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Disclaimer: Da einige Extremisten unter den Fußballbegeisterten bzw. Eltern das vielleicht missverstehen könnten: der folgende Text ist eine SATIRE!

Ideen aus dem Fernsehen – Ausdruckstanz, Ballspiele?

Liebe Mitbegleitende,

mit zitternden Fingern tippe ich diese Zeilen, mit denen ich euch von einer der schockierendsten Erfahrungen berichten möchte, die ich je erleben musste. Alles begann gestern Abend. Normalerweise verbringe ich den Sonntagabend – nach dem ich meine Kinder im Familienbett in den Schlaf begleitet habe – mit einem Sellerie-Fenchel-Smoothie bei der Lektüre eines guten Elternratgebers. Juul, Faber & Mazlish oder Gordon, ihr kennt sie sicher alle. Gestern Abend jedoch, ich weiß auch nicht welcher Teufel mich geritten hat, schaltete ich das Fernsehgerät an. Es wurde ein Spiel angekündigt. Gespannt blieb ich am Bildschirm, denn ich bin ja immer auf der Suche nach neuen Beschäftigungsmöglichkeiten für meine beiden Wonnemäuse. Was mich wohl erwarten würde? Ein Wettbewerb im Ausdruckstanz? Oder ein neues Ballspiel? Nun, um es kurz zu machen, mit Letzterem sollte ich leider recht behalten.

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Ein Spiel – 22 erwachsene Männer

Allerdings bestand dieses “Spiel” hauptsächlich daraus, dass sich 22 erwachsene Männer 90 Minuten lang um einen einzigen Ball stritten! Erwachsene! Männer! Nun mag sich manch einer fragen: “Na und? Lasst sie doch streiten!” Aber wie immer greift diese Meinung viel zu kurz, denn sie berücksichtigt in keinster Weise das Wohl unserer wertvollen Kinder. Wo soll ich nur anfangen? Da wären zunächst mal die “Spieler”. Wer es fertig bringt sich 90 Minuten und mehr mit solch einem Eifer und solch einer Gier um den Besitz eines Balls zu streiten, dem attestiere ich hier unumwunden ernsthafte Selbstwertprobleme. Dies auch noch vor versammeltem Publikum (das Ganze fand in einer Art Arena statt) in derartiger Intensität zu zeigen, kann doch allein das Erheischen von Aufmerksamkeit zum Ziel haben. Was müssen diese armen Männer nur für eine verkorkste Kindheit gehabt haben? Mir zerreißt es das liebende Vaterherz, wenn ich mir einen kleinen Müller, Podolski oder Schweinsteiger (die Namen waren auf die T-Shirts der “Spieler” gedruckt – was sagt eigentlich der Datenschutz dazu???) vorstelle von lieblosen Elternhänden viel zu früh aufs Töpfchen gezwungen, nur um sich anschließend mutterseelenallein in den Schlaf schreien zu müssen. Vermutlich wurden sie auch schon mit 3 Jahren oder jünger (!!) gnadenlos abgestillt, anders kann ich mir dieses Verhalten nicht erklären. Urvertrauen konnten diese Männer nie aufbauen! Ich wette, nicht eine von diesen armen Seelen hat seine Kindheit im Familienbett verbracht. Nicht einer!

Dabei wäre eine liebvollere Begleitung so wichtig gewesen! Manchmal geriet der Ball, mehr oder weniger aus Versehen, in eine von einem Netz umgebene Sicherheitszone am Rand des Spielfelds. Sogleich brachen alle – “Spieler” wie Publikum – in einen Jubel der Erleichterung aus, denn dies hieß, dass die wilde Hatz für ein paar Minuten unterbrochen wurde. Sogleich rannte ein Teil der Männer zusammen und es wurde geknuddelt, geherzt und gezärtelt. Da sieht man mal, wie sehr es diesen Männern nach Streicheleinheiten dürstet. Die friedliche Eintracht war jedoch bald vorbei, denn der schwarzgekleidete Begleitende – übrigens der Einzige auf dem Platz und meines Erachtens völlig überfordert – beendete das fröhliche Tollen mit einem hartherzigen Pfiff.

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Der schwarzgekleidete Begleitende – unmöglich!

