In diesem Artikel möchte ich die Erfahrungen festhalten, die wir mit dem Thema Computer im Kinderzimmer gemacht haben. Grundsätzlich kann man sich ja darüber streiten, ob ein Computer überhaupt in ein Kinderzimmer gehört. Diese Frage muss aber jeder für sich klären. Meine Meinung ist, dass Computer heute allgegenwärtig sind. Es gibt kein Entkommen und Kinder sollten den Umgang damit frühzeitig lernen. Ich beziehe mich dabei ausdrücklich auf Computer und nicht auf Fernseher, Spielekonsolen, Smartphones, Tablets und dergleichen. Ein Computer ist zu wesentlich mehr fähig als diese Geräte, die mehr oder weniger ausschließlich zum passiven Konsumieren oder zum Spielen einladen. Es kommt darauf an, wie man damit umgeht, aber da sage ich gleich nochmal etwas dazu.

Kinder und Computer

Kinder und Computer

Kinder und Computer

Computer, wie alle Dinge mit Knöpfen, üben eine magische Anziehungskraft auf Kinder aus. Schon die Kleinsten sind überglücklich, wenn man ihnen eine olle Tastatur (nicht eingestöpselt versteht sich) zum Spielen gibt. Dann können sie tippen wie die Großen! So richtig spannend werden Computer aber erst ab ca. 7 Jahren, wenn die Kinder lesen können. Dann stellt sich die Frage: “Wie führt man Kinder altersgerecht und sicher an das Thema heran ?”. Ich möchte, dass meine Kinder den Computer selber entdecken können, ohne dass ich ständig daneben sitzen muss. Da dies, insbesondere bei unüberwachtem Internetzugang, schnell zu bösen Überraschungen führen kann, habe ich eine gehörige Menge Hirnschmalz investiert, um eine sichere Umgebung für meinen Sohn einzurichten. Hier meine Erfahrungen:

Level 1 – Uralt-Laptop mit Linux

Der erste Computer, der bei uns ins Kinderzimmer eingezogen ist, war ein uralter IBM-Laptop (heute Lenovo). Der war genial, weil sehr robust gebaut. Da konnte nicht viel kaputt gehen. Leider war er so schwach, dass er nicht mal eine DVD ruckelfrei abspielen konnte. Aber was soll´s, für den Anfang hat es gereicht. Ich habe dort ein Xubuntu (das ist Ubuntu-Linux mit Xfce) installiert. Das ist leichtgewichtiger als das normale Ubuntu und die Bedienung über ein Startmenü gewöhnt die Kinder gleich an die richtigen Steuerelemente. Ich habe per Menüeditor alle unnötigen/gefährlichen Programme aus dem Startmenü geschmissen und noch ein paar nette Spiele installiert:

  • gcompris – eine Sammlung mit kleinen Geschicklichkeits- und Lernspielen
  • tuxpaint – ein klasse Malprogramm für Kinder mit tollen Stempeln und lustigen Sounds
  • supertux – ein Super Mario-Klon
  • Day of the Tentacle (die komplett vertonte Ausgabe) per ScummVM – genial für den Einstieg in Adventure-Spiele
  • noch ein paar Kleinigkeiten, Solitär, Minesweeper, ein Pinball-Spiel usw.
  • später dann Open Transport Tycoon Deluxe und Tyrian
  • Scratch als ersten Schritt in Richtung Programmieren (dazu ist das Buch “Programmieren Supereasy” wärmstens zu empfehlen)
  • außerdem ein Schreibprogramm

Alle diese Spiele und Programme habe ich nach und nach auf dem Rechner installiert. Wenn ein Spiel ausgelutscht war, gab es das nächste. Sogar Internet war über den Firefox und das geniale Addon von kinderserver-info.de möglich. Letzteres erlaubt nur Seiten, die auf der Whitelist von kinderserver-info.de stehen. Das Addon lässt sich per Passwort ein- und ausschalten. Neben den Suchmaschinen fragfinn.de und blindekuh.de waren vor allem kikaninchen.de, sesamstrasse.de und sandmann.de gut besucht.

