Eine sehr interessante Diskussion geistert durch meine Timeline. Bejewly ruft dazu zur Blogparade auf: Mein Mann, seine Karriere und ich. Ein Thema, das sehr aktuell bei uns ist, denn mein Mann startet durch und ich bin in der dritten Elternzeit. Mein Mann macht Karriere und ich muss warten.

Gleichberechtigte Partner und Eltern

Patricia formuliert es in ihrem Blog Das Nuf als Betriebswirtschaftlich maximierte Elternschaft. Ich sehe – auf uns bezogen – einige Punkte als sehr zutreffend: ich muss mich auch privat für die Rente absichern. Wer weiß schon, was passieren wird? Und doch gebe ich meinem Mann den Vorrang bei der Karriere, wir teilen die Elternzeit nicht fair, weil der Verdientstunterschied so immens ist. Gefangen in der Teilzeitfalle?

Du musst deinem Mann den Rücken freihalten. – Mama.

Diesen Satz habe ich vehement negativ diskutiert. Nein, muss ich nicht. Er ist ebenso zuständig für die Kinder und Finanzen wie ich. Jeder steuert das bei, was möglich ist. Wir teilen Verantwortung, die auf seinen Schultern viel stärker lastet als auf meinen. Er macht viel trotz Vollzeitjob und im Moment kaum Freizeit.

Vereinbarung zwischen Job und Familie

Und da ist es wieder, dieses Unwort: Vereinbarkeit. Ein Wort, das für jede Familie etwas anderes bedeutet. Für uns heißt es: mein Mann fängt sehr früh an zu arbeiten, um gegen 16 Uhr Feierabend zu haben. Das funktionierte in den letzte Jahren super. Er holt ein Kind ab, ich das andere. Anschließend treffen wir uns für den Feierabendausklang. Wie sich alles entwickelte, schrieb ich in dem Blogpost über Vereinbarkeit von Kind und Karriere.

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Mann macht Karriere – ich arbeite nach der Elternzeit Teilzeit. Muss ich meinem Mann den Rücken freihalten?

Die abendlichen Meetings

Mit mehr Verantwortung kamen auch mehr Meetings, sodass ich nun abends oft allein mit den Kindern bin. Doch auch hier gibt es ein Entgegenkommen: zwischen den Meetings holt mein Mann die Kinder ab, geht einkaufen, erledigt Dinge, damit ich wenig Arbeit habe – obwohl ich mit dem Baby-Mädchen in Elternzeit bin. Besonders abends ist es oft schwierig, drei kleinen Kindern allein gerecht zu werden. Jedoch handelt es sich bei uns um wenige Stunden, die es allein zu überbrücken gilt.

Im Anschluss ist mein Mann wieder voll da, wäscht die Kinder, bringt die Jungs in Bett, liest vor und macht alles das, was ich auch mache und noch mehr. Und dabei macht er Karriere und meine ruht.

Kinderkrankentage

Da ich vor der Elternzeit viel im Homeoffice arbeitete, konnte ich Kinderkrankentage ohne Schein einfach abends nacharbeiten, wenn mein Mann die Kinder übernahm. Im Job zuvor musste ich stets mit den Kindern Zuhause bleiben, da wir nicht auf noch mehr Geld verzichten wollten. Immerhin bekommt man für diese Tage nur einen Teil des Gehaltes von der Krankenkasse erstattet. Homeoffice ist für uns eine bessere Lösung.

Seine Karriere und ich

Ein bisschen neidisch schaue ich auf seine Karriere, wie sich das so schnell so gut entwickelte. Auch bei mir lief es sehr gut, doch kamen drei Elternzeiten und somit Arbeitspausen dazwischen. Zwei davon nutzte ich, um mir eine neue Firma mit mehr Verantwortung im Job zu suchen. Die dritte Elternzeit dient nicht nur der Kinderbetreuung, sondern auch der Weiterbildung. Ich behalte Neuerungen im Auge, beobachte die Konkurrenz und bleibe in Kontakt mit den Kollegen und Chefs. Nächstes Jahr geht es an die praktische Umsetzung – in Teilzeit. Mein Mann arbeitet weiter Vollzeit.

Ist Teilzeit ein Hindernis? In meiner vorherigen Firma wurde mir das angekreidet. Eine Teamleiterposition gibt es nur für Leute, die Vollzeit (und mehr!) arbeiten. 35 h würden da nicht ausreichen. Überstunden würde eh erwartet. 35 h sind in manchen Firmen übrigens Vollzeit. Doch das sagte ich nicht. Ich nickte und ging. Weg von einer Firma, die sehr gute Teilzeitarbeit nicht wertzuschätzen weiß. Ein feiner Fall für meine Serie Arbeitgeber from Hell.

Teilen: Geld & Verantwortung

Wir haben nur ein gemeinsames Konto. Finanziell sind wir gleichberechtigt. Das gilt auch für alle anderen Sachen: Verantwortung rund um Kinder, Wohnung, Haushalt. Wenn ich den Haushalt nicht schaffe (oder keine Lust hatte) packt er selbstverständlich mit an und macht, was liegen blieb.

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Wenn ich nicht kann, ist es selbstverständlich, dass er ein krankes Kind abholt. Egal, welches wichtige Meeting ansteht. Kein Meeting finde ich so wichtig wie die Familie. Und das ist der springende Punkt:

Karriere ja – sofern es für alle machbar ist und alle dahinter stehen können.

Karriere ist mir wichtig. Sobald ich kann. Mit 30 habe ich noch sehr viele Chancen. Und die sehe ich, obwohl ich drei Kinder haben. Wir stemmen das zusammen.

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