Erinnert ihr euch? Warme Sommernächte, verliebte Blicke, Romantik, der Gedanke, es müsste immer so weitergehen, der Wunsch, dieser Beziehung ein Denkmal der Liebe zu setzen? Die Worte “ich will ein Kind von dir”, die so süß klangen? Und dann gab es das große Liebesfest, bis irgendwann ein sehr bedeutungsvoller Streifen auf dem Schwangerschaftstest auftauchte. Spannende Monate folgten, voller Veränderungen, manche gut, manche nicht so, aber vor allem ein Bauch, der immer dicker wurde. Und als Spannung und Vorfreude kaum noch auszuhalten waren, als die Ungeduld immer größer wurde, gipfelte alles innerhalb weniger Stunden – die doch die längsten des Lebens waren – in der Geburt eines neuen kleinen Menschen, für den die liebenden Eltern von nun an voll und ganz verantwortlich waren.

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Beziehungstipps für Eltern

Nebeneinander statt miteinander leben

Das Leben bestand jetzt aus durchwachten Nächten, gewechselten Windeln, abgekochten Fläschchen und Milchstau. Alles war auf einmal viel komplizierter. Ein kleiner Spaziergang benötigte soviel Vorbereitung, wie ein durchschnittlicher Raketenstart. Ruhige Abende wurden zur Seltenheit dank eines kleinen Würmchens, dem die Konzepte von “Tag” und “Nacht” so völlig schnuppe waren. Besuche bei Freunden? Vielleicht noch ohne Kinder? Ein logistischer Kraftakt, den Menschen ohne Kinder wohl nie verstehen werden. Ein schöner Kinoabend? Wenn überhaupt, dann nur noch auf DVD oder online, weil der Film schon wieder aus dem Kino raus war, wenn man endlich eine Betreuung organisiert hatte.

In der Zeit zwischen der Geburt des ersten und dem Auszug des letzten Kindes – der “Rushhour” des Lebens – lastet viel Druck auf den Eltern. Beziehung, Kinder, Arbeit, Haushalt, alles schreit nach Aufmerksamkeit. Und dort, wo es am lautesten schreit, da geht man eben hin. Das Leise, das Sinnliche, das Zarte bleibt auf der Strecke. Man redet weniger und spricht mehr ab. Das Kuschelkonto räumen die Kinder regelmäßig leer. Die Arbeit macht den Kopf voll. Eine Zeitlang geht das gut. Dann wird es zur Gewohnheit. Und irgendwann merkt man, dass man nicht mehr miteinander sondern nur noch nebeneinander lebt. Dann ist es aber vielleicht schon zu spät.

1. Reden ist Silber…

Es ist also wichtig, etwas für die Beziehung zu tun. Aber was, bei all dem Terror, der sich Alltag nennt? Am besten ganz weit weg! Auf ein lauschiges Südseeinselchen, ab in die Hängematte und zusammen das Meer rauschen hören. Schön wär´s, ist aber mit Kindern einfach nicht machbar. Fangen wir doch mal mit etwas ganz Einfachem an: Reden! Erinnert ihr euch an die langen, tiefsinnigen Gespräche – damals vor den Kindern? Über Wünsche, Träume, große Pläne, das Leben, das Universum und den ganzen Rest? Solche Gespräche sind das klebrige Etwas, das eine Beziehung zusammenhält. Ich sage dir, was in meinem Kopf vorgeht (außer  Arbeit, Kindern und dem täglichen Kleinkram) und du sagst mir, was dich bewegt. Das verbindet und schafft Nähe. Aber solche Gespräche sind schwer zu führen, zwischen Po abwischen und Steckfuchs basteln. Dafür muss man sich Zeit nehmen. Vielleicht werden sie deshalb oft vernachlässigt.

2. Zuhören ist Gold…

Reden allein hilft aber wenig, wenn niemand zuhört. Richtig zuhören ist knifflig, vor allem, weil der eigene Kopf zum Gesagten ständig seinen Senf dazu gibt. Diesen inneren Kommentator gilt es abzustellen, um sich voll auf die Worte des Gegenübers konzentrieren zu können. Wer gut zuhört, ist oft in der Lage, neue Aspekte an seinem Partner (oder bei sich selbst) zu entdecken. Gute Zuhörer geben ihrem Partner das Gefühl, wertgeschätzt zu werden. In dunklen Stunden ist in-den-Arm-nehmen und Zuhören oft die bessere Medizin, als so mancher gutgemeinte Ratschlag.