Dieses Setup hat ein gutes Jahr durchgehalten. Dann stieß die Hardware an ihre Grenzen und ich musste mir etwas Neues einfallen lassen. Aber als vatergewordenes Spielkind hatte ich da schon etwas in der Schublade.

Level 2 – Billig-Laptop mit Windows

Das zweite Gerät war halb Weihnachtsgeschenk, halb vom Taschengeld gekauft. Wieder ein Laptop, diesmal ein HP 255 G2. Preislich irgendwo bei 200 Euro hatte ich mir den eigentlich zur Selbstnutzung gekauft, dann aber heldenhaft (und weil Linux nicht so gut drauf lief) abgegeben. Schnell noch eine gebrauchte Windows 7-Lizenz besorgt und der Spaß konnte losgehen. Endlich liefen die flashlastigen Kinderwebseiten und DVD-Filme flüssig. Aufgrund der guten Grafikkarte waren sogar anspruchsvollere Spiele möglich (für einen sehr niedrigen Anspruch freilich). Mein Sohn hatte sein eigenes Konto (KEIN Administrator, logisch). Den Internet Explorer hatte ich versteckt, Firefox mit dem kinderserver-info.de-Addon ausgestattet. Die meisten Linux-Spiele gibt es auch für Windows, die kamen wieder drauf. Dann hat mein Sohn sein eigenes Steam-Konto bekommen. Bei Steam lässt sich eine Kindersicherung aktivieren, die den Shop sperrt und keine Werbung mehr anzeigt. Sehr angenehm! Über die letzten zwei Jahre sind dann an Spielen und Programmen dazugekommen:

  • Libreoffice (freier Office-Klon, wird hauptsächlich zum Schreiben genutzt)
  • paint.net als Malprogramm (bisher kaum genutzt)
  • Blender, ein 3D-Renderprogramm, ist aber noch zu kompliziert
  • Minecraft (ein absolutes Muss, der Kreativmodus ist kinderkompatibel)
  • Kerbal Space Program, ein lustiges und höllisch schweres Spiel, in dem man Raketen bauen und ins All schießen kann, eher für größere Kinder interessant
  • Need for Speed – Undergrund 2 (aus väterlichen Altbeständen)
  • Sim City 4
  • Commander Keen (war bei Steam im Angebot, konnte nicht widerstehen)
  • Cities Skylines (cooler 3D Sim City Klon)
  • Monkey Jam (Stop Motion Filme mit der Webcam machen)
  • Video Deluxe (Videos schneiden und mit Effekten versehen)
  • Skype (zum Papa-auf-Arbeit-anrufen-und-Malfolgen-üben)
  • Musicbee (iTunes-Klon) und VLC (Videoplayer)
  • ein Arduino-Starterkit zum Elektronik-Basteln (es handelte sich um das Fritzing Creator Kit auf Deutsch, ist meines Wissens nicht mehr erhältlich)

Im Moment ist Minecraft DAS Spiel überhaupt. Wir haben mittlerweile eine kleine Bibliothek an Büchern zum Thema. Das Spiel bietet trotz seines simplen Aufbaus einen gigantischen Spielspaß und lädt immer wieder zum Forschen und Entdecken ein. Ich muss gestehen, ich hab´s mir auch gekauft und bastele heimlich an meiner Festung der Einsamkeit.

Alles andere ist hin und wieder in Mode. Wir haben zusammen die Projekte im Arduino-Starterkit nachgebaut und einen kleinen Film geschnitten. Diverse Texte sind entstanden, was insbesondere nach der Teilnahme an einem Maschinenschreibkurs in der 2. Klasse sehr viel besser klappt (mein Sohn schreibt besser im 10 Finger-System als ich!). Wir sind dann auch auf Windows 10 umgestiegen, was nach ein paar Anfangsproblemen jetzt auch super läuft. Aber auch hier ist die Hardware nach nunmehr 2 Jahren an ihre Grenzen gestoßen, so dass wieder Ersatz her musste.

