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Martin gibt einen Einblick in seine Shopping-Seele:

Ich gehe gerne einkaufen. So, jetzt hab ich’s gesagt. Ich weiß, dies aus dem Mund eines männlichen Wesens zu hören, mag auf beginnenden Irrsinn schließen lassen, aber weit gefehlt! Einkaufen ist das moderne Äquivalent der steinzeitlichen Jagd, seinerzeit eine absolute Männerdomäne. Die Jagd erforderte damals große Disziplin, Kraft, Ausdauer und Mut. Heute ist es nicht anders.

Ein Mann im Supermarkt

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Martin geht gerne einkaufen. Seine Erlebnisse schildert er witzig hier…

Gleich am Eingang des Supermarktes meines Vertrauens schallmeit mir wunderbare Fahrstuhlmusik, nur unterbrochen von extrem schlechten Werbeblöcken und den üblichen “513 bitte an die 311″-Ausrufen, entgegen. Ich nehme also all meinen Mut zusammen und durchschreite die Sperren am Markteingang. “Wage es ja nicht, hier rauszugehen, ohne was gekauft zu haben” will die hinter mir zuklatschende Schranke auf subtile Weise vermitteln. Dann geht es nach rechts, zu den Zeitungen. Das meiste dort ist aber Mist. Ist euch mal aufgefallen, dass in Zeiten des Internet einfach nix Spannendes mehr in den Zeitschriften steht? Egal. Am Ende des Ganges linse ich heimlich zu den Erotikzeitschriften hoch. Die haben immer so lustige Titel: “Prall und Rund” oder “60 und Versaut”. Kleiner Tipp an die Damenwelt: Wenn ihr denkt, Probleme mit eurer Figur zu haben, die Lektüre dieser Zeitschriften beweist binnen kürzester Zeit: es geht immer noch schlimmer.

Weiter gehts zum Naschwerk. Hier sind meistens junge Mütter oder Väter mit ihren Kindern anzutreffen, die versehentlich in den Süßigkeitengang abgebogen sind. Nun versuchen sie, ihre chronisch unterzuckerten Bälger von den Gummibärchen im 5 Liter-Eimer loszueisen. Der erfahrene Supermarktjäger kann da nur müde grinsen. Anfänger. Auf zu den Milcherzeugnissen. Verdammt, ‘ne Unentschlossene direkt vor meinem Lieblingsjoghurt. Schweißperlen stehen auf ihrer Stirn, mühsam unterdrückt sie den Drang mit den Fingern das beste Preis-Leistungsverhältnis für den Bananenjoghurt zu berechnen. Ich will nicht stören, es sieht aus, als ob ihre Bemühungen langsam dem Ende zu gehen. Ich schiebe deshalb vorsichtig ihren Wagen ein paar Zentimeter zur Seite. Leider habe ich die Gefährlichkeit der Situation arg unterschätzt. Kaum berühre ich den Wagen, da fährt sie herum, zieht den Wagen an sich und wirft mir einen bitterbösen Blick zu. Ich erkenne sofort, hier will jemand sein Revier markieren. In so einem Fall ist dann ein schneller Rückzug angesagt, ehe sie anfängt zu beißen. (Später steht die Dame unentschlossen vor dem Hygiene-Regal. Ich nutze die Gelegenheit und verstecke ein paar Schachteln Kondome in ihrem Wagen, gnhihihi.)

Obst, Gemüse und Verschwörungen

Also flott weiter zum Obst und Gemüse. Hier hat sich ein ganzes Rudel alter Leute festgesetzt. Generell können zwei Arten unterschieden werden, die Verschwörungstheoretiker und die Merknixe. Da kommt auch schon der Erste auf mich zu, dem Blick nach, den er mir zuwirft ganz klar ein Verschwörungstheoretiker. “Warte Bürschchen, ich kenne euch Typen. Ihr klaut doch wie die Raben. Kuck meinen Wagen nur einmal falsch an und ich mach dich alle. Ich hab seinerzeit den Franzosen gehörig den Arsch versohlt, damals vor Verdun. Da schaff ich dich doch locker!” Ganz klar kann ich diese Worte hinter seiner Stirn pulsieren sehen. Das ist für mich DIE Chance Gutes zu tun. “Einen schönen guten Tag”, sage ich laut, deutlich und mit meinem freundlichsten Gesichtsausdruck. “Herrliches Wetter, was?” Sein betroffener Gesichtsausdruck macht klar: hier ist soeben ein Weltbild zerbrochen. Meine Arbeit ist getan.

