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Kurz nachdem ich den positiven Schwangerschaftstest in der Hand hielt, begann ich mir auch schon Gedanken darüber zu machen, wie ich es meinen beiden Vorgesetzten sagen sollte. Diesen Teil hätte ich nur zu gern übersprungen, da ich tatsächlich mit dem Schlimmsten rechnete. Ich erinnere mich noch sehr gut daran, wie schlecht ich schlief, weil ich einen gehörigen Respekt vor der Reaktion dieser beiden Frauen hatte. Mein Bauchgefühl trügt mich sehr selten und so sollte ich auch dieses Mal recht behalten. Ich wurde Opfer von Mobbing am Arbeitsplatz.

Der falsche richtige Zeitpunkt

Ich wurde kurz nach dem Ende der Probezeit schwanger. Wir hatten zuvor mehrere Jahre lang versucht schwanger zu werden und ich wollte es unbedingt erneut probieren. Ich war nämlich bereits Anfang 30 und ging davon aus, dass wir auch dieses Mal Geduld beweisen müssten. Umso überraschter war ich, als ich gleich im ersten Monat schwanger wurde. Der Zeitpunkt meiner Schwangerschaft war so kurz nach dem Ende der Probezeit natürlich nicht günstig. Im Nachhinein betrachte ich ihn jedoch als kleinen Wink des Schicksals, da mich all die Geschehnisse stark genug gemacht haben, um mich von diesem vermeintlich sicheren Job zu trennen, der mir einfach nicht länger guttat.

Überwindung und Gegenwind

Nachdem ich mich Nacht für Nacht umherwälzte und grübelte, wie ich denn nun verkünden sollte, was mich doch eigentlich so glücklich machte, überwindete ich mich noch vor dem Beginn des zweiten Trimesters. Ich wollte es einfach nur noch hinter mich bringen. Außerdem fand ich es fair es frühzeitig zu sagen, damit rechtzeitig ein passender Ersatz gefunden werden kann. Also habe ich in der 9. Schwangerschaftswoche um einen Termin bei meiner Teamleitung gebeten und es ihr gesagt. Tatsächlich hatte ich in diesem Moment das Gefühl, dass sie sich für mich freuen würde. Nach einem kurzen Gespräch bat sie meine Gruppenleitung hinzu und teilte es auch ihr mit. Ihre Freude war verhaltener, was für mich in Anbetracht des Überraschungsmoments jedoch durchaus verständlich erschien.

Schon am nächsten Tag änderte sich jedoch alles und ich bekam den ersten Gegenwind. Zunächst änderten sich der Ton und das Verhalten mir gegenüber. Beides wurde kälter und von der vermeintlichen Freude vom Vortag war nichts mehr zu spüren. Im Laufe der kommenden Monate verschlimmerte sich das Verhalten mir gegenüber stetig. So wurden Meetings beispielsweise sehr gerne auf den späten Nachmittag gelegt, wobei immer sehr ungehalten reagiert wurde, wenn ich pünktlich und dem Mutterschutzgesetz entsprechend gegangen bin. Meine beiden (kinderlosen) Chefinnen zeigten mir sehr deutlich, was sie seit der Schwangerschaft von mir hielten. Deshalb fuhr ich schon bald mit Bauchschmerzen zur Arbeit und fühlte mich von Tag zu Tag unwohler.

Mobbing in der Schwangerschaft - Arbeitgeber from Hell

Mobbing in der Schwangerschaft – Arbeitgeber from Hell

Wenn die Kollegen mobben

Nachdem ich die kritischen ersten 12 Wochen der Schwangerschaft hinter mir gelassen habe, wurde ein Abteilungsmeeting einberufen, indem auch meine Kollegen über meine Schwangerschaft informiert wurden. Während einige meiner Kolleginnen sich aufrichtig für mich freuten, waren da auch zwei andere, die fast sofort damit begannen mir das Arbeitsleben schwer zu machen.

