Trotz meiner Ambitionen, meine Smartphonenutzung ein wenig zurückzuschrauben, nutze ich mein Handy oft, um Mails zu lesen, schnell zu beantworten oder durch Twitter zu scrollen. Was beantwortet ist, wartet abends nicht in meinem Posteingang – sehr erholend. Wenn die Kinder abgeholt sind, reduziere ich das, doch für ein schnelles Foto, das Steuern der Sonos-Boxen und auch mal Social Media zwischendurch ist mein Handy immer griffbereit. In der Schule gibt es ein Handyverbot, das sogar auf die Eltern ausgeweitet ist. Es regt mich auf!

Handyverbot für Schüler – nachvollziehbar?

Einerseits kann ich es nachvollziehen: die Grundschüler sollen keine piepsenden Geräte in den Unterricht bringen, die sie evtl. noch aktiv bedienen und so abgelenkt sind. Durchaus verständlich, immerhin sollen sie auch keine andere Bücher lesen lesen, während die Lehrer die Vermittlung von Unterrichtsstoff anstreben. Selbst ein Verbot auf dem Schulhof kann ich nachvollziehen. Dort soll die Erholung und das Austoben im Vordergrund stehen. Mein 6-Jähriger braucht das. Hätte er ein Handy oder eine Spielkonsole dabei, würde er wohl meist am Rand sitzen und zocken. Aus meiner Sicht absolut verständlich – wir spielen alle gerne. In diesem Rahmen kann ich ein Verbot für Schüler jedoch noch einseitig verstehen. Bewegung, Interaktion mit anderen, soziale Kontakte sind wichtiger. Doch, man könnte doch auch aufklären!

Sobald mein Sohn alleine zur Schule geht und nach Hause kommt, wird er ein Handy bekommen! Ich möchte, dass er uns jederzeit erreichen kann. Passieren kann immer etwas, doch ich möchte sicherstellen, dass er auch dort ankam. So handhabe ich das auch mit meinem Mann. Damit er nicht immer Bescheid geben muss, wenn es später wird, schaue ich auf dem iPhone nach. In der App „Meine Freunde suchen“ sehe ich genau, wo er gerade ist. Das werden wir später auch für unsere Kinder einrichten. Zudem wäre es doch ganz praktisch, dass der Sohn mich anrufen kann, wenn er eben nicht mehr in den Hort geht, mich aber über Stundenausfall informieren möchte. Willkommen in der digitalen Welt.

Bei uns gab es 1993 zwar noch keine Handys, doch ich hatte eine furchtbar schicke Uhr von Nintendo, auf der ich Super Mario spielen konnte. Das tat ich auch im Unterricht. Ich weiß nicht ob das, oder das Schwatzen mit dem Nachbarn der Grund war, dass unsere Köpfe unsanft vom Lehrer zusammengestoßen wurden. Doch die Erinnerung sitzt noch heute. Das gibt es heute zum Glück nicht mehr. Heute wird freundlich geredet (Klassenlehrerin) und forsch gefordert (Betreuungsperson auf dem Schulhof).

Handyverbot für Eltern an der Schule?

Handyverbot für Eltern an der Schule?

Handyverbot für Eltern auf dem Schulgelände

Bitte packen Sie das Handy weg!

Ich fühlte mich erst gar nicht angesprochen. Warum sollte MIR jemand mein Handy verbieten? Ich bin 29 Jahre alt und kann glücklicherweise über mich selbst bestimmen. Als ich nicht reagierte, kam die Frau auf mich zu und bat mich sehr bestimmt, mein Handy wegzulegen. Ich teilte ihr mit, dass das Quatsch und Mist ist – natürlich stand mein Sohn neben mir – tat es aber. Natürlich fragte ich nach dem Grund für das Handyverbot für Eltern.

Wir wollen nicht so viele Medien hier haben. Zudem hatten so viele Eltern das Handy beim Abholen ihrer Kinder in der Hand und achteten nicht auf sie. Was Sie zuhause machen, ist Ihnen überlassen.