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Computer ins Kinderzimmer: ab ca. 7 Jahren

Zwischensequenz: Zeit am Computer

In letzter Zeit mussten wir der Dauerdaddelei einen Riegel vorschieben, weil sich das negativ auf das Gemüt unseres Sohnes ausgewirkt hat. Nach einiger Recherche nutze ich momentan die Microsoft Family-Funktionen. Dafür brauchen Erwachsener und Kind ein Microsoft-Konto, das Kind muss sich zudem mit diesem Konto am PC anmelden. Wer Bedenken hinsichtlich des Umgangs der dabei an Microsoft gesendeten Daten hat (immerhin tracken die Herrschaften jetzt minutiös mit, was mein Sohn am Computer macht), der hat noch die Auswahl aus verschiedenen anderen Systemen, die ich aber nicht getestet habe. Unter anderem bieten viele kommerzielle Virenscanner das als Zusatzfunktion an. Ich trage mich auch mit dem Gedanken, ein eigenes System zu programmieren, weil die existierenden Systeme wenig flexibel und sehr rigoros sind.

Über Microsoft Family lässt sich jedenfalls genau festlegen in welchen Zeiten das Kind wie lange an den Computer darf (beispielsweise: Montags bis freitags, 14:30 bis 20:00, maximal eine Stunde lang). Das Kind bekommt dann jeweils 15 und 2 Minuten vor Ablauf der Zeit eine Warnung, danach wird der Zugang gesperrt. Leider lässt sich der Computer dann nur noch runterfahren, wenn ein Erwachsener sich eingeloggt hat. Außerdem kann die Benutzung von Programmen und der Zugang zu Websites gesperrt werden – letzteres allerdings nur für Edge (den Internet Explorer-Nachfolger). Im Großen und Ganzen ist das System recht brauchbar, auch wenn ich ein wenig Bauchschmerzen habe, weil es Cloudbasiert ist. Immerhin, ein Vorteil ergibt sich daraus: Mein Sohn kann zusätzliche Computerzeit anfordern, woraufhin mir das System eine Mail schickt, wo ich per Klick mehr Zeit autorisieren kann.

Level 3 – der Monster Gaming PC

Der neueste Zuwachs zu unserem Gerätepark. Ok, Monster ist vielleicht ein wenig übertrieben, aber das gute Stück hat es trotzdem in sich. Wir haben uns diesmal für einen Desktop-PC (also keinen Laptop) entschieden. Maus, Tastatur und Monitor hatten wir schon. Im Innern des PC werkelt aktuelle und flotte Technik. Preislich kam das Ganze ungefähr auf 600 Euro (ohne Betriebssystem) und wurde vom Sohnemann komplett selbst bezahlt. Damit das Ansparen nicht ewig dauert, wurde das Taschengeld temporär erhöht – im Gegenzug muss der junge Mann im Haushalt mithelfen. Nachdem die Hälfte zusammen war, haben wir zugeschlagen, den Rest darf er dann abstottern (auch Schulden haben will gelernt sein). Jedenfalls sollte jetzt erstmal für ein paar Jahre Ruhe sein (*daumendrück*),. Die Maschine stellt alle aktuell installierten Spiele in maximaler Grafikauflösung dar und muss sich dafür nicht mal anstrengen.

Endgegner – mein Fazit

Der Computer im Kinderzimmer – das funktioniert nur gut, wenn man weiß, worauf man sich einlässt. Ein Computer ist mit seinen vielfältigen Möglichkeiten ein besserer Begleiter in die digitale Welt als viele andere elektronische Gadgets. Aber er hat auch ein ziemliches Suchtpotenzial. Die Eltern müssen hier klare Vorgaben machen oder den Zugang gleich beschränken. Die installierten Spiele müssen altersgerecht sein. Die Programme ebenso, allerdings kann man seine Kinder auch mal vor eine Herausforderung stellen. In der Regel wird man positiv überrascht sein. Insbesondere, wenn der Computer noch anderweitig genutzt wird, ist  außerdem ein Schutz des Systems vor neugierigen Fingerchen unerlässlich. So abgesichert kann der Computer ein tolles Spielzeug sein.

Ich konnte hier vieles nur kurz anreißen. In Zukunft plane ich noch den einen oder anderen Artikel zu diesem Thema. Wenn es konkrete Fragen gibt, könnt ihr sie gerne in den Kommentaren hinterlassen!