Ein Thema, bei denen die Meinungen unterschiedlicher nicht sein könnten – wie wohl bei allen Erziehungsthemen. Wie man Kindern gerecht wird, ist auch gar nicht so leicht zu beantworten. Viele Bloggerinnen haben nach meinem Aufruf zur Blogparade ihre Sicht geschildert, wie man Kindern gerecht wird – oder auch nicht. Es gibt eine große Schneise zwischen alles easy und nichts klappt. Sehr interessant zu lesen!

Bloggerinnen schreiben über Aufmerksamkeit für Kinder

Selbst eine Lösung finden sollen die Jungs von Nisla. Sie bemüht sich, keine Stellung zu beziehen.

Ich habe festgestellt, dass etliche Situationen sich von selbst klären, wenn ich mich raushalte. Es ist die Aufgabe meiner Kinder miteinander auszukommen. NICHT meine! – Mama Nisla rockt

Bella stellte fest, dass ihre Kinder es bisher nicht ungerecht finden, wenn sie mal warten müssen, weil die Schwester zuerst Aufmerksamkeit bekommt.

Ich habe mir angewöhnt, in diesen Situationen nach Bauchgefühl zu handeln. Wer braucht mich nun am ehesten, wer kann warten? Und es ist nicht immer die Große, die warten muss. – Familieberlin

Berenice schreibt über ihr schlechtes Gewissen, das aufkommt, weil sie zwei Kindern verschiedenen Alters gerecht werden muss. Sie findet Strategien, damit das abendliche Zubettgehen funktioniert.

„Kinder im Alter von einem und fünf Jahren haben völlig unterschiedliche Interessen und Bedürfnisse und ich bin oft an meine Grenzen gestoßen. Täglich zeigte sich das schlechte Gewissen, den Kindern nicht gerecht zu werden. Oder meinem Mann. Oder mir.“ Phinabelle

Sehr spannend fand ich die Entwicklung der Geschwisterbeziehung zwischen den Söhnen von Sonnenshyn, deren Ältester so alt wie Sohn 2.0 ist. Ihre Lösung finde ich super. Man merkt: reden hilft! Sie einigte sich mit ihrem Mann darauf, dass er öfter von zu Hause arbeitet und die Eltern beide Exklusivzeiten mit den Kindern brauchen.

„Außerdem über die sehr schwere Zeit, in der Simon sich an das Baby gewöhnen musste. Es dauerte sechs Monate, bis das Eis endlich gebrochen war und das war auch der Moment, in dem es hier allgemein besser wurde. (…)Ich zerriss mich geradezu. Wenn Alwin schlief (was er zum Glück viel tat), nutzte ich die Zeit mit Simon. Gemeinsam kochen. Lesen. Spielen. Doch sobald das Baby wach wurde und ich mit stillen beschäftigt war, wurde der Große traurig. Er kam nie zu mir, wenn ich Alwin auf dem Arm hatte.“ – Sonnenshyn

Bei Katharina wird deutlich, wie anstrengend die erste Zeit mit Baby und Kleinkind sein kann. Doch sie erwartet nichts, sondern freut sich, wenn beide Kinder mal gemeinsam schlafen.

„Ich möchte die Babyzeit und Kleinkindzeit mit den beiden erleben und nicht aushalten. Ich möchte die Chance ergreifen, die Welt durch ihre Augen zu sehen, mich an den Wundern um sie herum mit ihnen zu erfreuen und im Hier und Jetzt mit ihnen leben. Das hat in meinem Kopf viel verändert.“ – Natürlich geliebt

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Auswertung der Blogparade: Wie man Kindern gerecht wird – oder auch nicht

Anne füllt die Tanks ihrer Kinder nach Aufmerksamkeit und Nähe bereits, bevor diese ganz leer sind. So sorgt sie dafür, dass nicht die nächste Katastrophe naht.

