Eine meiner Lieblingsbloggerinnen ist Susanne Mierau, die über bindungsorientierte Elternschaft auf Geborgen Wachsen schreibt. Ich lese ihre Blogbeiträge sehr gerne, denn oft habe ich einen Aha-Effekt und denke: Ja, genau das ist der schönere (Erziehungs-) Weg. Durch ihren Blog kam ich z. B. darauf, dass man ein Familienbett selbst bauen kann, oder dass das Stillen von Kleinkindern vollkommen in Ordnung ist. Sie bestärkt mich, meinem Bauchgefühl zu folgen, denn oft tut man das Richtige. Mit Geborgen Wachsen hat sie wertvolle Hinweise in Buchform gebracht: eine schöne Lektüre für Eltern. Ich freue mich sehr, dass ich das Buch rezensieren darf!

Geborgen Wachsen – das Buch

Wer das Buch in die Hand nimmt, fühlt es gleich: hochwertige, feste Seiten, die sich sehr angenehm anfühlen. Der einzige Grund, warum ich noch ein Buch kaufen würde, ist genau dieser: ich möchte in das Buch reinfühlen. Das Layout und die Farben sind wunderschön, sie stechen optisch klar hervor. Auch toll: die Fotos sehen nicht nach stundenlangen Fotosessions auf, sondern sind mitten aus dem Geschehen entstanden. Doch was ist eigentlich Geborgenheit? Susanne hat eine eigene Definition:

Geborgenheit ist etwas, das wir mit unserem ganz eigenen Zutaten selbst herstellen. (Susanne Mierau, Geborgen wachsen, S. 8)

Sie schreibt, dass es schwierig ist, die richtigen Entscheidungen zu treffen, denn die Umwelt und das Bauchgefühl spielen mit. Doch egal, wie der Weg aussehen wird: das Wichtigste ist die Liebe zu den Kindern und die Signale des Kindes erkennen und angemessen darauf reagieren.

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Geborgen wachsen – das Buch

Bindung und Geschwister

In ihrem Buch bespricht sie die Bindung, geht auf Bindungspsychologie von Bowlby und Ainsworth ein. So brauchen Kinder unbedingt Nähe zu Bezugspersonen. Sie schreibt darüber, wann Bindung beginnt – in der Schwangerschaft – geht auf die Väter ein und was sie tun können, damit auch sie schon vor der Geburt eine Bindung zum Kind eingehen können. Was ich wahnsinnig spannend finde ist die Bindung zwischen Geschwistern. Auch dazu äußert sich die Autorin und gibt Hinweise, wie man diese fördern kann. Besonders die Momente, in denen sie über ihre eigenen Kinder spricht, fühle ich mich angesprochen und finde die Tipps sehr hilfreich. Z. B. Soll nach der Geburt zuerst das große Geschwisterkind begrüßt werden, bevor die Vorstellung des Babys passiert.

Kind verstehen

Im weiteren Verlauf des Buches betont sie, wie wichtig Nähe ist und erwähnt „Gebärmutterheimweh“. Dazu erläutert sie die sechs Bewusstseinszustände von Babys, auf die man angemessen reagieren sollte. Das heißt für Eltern: beobachten, lernen und handeln. Und ein ganz wichtiger Hinweis für Babyeltern:

Babys schreien niemals grundlos! (Susanne Mierau, Geborgen wachsen, S. 63)

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Sohn 2.0 hilft beim Blättern in Geborgen wachsen

Ertappt: ist ein Nein notwendig?

Ich bin eine häufige Nein-Sagerin und wollte eigentlich öfter ja sagen. Doch das gelingt mir nicht. Daher danke ich ihr, dass sie das so offen sagt: Susanne betont, dass Eltern viel häufiger nein sagen, als notwenig. (S. 65) Sie regt zum Nachdenken an: Warum sagen wir an dieser Stelle nein? Vielleicht ist ein Verbot gar nicht notwendig? Möchte man einen Konflikt heraufbeschwören, nur weil man konsequent sein will? Weiterhin schreibt Susanne über Bindung im Alltag und geht u. a. auf das Thema Einschlafen ein. Kinder merken, dass man angespannt ist und das überträgt sich auf sie, so Susanne im ihrem Buch. Ihr Tipp: Ruhepausen auch im Tag einbauen und wichtige Aufgaben nicht in den Abend legen.

Jeder hat seinen eigenen Weg

Im weiteren Verlauf nimmt sie auch en Anfangsgedanken wieder auf: Geborgenheit kann verschieden aussehen. Für jeden gibt es einen einzigartigen Weg. Sie schreibt über den Sinn des Stillens, die Häufigkeit, stellt aber zugleich dar, dass auch Kunstmilch Geborgenheit heißen kann. Dasselbe gilt für die häufige Diskussion um Themen wie Stoffwindeln, windelfrei, Familienbett, Kinderwagen und Tragetuch. Es gibt nicht die eine richtige Lösung für alle!

Fazit: Geborgen wachsen

So ein schönes Buch! Dies ist nur ein kleiner Auszug aus den wunderbaren Themen, die Susanne anspricht. Es bestärkt mich: das, was ich tue ist der richtige Weg. Da können Verwandte und Bekannte noch so oft sagen: „Na, das Stillen reicht langsam, dein Sohn ist ja bald 2 Jahre alt!“. Von wegen, jeder hat sein eigenes Tempo. Susannes Tipps am Ende eines Themas helfen mir auch als zweifache Mama dabei, zu meinem Standpunkt zu stehen. Toll ist auch, dass sie Einblick in die wissenschaftlichen Aspekte gibt und auch die Bindung aus psychologischer Sicht erklärt. Ich freue mich sehr auf das Folgebuch, das 2017 erscheinen soll. Tipp: Kaufen oder an Eltern verschenken!

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Bloggerin und Autorin von Geborgen wachsen: Susanne Mierau