3. Aaand FIGHT!

Nun kann man reden und zuhören, wie man will, manche Dinge bleiben trotzdem nervig. Konflikte sind der Staub in der Wohnung einer jeden Beziehung. Und wenn es staubig ist, muss man saubermachen. Wenn ein Konflikt in einen offenen Streit ausartet, ist eine gute Streitkultur gefragt. Beleidigungen und Sarkasmus sind tabu! Anschuldigungen bringen die Sache auch nicht voran. Besser sind die berühmten “Ich-Botschaften”. Man erzähle dem Gegenüber doch mal, wie man sich selber fühlt, was man gerne ändern möchte und was der eigene Beitrag dazu wäre. Die Message sollte sein: “Lass uns das Problem als Team lösen!” Es ist wichtig, die Wut des Partners anzuerkennen und sie nicht abzuwerten. Den Partner dazu zu bewegen (oder gar zu zwingen) sich zu ändern, wird definitiv nicht funktionieren. Wenn es hart auf hart kommt, ist es wichtig, sich um des Friedens willen nicht selbst zu verkaufen oder einen faulen Kompromiss einzugehen. Was natürlich nicht heißt, dass man knallhart und aus Prinzip bei seiner Meinung bleiben sollte. Beziehungen leben vom Geben und Nehmen und das gilt auch im Streit. Und eine Beziehung muss auch mal ihre dunklen Zeiten haben. Wie könnte man sonst die Schönen richtig wertschätzen? Ja und um auf die Metapher vom Anfang zurückzukommen: eine Wohnung sollte nicht klinisch steril sein, sonst bekommt man Allergien. In der Beziehung führt das Ausdiskutieren jedes winzigen Problems zu Langeweile und die ist schlimmer als eine Allergie! Ein bisschen Konflikt ist nicht verkehrt und sei es nur wegen des Versöhnungssex.

4. Surprise, surprise

Ein probates Mittel, um der Langeweile in der Beziehung vorzubeugen, sind Überraschungen. Positive versteht sich. Über “Schatz, ich hab beim Föhnen aus Versehen die Wohnung abgefackelt” freuen sich höchstens Hersteller von Tabletten gegen Bluthochdruck. Gelegenheiten für positive Überraschungen gibt es viele. Der Anfänger gibt seiner Auserwählten für den Nachmittag kinderfrei oder lässt sie ausschlafen. Fortgeschrittene laden zum Candle-Light-Dinner oder zum Konzert der Lieblingsband ein. Der Profi organisiert einen Kurzurlaub inklusive Städtereise und Musicalbesuch. Der Meister macht alles zusammen und zwar selbstverständlich völlig selbstlos. Der Kreativität sind hier keine Grenzen gesetzt. Wer Inspiration braucht, der bediene sich des oben diskutierten Zuhörens. Früher oder später wird der Partner den einen oder anderen Hinweis fallen lassen. Am allerbesten kommt es natürlich an, wenn man dabei über seinen eigenen Schatten springt.

5. Alleinsein macht selig

Nun habe ich schon viel über Beziehungspflege geredet. Da stellt sich die berechtigte Frage, wo man zwischen Kindern, Beziehung und Arbeit denn selber noch bleiben soll. Niemandem ist geholfen, wenn man sich aufopferungsvoll um Frau und Kinder kümmert und am Ende gar nicht mehr weiß, wer man eigentlich ist, was man mal wollte und warum man sich das alles angetan hat. Ein bisschen Zeit für sich selbst gehört auch dazu. Die darf man sich ohne schlechtes Gewissen mal nehmen. Es muss ja nicht gleich ein Sabbatical in Indien sein. Ein netter Abend mit dem Lieblings-Actionreißer, den die Frau nicht ausstehen kann, ist auch mal herrlich. Ich persönlich bin selig, wenn ich im Keller basteln oder früh ins Bett gehen und schmökern kann. Das Schöne am Erwachsensein ist ja, dass man sich seine Hobbys jetzt selber leisten kann und nicht mehr von der Gnade der Eltern abhängig ist. Das vielleicht als Hinweis für alle, die von ihren Eltern als Kinder nicht mit Lego gesättigt wurden.

Was am Ende übrigbleibt…

Könnt ihr euch das vorstellen? Warme Sommerabende, auf der Bank vor dem Häuschen, ihr alt und runzlig, die Urenkel spielen im Garten und an eurer Seite ein Mensch, DER Mensch in eurem Lebens, so vertraut, wie sonst nichts anderes. Freunde und Verwandte kamen und gingen, aber da ist dieser Fels in der Brandung, der Ruhepol in eurem Leben. Ihr seht ihn an und das Glitzern in seinen Augen ist immer noch da. Ein Lächeln, das schönste der Welt, eine faltige Hand, die zärtlich eine andere ergreift. Und ihr wisst, da ist etwas zwischen euch, die Summe zweier Leben vereint gelebt, durch alle Höhen und Tiefen miteinander, füreinander. Das war es verdammt nochmal wert.

Kann passieren! Gebt gut auf euch acht…

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