Sie bennent die Blau-Rosa-Falle (in der wir dank Einhörnern und Puppen für Püppiline genau am Abgrund stehen) und weist darauf hin, nicht vor den Kindern über sie zu sprechen.

4. Geschwister lernen Konflikte lösen

In dem umfangreichen Kapitel lerne ich einiges darüber, wie viel Streit eigentlich normal ist (die Antwort könnte euch ängstigen!). Wichtig ist hier: Kinder streiten nicht, um uns zu ärgern. Ein Mantra, das ich mir auch häufiger vorsagen sollte. (S. 103)

Sie gibt tolle Tipps: Wie kann man die kritischen Zeiten entstressen? Diese finde ich sehr wertvoll und überlege auch eigene. Das ist generell eine gute Idee: Nicolas Ratschläge als Basis nehmen und dann in die eigene Familie so übernehmen, wie es passt.

Nicola geht darauf ein, wie man ruhig bleiben kann, wenn die Kinder permanent streiten und pocht auf „positive Kompetenzvermutung“ – immer vom Guten ausgehen! (S. 112)

Zum schnellen Nachlesen ordnet sie 10 Tipps bei Streit und Anti-Sätze, die nicht helfen in ihrem Ratgeber Geschwister als Team an. (S. 116-117)

An die eigene Nase fassen muss ich mir erneut bei dem Thema, warum Kinder nicht teilen sollten müssen. Das schrieb ich vor kurzem noch anders: Natürlich müssen sie teilen! Ich nehme ihre Hinweise gerne als Anreiz für unsere Familie mit.

5. Wie Geschwister lernen zu sich selbst zu finden

Oberste Priorität hat hier Freiraum: ein eigenes Zimmer oder ein eigener Platz im gemeinsamen Kinderzimmer. Sie brauchen einen Rückzugsort, wenn es trubelig wird! (S. 158)

Weiter geht sie auf das Lieblingskind, Wege aus der Lieblingskind-Falle (S.160) und Mehrlinge ein.

6. Wie Geschwister ein Team werden

Die Autorin stellt aus dem Zusammentragen von Studien fest, dass der beste Erziehungsstil der autoritative ist. (S. 178) Dazu gehören Liebe, Empathie und klare Regeln.

Auch besondere Geschwister finden ein Gehör: Auf Patchworkfamilien, geistige oder körperlich eingeschränkte, stillgeborene und gestorbene Geschwister wird eingegangen. (S. 187)

Ein bisschen versteckt nach dem Anhang bietet Nicola noch Impulse und Übungen, wie man den Alltag, die Selbstwahrnehmung und die Sicht auf Alltagssituationen verbessern kann. (S. 231)

Fazit: Geschwister als Team

Als Einzelkind mit drei Kindern kann ich bestimmte Dinge nicht nachvollziehen, die meine Kinder durchmachen. Ich bin schlichtweg im Nachteil und fordere zum Teil Sachen, die ich selbst nicht möchte (meine kostbaren Stifte teilen!).

Das Buch Geschwister als Team ist wichtig und hilft mir, mich näher mit den Konflikten meiner Kinder und mit meinen eigenen zu beschäftigen. Denn wie Nicola es darstellt sehe ich es auch: eine gute Bindung beginnt bei mir, ich lebe meinen Kinder vor, wie wir miteinander umgehen.

Ich habe gelernt, dass ich noch mehr Dinge finden muss, wie ich selbst entspannen kann. Entschleunigung, ruhige Hobbys, vielleicht ein bisschen mehr weg vom Computer hin zu den Offline-Hobbys. Sport will ich unbedingt wieder in meinen Alltag einbinden. Und das alles möchte ich schaffen, ohne mich selbst zu stressen – sonst wäre das auch wieder kontraproduktiv.

Geschwister als Team ist kein Buch, das zeigt, welche Hebel man bei den Kindern drücken muss, damit sie sich nicht mehr streiten. Strafen bringen bekanntlich nichts. Es beginnt bei mir, meiner Kommunikation, meiner Haltung, meinem Blick auf die Kinder.

Mehr zum Buch Geschwister als Team

Werbung