Im Rahmen meiner Reihe Arbeitgeber from Hell erreichte mich ein Beitrag einer Leserin, die gerne anonym bleiben möchte. Wegen häufiger Krankmeldungen und dann auch noch der Schwangerschaft, hat sie mit ihrem Arbeitgeber zu kämpfen. Trotz Vollzeitarbeit. Der Vorschlag: Sie soll doch bitte ihr krankes Kind abgeben… Danke für den Text!

Nach Ausbildung: Übernahme & Krankheit

Ich habe meine Ausbildung in einem Werk eines sehr großen, international tätigen Logistikunternehmens absolviert, wurde danach auch im Wahlbetrieb übernommen, allerdings in einem anderen Bereich, der so gar nichts mit meiner Ausbildung zu tun hatte und der mir auch nicht sonderlich gefiel, deshalb bin ich häufig krank gewesen.

Schwangerschaft & Krankschreibung

Ca ein halbes Jahr danach wurde ich wieder in mein “ursprüngliches” Werk versetzt, was mir auch sehr gut gefiel, allerdings habe ich knapp eine Woche nach meinem ersten Arbeitstag festgestellt, dass ich schwanger bin. Da der Job potenziell gefährlich ist und ich mich so frühschwanger eh nicht gut fühlte, ließ ich mich erstmal für ein paar Tage krank schreiben.

Als ich nach der Arbeitsunfähigkeit wieder arbeiten kam, bat mein Werksleiter mich zum Gespräch, er würde sich das ein paar Wochen anschauen und wenn ich weiterhin so häufig krank wäre, hieße es “Tschö mit ö”. Da ich eh mit ihm reden wollte, kam mir dieses Gespräch sehr entgegen, ich habe ihn direkt über meine Schwangerschaft in Kenntnis gesetzt.

Mobbing in der Schwangerschaft - Arbeitgeber from Hell

Mobbing in der Schwangerschaft – Arbeitgeber from Hell

Schichtdienst & Gefährdung am Arbeitsplatz

Obwohl mein Arbeitsplatz potenziell gefährlich ist und ich auch Schichtdienst hatte, sollte ich erstmal ganz normal weiter arbeiten. Erst nach gut zwei Wochen kam das Beschäftigungsverbot, über welches meine Kollegen noch sagen, dass ich darum gebettelt hätte, das MuSchuG würde ja nicht ab sofort gelten!

Die Monate vergingen, die Kleine wurde geboren, mein Antrag auf Elternzeit war gestellt und genehmigt, als der Papa der Kleinen gekündigt wurde, da er selber auch ein paar Monate in Elternzeit gehen wollte.

Vollzeitarbeit ohne Entgegenkommen

Daraufhin zog ich meinen Antrag zurück und ging nach Mutterschutz und Urlaub selber wieder Vollzeit und vollschichtig arbeiten, obwohl ich gestillt habe. Eine erneute Überprüfung meines Arbeitsplatzes wurde von meinem Arbeitgeber nicht einmal in Erwägung gezogen. Auch bezüglich der Stillzeiten ließ sich keine genaue Regelung finden, selbst vom Betriebsrat gab es Sprüche. :(

Meine Tochter kam kurz vor ihrem ersten Geburtstag in die Kita, ich habe in ihrem zwölften Lebensmonat endlich Elternzeit genommen und diese für die Eingewöhnung genutzt, seitdem arbeite ich nur noch im Frühdienst mit 30h/Woche. Auch hier kamen wieder blöde Sprüche von den Kollegen, da sich kurz zuvor eine Alleinerziehende Kollegin hat versetzen lassen, da sie Vollzeit und Vollschicht arbeiten sollte und keine Betreuung für ihr Kind hatte.

Keine Übernahme der Kindkranktage

Das erste Kitajahr verging, meine Tochter war häufiger krank, ich ebenso. Vor kurzem stellte ich den Antrag auf Übernahme der Kindkranktage von meinem Mann, da er a) mehr verdient und b) in einer kleinen Firma auf Auftrag arbeitet und es für ihn verdammt schwer ist, Ersatz zu finden, wenn er unvorhersehbar nicht zur Arbeit kommen kann.

Der Antrag wurde abgeschmettert mit den Worten “wir sind Ihnen als Arbeitgeber immer sehr flexibel entgegen gekommen, allerdings sehen wir Ihrerseits keinen Willen und kein Engagement Ihre Tätigkeit fortzusetzen, was sich in Ihren Freizeiten bemerkbar macht”.

Krankes Kind soll woanders betreut werden

Kurz darauf sollte ich mich zum Präventionsgespräch einfinden, in dem mir gesagt wurde, dass ich mein krankes Kind doch zur Oma (beide arbeiten noch!) oder zur Kindertagespflege geben soll, damit ich mich wenigstens nicht anstecke und dass ich auf eine adäquate Handhygiene achten solle (beim letzten Magen-Darm-Infekt hatte ich Dank des ständigen Waschens und Hände desinfizierens dann kaputte Hände. Als Handwerker ziemlich blöd.

Wohlgemerkt haben die beiden Herren, welche dieses Gespräch mit mir führten selber Kinder und mein Arbeitgeber möchte in ein paar Jahren zu den Top-Arbeitgebern Deutschlands zählen!

“Als würde mein Uterus denen gehören.”

Keine Weiterbildung für Mama?

Außerdem werde ich bei Fortbildungen immer noch ziemlich übergangen, sodass “frischere” Kollegen besser ausgebildet sind, als ich. :(

Deshalb traue ich mich noch nicht so ganz, ein zweites Kind zu bekommen, da ich ernsthaft Angst vor den Reaktionen meiner Vorgesetzten habe – als würde mein Uterus denen gehören. :( Das war meine Geschichte.


Uff. Da kommen viele Dinge zusammen. Vielen Dank für diesen mutigen Beitrag. Es ist schrecklich, wie Mütter übergangen werden, weil sie Mütter sind. Kranke Kinder woanders betreuen? Das als Vorschlag des Arbeitgebers?

Wer hat ein paar aufmunternde Worte oder Tipps für die Gastautorin?

Wer auch anonym über ihre oder seine Erfahrungen als Mama / Papa reden möchte, kann mir gerne eine E-Mail schreiben.