„Manchmal hilft es meiner Erfahrung nach, quasi vorsorglich tätig zu werden und Müdigkeit und damit verbundene Anhänglichkeit zu vermeiden. Wenn ich z.B. merke, dass die Tochter draußen schon recht weit gelaufen ist, ihr rechtzeitig meine Hand, eine Pause oder das Buggyfahren anzubieten.“ Meine Eltern-Zeit

Mittlerweile ist sie vierfache Mama und weiß, wovon sie spricht. Susanne schreibt, dass sie Prioritäten setzt nach Alter, Bedürfnis & Gefahr:

„Wie ich meinen Kindern also allen 3 gerecht werde?
Gar nicht!
Und das ist gut so!“ Nullpunktzwo

Eigene Bedürfnisse beachten

Auf ihre eigenen Bedürfnisse achtet Uta im Moment, die die Kinderbetreuung an Au-Pair und den Papa abgibt, um eigene Ideen umzusetzen, mehr zu arbeiten und Sport zu machen.

„Aber mal ganz ehrlich: Werden sich die Kinder später daran erinnern, dass Mama mal 3-4 Monate lang wenig Zeit für sie hatte? Vor allem solange der Papa das ausnahmsweise mal etwas abfedert? Ich kenne die Antwort nicht, aber ich bin bereit, das zu riskieren.“ – Berlondon

Laura ist ebenfalls Dreifachmama und gibt Tipps, wie man Kindern gerecht wird. Sie beschreibt, dass Kinder andere Kinder brauchen. Toll finde ich vor allem den Satz aus ihrem Blogpost:

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„Drei Kindern gerecht werden ist vor allem dann möglich, wenn das Kleinste nicht immer im Mittelpunkt steht.“ – Heute ist Musik

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Kann man allen Kindern überhaupt gerecht werden?

Selbstkritische Worte findet Michaela, die über ihre Liebe zum zweiten Kind schreibt und die Schwierigkeit, wirklich beiden Kindern die Aufmerksamkeit zu geben, die sie verdienen.

„Der Spagat zwischen den einzelnen Wünschen und Bedürfnissen ist manchmal riesengroß, manchmal klappt es besser, machmal schlechter. Mehreren Kindern gerecht werden ist definitiv möglich. Ich mag den Satz „Jeder bekommt so viel wie er bewältigen kann“ sehr, denn er trifft bei mir in (fast) allen Lebenslagen zu.“ – Little Bee

Frau Punkt möchte beide Kinder vor dem dritten Geburtstag nicht in die Kita geben. Dass beide Kinder ständig zusammen sind, half ihrer Meinung nach sehr für eine gute Bindung zueinander.

„Ich hatte mich vorbereitet, indem ich mich nicht vorbereitete. Es lief einfach nach Bedarf. Den Sohn stillen und mit der Tochter in Büchern stöbern. Mit der Erstgeborenen „Quatsch mit Soße“ (so nennen wir alles, wobei wir Blödsinn machen) spielen und der kleine Mann schaute uns interessiert zu. Es lief wirklich gut.“ Frau Punkt

Witzig wird es bei Pluripara, die über ihre Kinder und Eifersucht des großes Kindes gegenüber den Zwillingen berichtet.

„Um nun allen Kindern gerecht zu werden, bedarf es eigentlich den Qualitäten eines Oktopus, aber wir wollen ja realistisch bleiben und das ist hier der Alltag. (…) Natürlich müssen Kinder auch lernen zu warten und Rücksicht zu nehmen, aber sind wir doch mal ehrlich: Klar müssen sie warten, aber mit welcher Stimmung dies geschieht, steht auf einem anderen Blatt.“ Pluripara

Nicole erzählt von positiven Erlebnissen: nach der Eifersucht klappte es dann doch:

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„Es hat sich wirklich alles eingespielt, trotz Eifersucht, im Mittelpunkt stehen und ein paar anfänglichen Eskapaden. Ich find es jetzt schwieriger, nur mit einer mal was zu machen, v.a. mit der Großen alleine, weil die ML versteht das nicht und will auf alle Fälle mit. Was die Große Schwester macht, will auch die Kleine.“ Hexen und Prinzessinnen

Auf Möchtegerns Babytagebuch kann man lesen, dass Stress ein unschöner Begleiter ist. Der Mama-Söhnchen-Tag wurde abgeschafft, weil sie es nicht mehr konnte. Doch sie arbeitet daran und glaubt an Besserung:

