Bettie (Frühes Vorgerl) sprach mich darauf an, wie ich Berlin sehe: meine neue Heimat? So oft schreibe ich über meinen Besuch in der Heimat und damit ist Brandenburg gemeint, nicht die Hauptstadt. Mein Fazit nach vier Jahren Leben in Berlin. Meiner nicht-Heimat.

Raus aus der Schimmelwohnung, ab nach Berlin

Mit 25, genau vor vier Jahren, wagten wir den für uns großen Schritt und zogen von Brandenburg an der Havel nach Berlin. Wir hatten genug von der einstigen Traumwohnung, die durch den Bauschimmel zum Albtraum mutierte. Der gesamte Keller war so feucht, dass unsere Dinge und alle Babysachen unseres ersten Sohnes feuchten Schimmel ansetzten. Schimmel und Feuchtigkeit zogen sich bis zu den Kinderzimmerschränken, ins Schlafzimmer und befielen auch unsere Wohnzimmerwände so stark, das die mit Posterkleber angehefteten Fotos einfach von der Wand fielen. Ein unglaubliches Gefühl, unser Hab und Gut – und die Hochzeitsfotos – auf dem Boden und dem Müll zu sehen. Wir mussten so schnell wie möglich raus und so zogen wir nach 11 Monaten in der neuen Wohnung nach Berlin, wo mein Mann arbeitete ich ich hoffte, einen Job zu finden. Es klappte.

Es war für uns ein einschneidendes Ereignis, es kostete viel Geld und Nerven, denn der Vermieter war nicht einsichtig. Jetzt oder nie, dachten wir und wagten den Schritt in eine Großstadt, die eine Stunde von unseren Eltern und Großeltern entfernt ist. Ohne Kita-Platz und mit meinem Willen, schnell einen Job zu finden. Zum Glück durfte ich bei meinem damaligen Arbeitgeber (Controllingportal.de) vom neuen zu Hause weiterarbeiten, bis ich eine neue Arbeit fand. Es folgten einige Hochs und Tiefs rund um Wohnung und Kita, doch letztlich klappte alles. Aber angekommen bin zumindest ich nie.

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Heimat Berlin? Nee.

Berlin – hier kann man leben

Berlin hat viel zu bieten: unendlich viele Angebote für Familien, einen sehr guten öPNV (im Vergleich zu Brandenburg), lange Öffnungszeiten, viele Arbeitgeber und für jeden Geschmack passende Events. Viel von allem, quasi.

Doch die Stadt ist zu wuselig

Letztlich ist eine Stunde Fahrzeit doch eine Menge, wenn man bedenkt, dass man auch wieder zurückfahren muss. Zwei Stunden am Tag im Auto sitzen, mit der Möglichkeit, dass ein Kind entweder einschläft (au weia – es wird abends nicht mehr pünktlich einschlafen!) oder jammert. Oder dass mir unwohl wird. Ich mag lange Autofahrten / Bahnfahrten nicht. Eigentlich mag ich Reisen nicht, doch das ist eine andere Geschichte. Meine Eltern nehmen die Fahrt gerne auf sich und machen mitunter sogar früher Feierabend, wenn ein Enkelsohn Geburtstag hat und wir zum Kaffee einladen. <3

Ich mag Offline-Shoppen generell nicht, da nützt mir unsere Nähe zum Ku’damm nicht viel. In ein paar Minuten wären wir vor Ort – doch mich ins Getümmel werfen? Nein, danke. Berlin ist zudem laut, kunterbunt und überfüllt. Zu laut, zu bunt, zu voll. Wir haben – juchu – sehr tollen Anschluss gefunden. Über unsere Kinder sind wir im Freundeskreis weiterer Kita-Eltern gelandet und sehr glücklich damit. Doch mir fehlen manchmal meine Familie und Freunde in der Heimat. Schnell mal zu Mama fahren, wenn ich nicht mit den Kindern allein sein will: geht jetzt nicht mehr. Da ich in Berlin selbst kein Auto fahre (zu viel, zu voll, zu wuselig…), bin ich auf den Zug angewiesen und auch das ist mir mit den Kindern zu aufregend: 1,5 Stunden, bis ich von Tür zu Tür gekommen bin. Das ist nervig. Selbst Fahrrad fahre ich in Berlin nicht. Hier gibt es doch so viele Chaoten auf den Straßen.

Halleluja, Berlin – alle wollen dahin, deshalb will ich das auch!? #RainaldGrebe

Wird Berlin meine Heimat?

Sohn 1.0 kam mit 2 Jahren her, Sohn 2.0 wurde sogar hier geboren und feierte den ersten Geburtstag, ein echter Berliner. Sie kennen nur Berlin und sehen, dass in „Brandenburg alles langsamer geht“ #Oma. Auch beim aktuellen Thema Wohnung mieten bzw. kaufen gehen meine Gedanken zurück zur Heimat. Wäre es nicht schön, wieder dort zu wohnen? Dass unsere Kinder ihre Großeltern öfter sehen? Dass wir auch einen Babysitter in der Nähe haben? Ja, wäre es. Aber wir möchten nicht mehr pendeln. Beides geht nicht. Wir entscheiden uns für die Zeit mit den Kindern. Sie am frühen Nachmittag abzuholen, viel Zeit zu haben ist Luxus. Sogar mein Mann kann trotz 40 h Job um halb 5 zu Hause sein. Dank des neuen Wohnortes. Doch meine neue Heimat wird es nicht. Ob sich das ändern wird?

Heimat ist dort, wo meine Familie ist