Wie viele sicher mitbekommen haben, misten wir zu Hause viel aus. Wir reduzieren stark unseren Besitz. Bücher flogen raus, DVDs und Blu-Rays verkauften wir, mein geliebtes SNES, mein GameBoy und nun auch meine Wii U gaben wir weiter. Das sind alles Dinge, an denen wir einmal hingen, die nun nur noch Ballast sind. Doch wie passen Neuanschaffungen in dieses Minimalismus-Konzept?

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Minimalismus trotz Neuanschaffungen?

 

Minimalismus in unserer Familie

Minimalismus ist Auslegungssache. Für manche bedeutet das, nicht mehr als 100 Dinge zu besitzen, für andere ist das breiter gefächert. Für uns als Familie heißt das, sich auf das Wesentliche zu beschränken, aber den Kindern auch zwischendurch mal eine Zeitschrift oder ein Buch zu kaufen. Ich schmeiße alte Zeitschriften immer mal weg und verkaufe oder verschenke alte Bücher. Das Gleichgewicht passt also. Wir zählen nicht zu den Minimalisten, die nur ein paar Teile haben. Unser Geschirrspüler ist immer voll und darauf stapelt sich auch stets Geschirr. Anders funktioniert das mit zwei Kindern und drei Katzen auch gar nicht. Doch unsere Wohnung ist merklich leerer geworden. Wir stellten fest, dass wir auch ohne die angestaubten Bücher leben können, die wir nur noch digital auf dem Kindle lesen. Filme nehmen nur Platz weg und schauen wir sowieso via Netflix oder Amazon Prime Video. Plötzlich hatten wir acht Regale weniger. Es war so viel Zeug, an das ich mich nicht mal erinnere. Ein Zeichen dafür, dass es unnötig war. Wir können wieder atmen!

Konsequent überlegen wir, welche Maschinen und Spielzeuge wir tatsächlich noch brauchen. Unsere neue Mokkakanne macht zusammen mit dem Milchaufschäumer besseren Macchiato, als es der teure Vollautomat jemals konnte. Also weg damit! Selbst von den im Keller vergessenen Riesenspielzeugen wie Bagger, Tafel & Co. trennten wir uns. Mein Sohn hat dafür vollstes Verständnis. “Spiele ich nicht mehr mit, Mama.” sagt er und freut sich über die Spielsachen, die wir im Wechsel in die Wohnung holen.

Brauchen wir das wirklich?

Bei Neuanschaffungen überlegen wir nun länger: Wofür würden wir das benutzen? Soll der Gegenstand uns lange dienen? Die Vergangenheit zeigt, dass wir anfangs oft euphorisch waren und der Reiz dann schnell verloren ging. Typisch für z. B. Brotbackautomat, Wassertrinkbrunnen & Großspielzeug für die Katzen und für mich leider immer noch bei neuen Nagellackfarben, die ich schließlich doch unpassend finde. Dem großen Sohn versuchen wir den Wert von Dingen anhand von Vergleichen zu vermitteln. Für das Auto könnte er ebenso ein kleines Legoset kaufen etc. Das klappt ganz gut und auch er versteht, dass wir nicht alles kaufen können, allein, weil wir uns nicht zumüllen wollen und weil jede Anschaffung Geld kostet.

Das Problem: neue Technik

Wir sind Nerds. Das hat zwar schon ein wenig nachgelassen, man wird ja nicht jünger, und doch möchte ich gerne ein aktuelles iPhone haben. Zumindest alle zwei Jahre ein neues Gerät. Auch mein Spielecomputer sollte immer auf einem relativ aktuellen Stand sein und für den Mann durfte es nach langer Überlegung nun doch die neueste Xbox sein. Ein iPad haben wir noch für den 5-Jährigen und einen Nintendo 3DS XL gibt es zudem bei uns. Ist die neueste Technik also ein Problem, wenn man vorbehaltlich minimalistisch leben will? Wir denken: nein. Wir verkaufen oder verschenken nicht benötigte Technik und Spiele. Daher bleibt die Anzahl der technischen Geräte im Haushalt weitgehend konstant. Auch das werden “richtige” Minimalisten kritisch sehen, verfolgen doch einige von ihnen den Weg, Neuanschaffungen komplett zu vermeiden. Dennoch zähle ich mich zu den Minimalisten, trotz iPhone & neuestem MacBook. Wichtig für mich ist, dass ich erkannt habe, was mich glücklich macht. Das hat mir unter anderem Marie Kondo mit ihrem Buch Magic Cleaning (Affiliate-Link) gut vermittelt: nur die Sachen behalten, die nicht belasten und die Wohlbefinden auslösen.

Wir sind Minimalisten – auf unsere Weise

Minimalismus in der Familie geht irgendwie. Wir bestimmen den Rahmen, besprechen nun zusammen selbst kleinere Anschaffungen. Neue Geräte müssen praktisch sein, benutzt werden oder einfach nur glücklich machen. Mit dem derzeitigen PC kann ich zwar spielen, aber so richtig glücklich bin ich nicht mehr. Er wird irgendwann ersetzt. Wenn der Sohn ein neues Lego-Set haben möchte, kann er dieses gerne gegen ein altes umtauschen, wenn er dieses mit seinem Taschengeld kauft. Vielleicht nennen andere es nicht Minimalismus, für uns hat sich vieles getan, wir denken um. Wir sind Minimalisten – auf unsere Weise.