„Der Alltag brachte es aber mit sich, dass Stress meine Zeit – und vor allem meine Kraft – immer mehr auffraß. Stress hat nunmal keinen guten Einfluss und nimmt sich heraus, Prioritäten zu verschieben. Irgendwann gab es die Kindertage nur noch am Wochenende im wöchentlichen Wechsel, dann schaffte ich es nur noch einmal im Monat. Und jetzt? Jetzt schaffe ich es nur noch, wenn ich Urlaub habe.“ Möchtegerns Babytagebuch

Manchmal hilft nur Feuerwehr spielen: dort löschen, wo es brennt. Wie man Kindern gerecht wird - oder auch nicht | Mehr Infos auf Mamaskind.de

Manchmal hilft nur Feuerwehr spielen: dort löschen, wo es brennt.

Freunde und Familie helfen

Der Renner bei uns sind Verabredungen mit Freunden gleichen Alters, damit die Kinder sich austoben können. Auf Simplylovelychaos schreibt Natalia das als Tipp, damit man Exklusivzeit mit dem anderen Kind hat:

„Mein bester Tipp ist: Nimm dir irgendwie exklusiv Zeit für nur ein Kind! Bei uns funktioniert es mit Hilfe meiner Mutter ganz gut. Auch Verabredungen bei Freunden sind eine gute Lösung, wenn die Kinder groß genug sind. Zwei Kinder sind dann bei der Oma, oder bei Freunden und eines hat Mama für sich ganz allein!“ Simplylovelychaos

Kabbi stellt fest, dass sie glücklicherweise nicht allein für ihre Kinder da ist. Sie verbringt die Zeit mit ihrer großen Tochter vor allem mit Alltagsdingen, der Papa macht andere Sachen mit ihr.

„Der Mann verbringt jetzt viel mehr Zeit mit der Großen, die beiden machen zusammen Quatsch und toben – die Exklusivzeit, die sie bei mir nicht bekommt, verbringt sie nun mit dem Papa. Zwei Kinder und zwei Elternteile, das passt – aber wie ist es bei Familien mit mehr als zwei Kindern? Das stelle ich mir schwieriger vor.“ Kabborama

Mathematisch wird es bei Katarina, die eine Rechnung darüber aufstellt, wie viel Aufmerksamkeit ihre drei Kinder jetzt schon bekommen: viel!

„Denn klar, jeder sollte auch mal was alleine mit Mama machen können, ABER sie bekommen ja nicht weniger Aufmerksamkeit durch Geschwister, sondern mehr. Was? Ja genau! Denn -vereinfacht gerechnet- bekommt Motti Aufmerksamkeit von Mama (mindestens 33%) von Papa (mindestens 33%) von Nini (mindestens 33%) und von Wawi (mindestens 33%). Irgendwann in der (ferneren) Zukunft auch noch vom Dinobaby. Sind wir also grob bei mindestens 132%. Das sind mehr als 100% Aufmerksamkeit.“ – Blogprinzessin

Richtig harmonisch liest sich auch der Beitrag von Lisa:

„Das Bedürfnis nach „exklusiver Mamazeit“ besteht bei beiden also (noch?) nicht, da sie lieber alles im Doppelpack unternehmen. (…) Ich habe also gar nicht das Gefühl, allen irgendwie „gerecht werden“ zu müssen. Sicherlich liegt das auch daran, dass meine Kinder gut miteinander harmonisieren und die Konstellation bei uns ziemlich optimal ist.“ – Aktiv mit Kindern

Fazit

Vielen Dank für die zahlreichen Wortmeldungen. Es war eine Freude, alle zu lesen. Jede Sicht ist wertvoll und gibt mir und auch anderen Leserinnen und Lesern hilfreiche Einblicke. Vielleicht muss man nicht alles schaffen? Vielleicht reicht es, einfach das Beste zu geben, ohne ein Optimum zum wollen, das nicht erreichbar ist? Warum lasse ich das schlechte Gewissen nicht hinter mir? Der Blick über den Tellerrand lohnt: Es gibt kaum jemanden der sagt, dass alles perfekt zu bewerkstelligen ist. Das Leben ist eben bunt.