Versteht mich nicht falsch: ich liebe Top 10-Listen, wenn sie Mehrwert bieten. Dazu gehören Listen, die mir Hinweise für mein persönliches Weiterkommen oder meine Interessen geben. Z. B. Top 10 Urlaubsorte mit kleinen Kindern in Deutschland, eine Blogroll, die viele Blogger haben und die deren persönliche Sicht darstellt und damit ausdrückt: Das sind meine Top 10 Blogs. Ein Unternehmen hat dies auf seine Art interpretiert und meiner Meinung nach damit in die falsche Richtung gespielt: Die Top 10 Mütterblogs.

Top 10 Mütterblogs einer Agentur

Klar freut man sich, in einer Top 10-Liste zu erscheinen, mir würde es nicht anders gehen, wenn die Maßstäbe klar und transparent sind. Wenn dies allerdings nicht für jeden nachvollziehbar ist und viele bekannte Gesichter mit großen und großartigen Blogs fehlen, geht meiner Meinung nach die Glaubwürdigkeit verloren.

Im weiteren langen Twitter-Verlauf wurde auf die eigens kreierte Formel zur Berechnung hingewiesen:

Diese Formel beinhaltet die Anzahl an Besuchern einer Website, die Häufigkeit der geteilten Beiträge in Social Networks (Twitter, Facebook, Google+, LinkedIn, XING, VK und Weibo.

Problem – Wie werden die Daten erhoben?

Zuerst: es gibt unzählige Blogs, allein im Mama-Bereich, der in dieser Top-10-Liste angesprochen wird. Um eine solche Liste zu bilden, müssten alle vorhandenen Blogs untersucht werden, was vermutlich nicht geschehen ist, was vielleicht auch nicht Ziel der Aktion war.

Da sie nicht an die Traffic-Daten der Blogger herankommen, bleiben nur freie Tools, die den Traffic schätzen. Das ist ungenau, zuweilen sehr von den realen Daten abweichend. Dies fällt somit als Berechnungsgrundlage aus. Bleiben die Netzwerke. Werden wirklich alle Interaktionen der Netzwerke aller Mama-Blogger untersucht, gemessen und ausgewertet? Es mag Tools dafür geben, dennoch erscheint mir der Aufwand zu hoch.

Warum also das alles?

Vor einigen Wochen erschien dort bereits eine Top 15-Liste von Bloggern, die diese auch fleißig geteilt und somit verbreitet haben. Aha! Der Kern der Aktion wird deutlich. Diese Liste bietet folglich keinen Mehrwert, sondern könnte darauf ausgelegt sein, sozial verbreitet zu werden. Vielleicht ist sie Teil einer Social Media Strategie. Für mich scheint sie so zu funktionieren: „Such doch mal ein paar gute Blogger raus, die wir in die Liste packen, Die werden das dann schon teilen und uns viral ins Gespräch bringen.“.

Das haben sie schon mit der vorherigen Blogger-Runde geschafft (in der auch tolle Blogs vertreten waren, darum soll es hier nicht gehen). Die Top 15 wurden viel geretweetet und die Blogger freuten sich. Damit stiegen die Erwähnungen der Agentur, der Link wurde geteilt und der Traffic der Agentur stieg ebenfalls. Vielleicht haben sie sogar weitere Blogger in ihr Netzwerk aufnehmen können, in dem die Möglichkeit besteht, Kooperationen an Land zu ziehen (in welchem ich auch teilnehme).

Auch für SEO kann dieses Vorgehen eine gute Strategie sein, denn vielleicht berichtet auch ein Top-10/15-Teilnehmer auf seinem Blog von seiner Listung? Ein natürlicher Backlink, für den man nichts bezahlen muss, einfach nur eine Liste erstellen und abwarten muss? Klingt zu schön, um wahr zu sein. Funktioniert aber anscheinend. Vielleicht will die Agentur auch langfristig mit dem Keyword „Top 10 Mama-Blogger“ o. ä. gefunden werden? Die Intention scheint klar auf das Online Marketing gerichtet zu, nicht jedoch für Leser gedacht zu sein. Dafür ist die Liste zu ungenau.

Eine Seite ohne Mehrwert für den Leser

Der fade Beigeschmack für mich bleibt. Wo ist die Vergleichbarkeit? Wo sind die wirklich guten und großen Bloggerinnen in der Liste (die man teilweise schon an den Twitter-Followern erkennt)? Sie kratzen am Ego des Bloggers. Einer, der sich geschmeichelt fühlt und andere, die hoffen, das nächste Mal aufgenommen zu werden und fleißig die Seite der Agentur besuchen. Die Hoffnung bleibt.

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Wie @Marsha_ schrieb: Glaube nie einer Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast.

 

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