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Eine davon wurde kurz vor dem Beginn meiner Schwangerschaft neu eingestellt und fand von Beginn an keinen Draht zu mir. Wir waren total verschieden und ich hatte zu keinem Zeitpunkt das Gefühl, dass sie mich mögen würde. Das war für mich allerdings nie ein Problem, weil ich es nicht schlimm finde, wenn man dennoch professionell miteinander umgeht und zusammenarbeitet. Sie war selbst Mutter und warf mir beispielsweise wenig später fehlende Professionalität vor, weil ich mich über den Umgang beider Vorgesetzten mit meiner Person beschwerte. Das saß natürlich und verletzte mich sehr, weil mich die Beschwerde allein schon so viel Kraft kostete. Zudem hatte ich von einer Mutter mehr Verständnis für meine Situation erwartet.

Die andere Kollegin warf mir vor, dass ich ihr nicht schon früher von der Schwangerschaft erzählt habe. Das hat mich absolut irritiert, weil wir immerhin nicht befreundet waren. Ihrer Meinung nach hätte ich ihr also erzählen müssen, was grundsätzlich meinen Freunden und meiner Familie vorbehalten war. Nach ihrem Vorwurf redete sie so gut wie gar nicht mehr mit mir. Das war durchaus schwierig für mich, weil wir uns direkt gegenübersaßen.

Hilflos

Nachdem ich meinen beiden Vorgesetzten erzählt hatte, dass ich schwanger war, bat ich um ein Gespräch mit der Personalchefin des Unternehmens. Innerhalb dieses Gesprächs wollte ich beispielsweise über das weitere Vorgehen informiert werden. Zudem hatte ich mich mit Fragen hinsichtlich des Mutterschutzgesetzes bewaffnet. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich nämlich wenig Ahnung welche Rechte und Pflichten ich nun hatte und was ich am besten gänzlich lassen sollte.

Das Gespräch war leider alles andere als erfreulich. Als ich begann mich bezüglich des Mutterschutzgesetzes zu erkundigen änderte sich der Ton. So wurde mir beispielsweise gesagt, dass ich auch an das Unternehmen denken müsse, als ich nach Überstunden und Mehrarbeit gefragt habe. Überstunden wären überhaupt nicht schlimm und da müsse man sich nicht so genau ans Mutterschutzgesetz halten, sagte sie. Mich hat die Schwangerschaft zu diesem Zeitpunkt allerdings ziemlich mitgenommen, sodass ich dem widersprechen musste. Vor der Schwangerschaft habe ich etliche Überstunden gemacht und mich nie beschwert. Jetzt hatte ich allerdings eine ganze andere Verantwortung mir und meinem Kind gegenüber.

Nach diesem Gespräch bin ich hilflos und verzweifelt nach Hause gefahren. Gerade von Seiten der Personalabteilung habe ich mir Rückendeckung erhofft. Ich wusste, dass diese Frau selbst zwei Kinder hat und erhoffte mir deshalb Verständnis für meine Situation. Nachdem ich auch hier keines bekam, beschäftigte ich mich selbst mit dem Mutterschutzgesetz und machte es zur Grundlage meines Arbeitsalltags. Ich musste endlich aufhören Hilfe von anderen zu erwarten und beginnen mir selbst zu helfen.

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Das rettende Beschäftigungsverbot

In der 21- Schwangerschaftswoche wurde bei mir Schwangerschaftsdiabetes diagnostiziert. Damit galt ich nun zu allem Überfluss auch noch als risikoschwanger. Ich musste Insulin spritzen und mehrmals täglich meinen Blutzucker messen. Als ich die Diagnose bekam meldete ich sie auch meinen Vorgesetzten.
Im Falle von einem Schwangerschaftsdiabetes muss man regelmäßig Termine bei einem Diabetologen wahrnehmen. Das Gesetz sieht vor, dass diese Arzttermine als Arbeitszeit gelten. Auch das musste ich allerdings erst einmal in diesem Unternehmen durchsetzen und erkämpfen.
Trotz des Insulins waren meine Werte während meiner Arbeitszeit sehr oft bedenklich. Es fiel nicht schwer einen Zusammenhang zwischen meiner Arbeitssituation und den schlechten Werten herzustellen. Also berieten sich meine Diabetologin und meine Gynäkologin. Im achten Schwangerschaftsmonat wurde mir das rettende Beschäftigungsverbot ausgestellt. Ich war so unglaublich froh dort nicht mehr hingehen zu müssen!

