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Martin erzählt von seinem Sonntagmorgen, den er sich sicher anders vorgestellt hat. Kommt euch das bekannt vor? ;-)

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Eltern wollten am Wochenende ausschlafen!

Sonntagfrüh – zu früh

Langsam kommt sie auf ihn zu. Sie lächelt, beißt sich verspielt auf die Unterlippe, schlägt die Augen auf und schenkt ihm einen Blick, der seinen Verstand aussetzen läßt. Sie lässt ihr Negligé langsam herabgleiten und trägt jetzt nur noch die silberne Kette mit dem kleinen Anhänger, den er ihr zum letzten Jahrestag geschenkt hatte. Sie beugt sich über ihn, er spürt ihre Wärme, ihren Atem auf seiner Haut. Er hebt die Hände, um ihre herrlichen, runden “PAPA” flüstert es ungefähr einen Zentimeter neben seinem Ohr. Gleichzeitg piekst ihm ein kleiner, durchdringend nach Spucke riechender Finger in die Wange. Der Vater erwacht. Seiner Kehle entfährt ein Knurren, das jedes niedere Lebewesen und die meisten Menschen instinktiv zu Flucht oder Schockstarre veranlasst hätte, vom Kind aber folgendermaßen interpretiert wird: “Guten Morgen, mein Sonnenschein! Schön dass du mich geweckt hast, erzähl mir doch mal gleich alles, was dir so in den Sinn kommt.” – “Papa, kann ich schon Fernsehen gucken?” – Der Vater sammelt alle Willenskraft, hebt ein Augenlid und schielt Richtung Wecker. Es ist 4 Uhr 53. Er überlegt: Es muss Wochenende sein, denn in der Woche ist das Kind nur unter Einsatz von schwerem Gerät aus dem Bett zu bekommen. Wenn er das Kind jetzt vor den Fernseher setzt, könnte er friedlich weiter schlafen. Andererseits wird das Kind dann beim Frühstück von den vielen nackten Frauen erzählen, die im Fernsehen gesagt haben, man soll sie anrufen, dann würden sie einem was besorgen und was das denn wäre? Das könnte eventuell Ärger geben. Knifflig! Der Vater wählt den ehrenvollen Weg: “Zum Fernsehen ist es noch zu früh, das geht erst um 6 Uhr los, geh wieder schlafen.” – Das Kind zieht enttäuscht ab und der Vater schließt die Augen.

Sanft streichelt sie ihn. Sie küsst ihn, erst auf den Mund, dann den Hals hinunter und weiter abwärts. Immer tiefer spürt er ihre zarten Lippen bis KLAPP! Tappel, tappel, tappel, klink, knips, klapp, puller, klapp, spül, tappel, tappel, zöger, dreh, tappel, tappel, plätscher, tappel, tappel, tappel, KLAPP! Der Vater seufzt, steht auf, geht ins Bad und schaltet das Licht aus. Immerhin hat es sich ans Händewaschen erinnert, denkt er, als er wieder ins warme Bett schlüpft. Behagliche Wärme umfängt ihn, als er – mal wieder – die Augen schließt.

Sie sieht ihn an, kommt ganz nah, er riecht den Duft ihrer Haare, kann ihren Körper an seinem spüren. Er umschlingt sie mit seinen Armen. Sie knabbert zärtlich an seinem Ohrläppchen und flüstert: “PAPA, jetzt ist aber Zeit zum Fernsehen!” Ein Seufzer, ein Blick zur Uhr, es ist 6 Uhr und 20 Sekunden. Ständig das Licht vergessen, aber die Uhr auf die Sekunde lesen können, denkt der Vater. Aus Erfahrung weiß er, dass es keinen Zweck hätte, zu verhandeln. Ein letztes Mal spürt er die Wärme seines Bettes, schlägt die Decke zurück und steht auf. Das Kind zieht ihn ins Wohnzimmer und drückt ihm die Fernbedienung in die Hand. Er schaltet ein, zieht sich die Sofadecke unters Kinn und schließt die Augen.

Sie ist weg. Stattdessen streiten sich zwei gelbe Bären, einer mit rotem Hemd, der andere mit blauem Trenchcoat und rotem Hut, ob sie erst Honig suchen oder lieber zu Mr. Gruber gehen wollen. Eine kleine grüne Lok fährt vorbei und brüllt: “Wir gleiten auf den Gleisen!” Im Waggon hinter ihr sitzen ein Tafelschwamm mit einem Pfannenwender, ein grenzdebiler Seestern und ein Klarinette spielender Tintenfisch. Im Hintergrund versucht ein offensichtlich geisteskranker Bauarbeiter einem angstgestörten blauen Baukran zu erklären, dass es kein Problem wäre, den Stahlträger anzuheben, schließlich sei er ja ein Kran. Ein blondes Mädchen in einem grünen Kleid und mit einem Besen in der Hand kommt und verzaubert alle in Elefanten mit roten Jacken und Mützen. Ein Typ in blauer Latzhose erklärt, dass das zwar alles komisch aussieht, aber eben so ist.

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Ein zärtlicher Kuss weckt den Vater aus seinen Träumen. Seine wunderbar ausgeschlafene Frau streichelt ihm über die Wange und zwinkert ihm verführerisch zu. Manche Träume, denkt der Vater hoffnungsvoll, werden ja auch wahr. Das Kind indes schläft vor dem laufenden Fernseher tief und fest und nach dem Sabberfleck zu urteilen, der sich langsam auf dem Kissen bildet, auch schon seit einer ganzen Weile. Der Vater seufzt, und geht Frühstück machen.

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