Überhaupt, dieser Begleitende war eine wesentliche Quelle meines Ärgers! Statt liebevoller Anleitung kannte er nur die harte Hand der Konsequenz. Statt sich den “Spielern” respektvoll und auf Augenhöhe zu nähern, sich in die Psyche und Erlebenswelt des “Spielers” einzufühlen und das Vergehen vertraulich auszudiskutieren, gab es nur einen kurzen Pfiff aus der Ferne und bei schweren Vergehen eine gelbe oder rote Karte. Vor versammeltem Publikum! Ich konnte es kaum fassen. Klärungsversuche seitens der “Spieler” wurden schroff abgewiesen und in einem Fall sogar durch eine rote Karte geahndet! Hier wurde einer ohnehin schon traumatisierten Männerseele einer weiterer Kratzer hinzugefügt, der wohl nie wieder heilen wird. Der Begleitende wollte sich mit dieser Aktion ganz klar aus seiner pädagogischen Verantwortung stehen. Bravo!

Immerhin, “Spieler”, die eine rote Karte gesehen hatten, mussten zur Beruhigung auf die stille Bank. Leider durften sie aber in diesem Spiel nicht wieder mitspielen. Der Begleitende schien ohnehin recht teilnahmslos. Weder war er wachsam genug, jede Verfehlung zu erkennen, noch nahm er an den Streichelsessions teil. Ein weiteres, klares Indiz für völlige Überforderung.

Schubsen, Beine stellen – alle schauen zu

Nach fünfundvierzig Minuten gingen die “Spieler” vom Platz. Ganz klar musste das eben erlebte jetzt in einem Stuhlkreis in der Gruppe ausdiskutiert und verarbeitet werden. Leider schien dem nicht so zu sein, denn nach der Pause ging das “Spiel” in gleicher Intensität und härter (!) weiter. Ich musste Szenen miterleben, liebe Freunde, Szenen von solcher Brutalität, es war schauderhaft. Da wurden Beine gestellt, da wurde geschubst und gedrängelt. Es gab derart üble Tätlichkeiten, dass mir fast der liebevoll zubereitete Brokkoli-Spinat-Bratling mit Asafoetida-Dressing vom Abendessen wieder hochgekommen wäre. Und nicht einmal, nicht ein einziges Mal gab es danach eine Entschuldigung seitens des Verursachers. Ich bin doch der Meinung, dass Männer in diesem Alter in der Lage sein sollten, ihre Konflikte rein verbal zu klären. Aber das ist in dieser unserer Gesellschaft wohl zu viel verlangt.

Im Übrigen, bei einigen der weniger brutalen Tätlichkeiten, wenn man das so nennen kann, konnte ich beobachten, wie die Geschädigten trotzdem unter Krämpfen zusammenbrachen. Extrem gesteigerte Schmerzempfindlichkeit, dazu überbordende Emotionen – ob bei einigen der “Spieler” wohl eine undiagnostizierte Hochsensibilität vorliegt? In so einem Fall wäre ein solcher Hexenkessel wohl kaum der richtige Ort für eine derart zarte Männerseele.

Nach neunzig Minuten war dieses “Spiel”, eher diese wilde, brutale Jagd, endlich zu Ende. Ich schaltete den Fernseher ab und saß noch lange im dunklen Zimmer. Zwei Stunden musste ich Vipassana-meditieren, um das Geschehene auch nur einigermaßen zu verarbeiten. In der Nacht habe ich kaum ein Auge zugetan. Am Morgen dann die Entscheidung, mir alles von der Seele zu schreiben, das Produkt seht ihr hier vor euch.

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Bitte hört damit auf!

Zum Schluss möchte ich noch einmal eindringlich an die Verantwortlichen appellieren, diesem grausamen Treiben unverzüglich ein Ende zu bereiten. Bitte, ihr tut damit damit den “Spielern” einen großen Gefallen und auch die Zuschauer würden sich an friedlicheren Spielen sicher eher ein Beispiel nehmen. Warum nicht mal Backgammon oder Bridge? Warum nicht einfach mehr Bälle? Es wäre so einfach! Dies, liebe Verantwortliche, ist Ihre Chance diese unsere Welt zu einem besseren Ort zu machen. Denken Sie mal darüber nach!

Meine Leser bitte ich außerdem, diesen Text möglichst häufig in den sozialen Netzwerken zu teilen! Nur so können wir auf diese Missstände aufmerksam machen! Bitte nutzt dazu die Hashtags #ExtremeUnbelievableRudeOffensive2016 oder kurz #euro2016!

So, das soll es erstmal von mir gewesen sein. Die Schreiberei hat mich leider kaum beruhigt. Jetzt helfen mir wohl nur noch Arnika-Globuli. Friede sei mit euch!