Am Eingang hängt übrigens ein Schild, dass ein Handyverbot für Schüler auszeichnet, doch für Eltern ist das nicht im Text beschrieben. Gelten die überall sichtbaren Verbotsschilder (durchgestrichenes Handy) etwa für Eltern? Pah, voll old school!

Aufklärung statt Verbote: Medienerziehung an der Schule

Auf Twitter äußerte ich mich vor ein paar Wochen zu diesem Thema und bekam tatsächlich ungläubige Antworten. Eine Frau schrieb mir, dass sie es gut fände. Sie dachte, ich wäre Schülerin. Als Alu (Große Köpfe), dann argumentierte, ich sei eine mündige Erwachsene, nahm sie es zurück. Dennoch sollte es bessere Möglichkeiten als ein Verbot geben.

Es könnte so einfach sein: Medienerziehung an der Schule! Eine Schule, die sich selbst aufgrund des Computerraumes lobt, ist gegen neue Medien? Man könnte doch Schüler aufklären.

  • Wofür kann man Smartphone verwenden?
  • Was ist erlaubt, was nicht?
  • Welche Art von Bildern darf man machen?
  • Welche darf man auch an Freunde verschicken?
  • Was ist privat und gehört nicht dazu?
  • Privatsphäre wahren!
  • Wie gehe ich mit dem Handy um?
  • Für welchen Zweck darf ich es benutzen?

Vermutlich haben alle Eltern an unserer Schule ein bzw. mehrere Smartphones. Auch die größeren Geschwister haben vielleicht eins. Was liegt da näher, als das zu thematisieren, statt strikte Verbote auszusprechen? Verbote haben nirgends etwas gebracht. Was bringt es, die Handynutzung in der Schule zu untersagen, wenn Eltern vor dem Gebäude sofort wieder das Handy zücken? Die Eltern kann man nicht erziehen, jeder ist für sich selbst verantwortlich. Die Kinder sehen, dass die Eltern es (vielleicht) viel nutzen und werden das Verhalten möglicherweise übernehmen. Doch in das Verhalten der Eltern einzugreifen, finde ich an dieser Stelle fehl am Platz.

Schlimmer finde ich es eher, wenn ich LehrerInnen sehe, die vor dem Schulgebäude rauchen. Beide Dinge mögen für manche ähnlich klingen: Einschränkungen für die Betroffenen, doch ich finde, hier zählt der Vorbildcharakter der Lehrer. Kinder sollten nicht sehen, dass ihre Lehrer sich eine Zigarette anzünden! Zum Thema Rauchen schrieb ich auch vor einiger Zeit und startete die Blogparade Hört auf, in Kindernähe zu rauchen!

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Smartphone als Teil des Alltags

Natürlich möchte ich nicht permanent am Smartphone hängen, wenn die Kinder da sind. Sogar Sohn 2.0 sagt mir mittlerweile, dass ich es weglegen soll. Das sagt er nicht, weil ich es dauernd in der Hand habe, sondern weil er in diesem Moment meine ungeteilte Aufmerksamkeit haben möchte. Denn in der Regel gehört das Smartphone zu unserem Familienleben dazu. Es ist Teil meiner Arbeit, sammelt Erinnerungen, hält Kontakt mit den Großeltern, zeigt Hundevideos. Und manchmal darf auch mein großer Sohn darauf spielen und der Kleine ein Hundevideo ansehen. Ein striktes Verbot – selbst für die kurze Zeit des Abholens – muss nicht sein. Ich möchte erreichbar sein und beantworte auch gerne noch eine Nachricht, sofern mein Sohn mit dem Anziehen beschäftigt ist. Wenn er mag, hat er sofort meine Aufmerksamkeit. Für uns gehört es dazu.

Wie seht ihr das? Sollte es ein Handyverbot für Eltern in der Schule geben? Oder ist das alles voll legitim? Wie sehr darf sich die Schule in der Verhalten der Eltern einmischen?

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