Endstation Kündigung

Meine Schwangerschaft wurde mir zur wahren Hölle gemacht und das werde ich nie verzeihen können. Vergessen konnte und kann ich es leider auch nicht. Deshalb entschied ich mich dazu noch während der Elternzeit und zum Ende der Elternzeit zu kündigen. In ein Unternehmen zurückzukehren, das derartig mit Mitarbeitern umgeht, kam für mich nicht in Frage. Zudem konnte ich nur ahnen, welche Hölle mich bei meiner Rückkehr erwarten würde. Wenn ich eines gelernt hatte, dann war es, dass ich mich schützen muss. Die Kündigung habe ich bisher keinen einzigen Moment bereut.

Entgegen all meiner vorherigen und überaus positiven Personalgespräche haben sich meine ehemaligen Vorgesetzten übrigens anhand meines Arbeitszeugnisses für meine Schwangerschaft gerächt. Ich habe allerdings nicht lange gezögert und einen Anwalt konsultiert. Das letztendliche Arbeitszeugnis entspricht immer noch nicht meinen zuvor bescheinigten Leistungen, kann sich aber dennoch sehen lassen.
Gelernt ist gelernt.

Dinge, die ich gelernt habe

Auch nach zweieinhalb Jahren versuche ich noch immer zu verstehen, wie genau das alles passieren konnte. Es beschäftigt mich immer noch und ich hoffe all das irgendwann gänzlich hinter mir lassen zu können. Es gibt auf jeden Fall ein paar Dinge, die ich aus all dem gelernt habe.

Erstens würde ich meine Schwangerschaft nie wieder so früh bekanntgeben. Gerade in den ersten Wochen fühlte ich mich wahnsinnig verletzlich. Wie mit mir umgegangen wurde hat mich extrem traurig gemacht. Ich habe mich so elend gefühlt und hatte deswegen oft Angst, dass ich das Kind vielleicht doch noch verlieren könnte.

Zweitens würde ich schneller für mich einstehen, als beim letzten Mal. Ich war sehr lange in einer Art Schockstarre, bevor ich begann endlich für meine Interessen einzustehen. Ich hätte mich meiner Frauenärztin viel früher öffnen müssen und somit verhindern können, dass meine Werte so schlecht waren. Mein Sohn ist glücklicherweise trotzdem gesund zur Welt gekommen. Wenn das nicht der Fall gewesen wäre und sich weitere Komplikationen entwickelt hätten, hätte auch ich mir die Frage gefallen lassen müssen, ob sie nicht vermeidbar gewesen wären, wenn ich das Mobbing rechtzeitig angesprochen hätte.

Drittens suche ich mir meine Arbeitgeber seitdem sehr genau aus. Ich verschweige grundsätzlich nicht, dass ich Mutter bin und achte sehr auf Familienfreundlichkeit. Falls wir uns später für ein zweites Kind entscheiden, möchte ich nicht erneut in eine solche Situation geraten. Und wenn es doch passiert und ich wieder Mobbing am Arbeitsplatz ausgesetzt wäre, werde ich nicht zögern und auch dieses Unternehmen schnellstmöglich verlassen.


Wer auch seine bzw. ihre Geschichte mit Arbeitgebern oder Kollegen aus der Hölle berichten möchte, kann mir gerne eine E-Mail schreiben. Für mehr Transparenz und hoffentlich auch Hilfe!

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