Ein neuer Beitrag zu meiner Reihe Arbeitgeber from Hell: Sie war schwanger mit dem dritten Kind, erkrankte und musste schlechtes Gerede hinter ihrem Rücken aushalten. Davon und den betreffenden Kollegen trennte sie sich.

Ich räume den Platz in meinem Herzen mit diesem letzten Tag und habe daraus gelernt – Alu

Schwangerschaft ist ein Verbrechen?

Ich dachte immer schwanger sein ist kein Verbrechen und vor allem ist es eins, nämlich eine sehr private Angelegenheit. Doch dann wurde ich schwanger und krank und wurde eines Besseren belehrt. Am Anfang meiner letzten Schwangerschaft sagte mir der Arzt, dass man nicht wissen könne ob es der Fötus unter diesen Voraussetzungen schaffen würde bis zu 12. Woche und schrieb mich krank. Wochenlang lag ich daheim mit Übelkeit und Angst, mit tausend neuen Medikamenten und Diagnosen vom Arzt erschlagen. Es war echt eine Scheißzeit und hätte mich der Mann nicht ab und zu mit dem Auto irgendwo hingefahren, dann wäre ich innerlich wahrscheinlich vereinsamt.

Jede Woche kamen in dieser Zeit die Nachfragen vom Arbeitgeber per Telefon und am Anfang freute ich mich über die rührenden Fragen nach meiner Rückkehr. Ich blieb standhaft am Telefon, sagte immer wieder was von krank und zog mich zurück in meine sehr private Welt, abseits vom Arbeitsstress. Ich wollte das Private nicht teilen so lange ich selbst nichts Genaues wusste. Die Nachfragen wurden deutlicher und erreichten mich per Telefon, SMS, E-Mails und Facebook-Nachricht und ich brach mein Schweigen. Obwohl ich noch nicht mal meinen Freunden von meiner Schwangerschaft erzählt hatte (und versuchte eine Art Fassade aufrecht zu erhalten), sprach ich mit meinem Arbeitgeber am Telefon und nannte ihm den Grund für meine lange Abwesenheit. Ich fühlte mich gedrängt, aber unter Tränen sagte ich ihm was los ist. Ich sendete zum Beweis den Mutterpass, der sich immer noch surreal anfühlte, ging zum Betriebsarzt und zu all meinen weiteren Ärzten und erhielt ab einem bestimmten Punkt ein Beschäftigungsverbot.

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Schwangerschaft ist ein Verbrechen – Reihe Arbeitgeber from Hell – Alu von Große Köpfe

Versetzung auf anderen Arbeitsplatz ohne Einwilligung

Fakt war, ich wurde ab Anfang an als Risikoschwangere eingestuft und spürte das auch an meinen vielen Arztterminen und meiner körperlichen Belastbarkeit jede Woche. Als ich das Beschäftigungsverbot hatte wollte ich mich gern ausruhen, ich wollte abschließen, ich wollte innen drin zur Ruhe kommen, aber man versetzte mich (ohne direkte Kommunikation) in eine andere Abteilung und auf eine andere Position. Erst an meinem Gehaltsschein merkte ich den Unterschied.

Also keine Ruhe, kein Ankommen, kein Zurechtfinden im neuen Alltag. Ich telefonierte und schrieb E-Mails und wieder zwei Monate später, mehrere lange Telefonate mit der Gleichstellungsbeauftragten und einer Menge E-Mail-Verkehr klärte sich die Situation. Ich wurde (dieses Mal mit meinem Einverständnis) versetzt, erhielt aber weiter das alte Gehalt bis zum Mutterschutz. Inzwischen fiel mir auf, dass all meine Dinge noch im Büro waren. Ich hatte ja nie geplant dorthin nicht zurückkehren, aber die Reaktionen auf die Nachricht meiner Schwangerschaft hatten auch nicht dazu beigetragen, dass ich meine Kollegen besuchten wollte um mir noch weitere Sprüche anzuhören. Ich schrieb meine Kollegin an, bat sie meine privaten Dinge in eine Kiste zu tun, damit mein Mann diese abholen kann. Die Antwort der Kollegin war kurz und knapp, er könne diese doch packen wenn er käme. Na danke!

Klatsch & Tratsch statt Mitfühlen

All mein warmes Gefühl für die Kolleginnen die mir anscheinend sauer waren weil eine Schwangerschaft mich ungeplant aus dem Verkehr gezogen hatte, war damit endgültig weg. Verdammt nochmal, schwanger sein ist doch kein Verbrechen! Keiner meiner dort tätigen Kolleginnen hat jemals direkt nachgefragt wie es mir geht, oder warum ich eigentlich im Beschäftigungsverbot war. Sie bauten sich ihr Bild aus meinen Internetpräsenzen auf und dachten vielleicht ich mache den ganzen Tag Party am Badestrand, oder sowas.
Das mich meine zweite private Welt (die immer bekannt war) ab und zu aus der Einöde zwischen Arztterminen und liegen herausgeholt hat, wollten sie anscheinend nicht wissen. Sie hatten ihr Urteil bereits gefällt.

An meinem letzten offiziellen Tag im Büro erhielt ich noch eine Facebook-Nachricht „Man räume jetzt mein Büro, wann denn die Sachen abgeholt würden.“ Keine Karte, kein Gruß, keine Nachfrage, kein Nichts. Ich antwortete auf die Nachricht und blockte danach die Person. Schluss mit hinter meinem Rücken Gerede. Ich brauche all die Dinge nicht.

Räumt ihr mal mein Büro und stellt die Kiste in den Keller, dachte ich. Ich räume den Platz in meinem Herzen mit diesem letzten Tag und habe daraus gelernt: Es ist anscheinend doch ein Verbrechen in dieser Gesellschaft ungeplant schwanger zu sein und der Ansatz, dass die Vereinbarkeit von Beruf und Familie bereits dort am Anfang beginnt ist, war wohl auch nur eine Farce.

Alu – Große Köpfe


Wer – gerne anonym – etwas zur Reihe Arbeitgeber from Hell beisteuern möchte, kann gerne auf mich zukommen. Schreibt mir per E-Mail oder Twitter.

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