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Als mein erster Sohn drei Jahre alt wurde, meldeten wir ihn zum Kindersport an. Bei diesem Sport gibt es kein festes Programm, sondern die Kinder entscheiden, ob sie hüpfen, Ball spielen oder auf den Geräten klettern wollen. Die Eltern geben Hilfestellung und können mit anderen ins Gespräch kommen. Kurse können verbinden! Doch was ist, wenn ein Kind keine Zeit mehr für freies Spiel hat?

Zwei Hobbys pro Woche für unsere Kinder

Schwimmen lernen wäre auch nicht schlecht, dachten wir und meldeten den Sohn zusätzlich für einen Schwimmkurs an. Das Ziel war das Seepferdchen. Er soll sollte ohne Schwimmhilfe schwimmen Lernen. Gleichzeitig fingen andere Kinder um ihn herum an, Keyboardunterricht zu nehmen. Das wäre auch schön, dachte ich. Doch wir entschieden uns dagegen. Zwei Tage Action in der Woche reichen. Und beim Unterricht hört es oft nicht auf: auch zu Hause müsste weiter geübt werden.

Das wollten wir nicht.

Als der Schwimmkurs abgeschlossen und das Seepferdchen auf der Badehose angenäht waren, ging er weiterhin zum Kindersport und wechselte später in den Kurs, der für Vorschulkinder ohne Eltern stattfindet. Sein kleiner Bruder besuchte den Kindersport. Mein großer Sohn entschied sich danach für Judo und ließ den Kindersport fallen, was zugegeben organisatorisch für uns auch besser ist.

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Hobbys für Kinder – Wie viele dürfen es sein?

Die Kinder entscheiden über ihre Hobbys

Er legte selbst fest, dass er nur einmal die Woche zum Judo geht, ließ den Kurs jedoch bereits zweimal ausfallen, was mir nicht gefiel. Doch warum eigentlich? Sollte er nicht selbst bestimmen dürfen, wann er Lust hat, hinzugehen? Überlege ich selbst nicht auch, keinen Sport zu machen, wenn ich zu müde oder schlapp bin? Richtig. Meine Kinder sollen das auch entscheiden dürfen. Mir ist aber wichtig, dass sie zumindest einem (sportlichen) Hobby nachgehen.

Müsste ich jede verlorene Stunde separat bezahlen – sowas soll es ja geben und das kann sogar sehr teuer sein – würde ich sie drängen, dorthin zu gehen. Doch dass Drängen nichts bringt, erfuhr ich nach der zweiten geschmissenen Judo-Stunde. Mein Kind forderte Freiraum. Auch das muss ich lernen und finde es im Nachhinein gut, dass er es äußert.

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Update zum Judo-Kurs

Kurz nachdem ich den Text schrieb erzählte mir mein Sohn, dass der Trainer meinte, er soll nicht mehr kommen. Ich vermute, er meinte, wenn es ihm keinen Spaß macht, soll er nicht mehr kommen. Mein Sohn erzählte mir, dass er nur das zu ihr sagte. Er hatte ein zweites Mal Kopfweh (ein Zeichen?!) und musste während des Judo-Trainings pausieren. Heraus kam, dass er den Trainer zu streng findet, was ich gut nachvollziehen kann. Ich verfolgte vor ein paar Wochen einen ganzen Kurs und empfand es ebenfalls so. Mit kleinen Kindern kann er nicht so oder es ist gewollt. Sein rauer Ton passt meiner Meinung nach jedenfalls eher zu Teenagern. Ich kann mir nicht vorstellen, dass alle Kampfsportarten zwangsweise mit harschen Worten trainiert werden. Aus dieser Sicht kann ich es sehr gut nachvollziehen. Er muss nicht mehr hingehen. Im Nachhinein hätte ich die Zeichen eher deuten können.

Viele Hobbys, wenig Freizeit für Kinder

Da der 7-Jährige nun sehr viel Freizeit hat und mit den Hausaufgaben schnell fertig ist, fragt er oft Klassenkameraden oder andere Freunde, wann sie Lust auf ein Treffen haben. Das ist meist gar nicht so einfach. Kampfsport, Musikinstrumente, Computerkurs, Schach, Schwimmen – manche haben bis auf Sonntag jeden Tag der Woche einen Kurs. Vielleicht sind sie damit glücklich, ich wäre es nicht. Für mich bedeutet es Stress, jeden Tag etwas im Terminplan zu haben. Vermutlich schlägt mein Sohn mir nach.

Wenn man dann erst zum Abendessen nach Hause kommt, wie will man sich noch frei entfalten? Mit den Geburtstagsgeschenken spielen? Sich ins Bett verkrümeln und lesen? Experimente machen und die Eltern verschrecken? Malen und basteln? Wann sieht man die Freunde mit denen man endlich in Ruhe Lego spielen kann?

Ich denke, dass man definitiv zu viele Hobbys haben kann und dass auch freies Spiel wichtig ist. Dadurch hat mein Sohn die besten Ideen. Er bastelt Kunstwerke, forscht, werkelt im Garten, spielt sogar ab und an mit seinem Bruder.

Und dann fragt er mich, warum keiner seiner Freunde Zeit hat.