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Bei den Obstkonserven versperrt ein Merknix den Weg. Den Wagen mitten im Gang parkend, steht er regungslos bei den Obstkonserven, den Mund leicht geöffnet, ganz klassisch mit Speichelfaden.Vielleicht wartet er drauf, dass die eingemachten Kirschen austreiben.  Man weiß es nicht. Der erfahrene Jäger weiß natürlich: stellt man sich hier hin und wartet höflich, hat man seinen Einkauf bis Ladenschluss nicht geschafft. Hier hilft nur die Schocktherapie. Ich schleiche mich an, versuche gegen den überwältigenden Geruch toter Haut und vergessen-wie-man-sich-untenrum-wäscht anzukämpfen. Dann brülle ich direkt in sein Ohr: “Entschuldigung, könnten Sie wohl bitte ihren Wagen wegnehmen, ich möchte hier durch!!!” Der Gute zuckt nicht mal. Er muss aber irgendwas bemerkt haben, denn er dreht sich langsam um. “Was?” fragt er mit einem  Ausdruck milder Verwirrung im Gesicht. Gestikulierend bedeute ich ihm, seinen Wagen wegzuschieben. Was er dann auch in aller Seelenruhe tut. Dass er mittlerweile einen Stau bis zurück zum Mascarpone verursacht hat, fällt ihm nicht auf.

Blödchen im Supermarkt

Gut, fast fertig. Nur noch ein paar Hygieneprodukte für die Lady und dann ab zur Kasse. Im Gang mit dem Schminkzubehör bietet sich ein interessanter Anblick: ein Blödchen. Diese possierlichen Supermarktbewohner sind meist recht ansehnlich, aufwändig lackiert und so leer in der Rübe, dass ihre Gedanken Echos haben. Gut zu erkennen sind sie an der Unfähigkeit, sich am Markteingang einen Wagen zu nehmen. Stattdessen versuchen sie, alles mit den Händen bis zur Kasse zu tragen. Ich scheine diesmal einem besonders engagierten Exemplar begegnet zu sein, denn sie hat bereits beide Hände voll und versucht gerade, einen Lippenstift aus den Regal zu holen. Fasziniert bleibe ich stehen. Nach einer Weile fällt ihr auf, dass sie ja einen Mund hat und mit einer fliessenden Bewegung hat sie den Lippenstift zwischen den, nunja, Lippen. Man kann nur ahnen, woher sie das so gut kann. Als sie anfängt, darüber nachzudenken, wie man den Lippenstift jetzt aufschrauben könnte, verlasse ich die Szene.

Der erfolgreiche Supermarktjäger

Endlich, alles beisammen, ab zur Kasse. Ich hieve meine Einkäufe aufs Band und flitze nach vorn um die gescannten Produkte wieder in Empfang zu nehmen. Alles läuft ruhig, bis zur Melone. Die Kassiererin dreht das gute Stück hin und her, schaut mich dann über ihre Brille vorwurfsvoll an und sagt dann leicht schnippisch: “Die müssen sie aber wiegen!” Seltsam. “Da stand doch ein Stückpreis dran” sage ich. “Ja, das gilt aber nur für die Melonen mit Barcode.” “Ha!”, sage ich triumphierend, “hier IST doch der Barcode!” und drehe die Melone so, dass die Kassiererin ihn auch sehen kann. Aber damit hatte diese schon gerechnet. “Nein, das ist der Falsche. Sie müssen die Melone abwiegen.” Verdammt, also einmal zu dieser Extra-Waage für Leute, die vergessen haben, zu wiegen. Dafür muss ich an allen anderen Kassen vorbei. Die Leute dort werfen mir hämische Blicke zu. Ha, schon wieder ein Idiot, der vergessen hat, die Melone zu wiegen. Ich verziehe keine Mine, schließlich steht ein erfolgreicher Supermarktjäger über solchen Kindereien.

Und damit endet mein Besuch im Einkaufsdschungel. Wieder habe ich überlebt. Manchmal nur um Haaresbreite, aber gerade das sind Situationen, in denen sich zeigt, aus welchem Holz man geschnitzt ist. Lachend begrüße ich auf dem Parkplatz die Abendsonne. Nur noch schnell einpacken und ab nach Ha… – verdammt ich muss ja noch zum Baumarkt. Aber DAS ist eine andere Geschichte.