Manchmal wäre es schön, wieder Kind zu sein, schrieb vor kurzen Anja (von guten Eltern) auf Instagram. Ich dachte: “So haut das hin!”. Manchmal wäre es schön, die ganze Verantwortung, die man plötzlich als Erwachsene hat abzugeben, und sich von den eigenen Eltern verwöhnen zu lassen. Ein paar schöne Erinnerungen habe ich jedoch auch an meine Zeit mit Computer und Fernsehen. Ob das heute noch so funktionieren würde: Die Kinder endlos Computer spielen lassen?

Vorbildfunktion: Digitale Medien

Jetzt haben wir diese Vorbildfunktion, stundenlang Spiele zocken fällt leider weg. Klar versuchte ich es: den großen Sohn so lange spielen zu lassen, wie er mag. Das schlug sich leider auf seine Laune aus. Ein Zeichen, dass Kinder eben noch nicht alles allein entscheiden können.

Wir müssen darauf achten, was ihnen guttut. Digitale Medien machen Kindern sicher Spaß, doch muss ich dennoch auf ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Screentime und Büchern / Lego finden.

Ich erinnere mich nicht daran, dass meine Eltern meine Zeit zum Zocken begrenzten. Ich startete früh mit eigenem Fernseher und Computer im Zimmer (ca. mit 11 Jahren).

Zeitliche Begrenzung der Tablet-Zeit

Nun muss ich meinen Kindern ein Vorbild sein und möchte das Smartphone nicht dauernd in der Hand haben. Logisch, dass sie sich sonst fragen, warum wir spielen dürfen und sie nicht. Seit unserem Urlaub in Ueckermünde haben wir beiden Kindern ein eigenes Profil auf dem Tablet eingestellt, das nach 45 min bzw. 60 min wochentags die digitale Medienzeit begrenzt. Bücher anschauen geht danach weiterhin bis 18 bzw. 19 Uhr. Der Kleine darf nicht so spät am Gerät sitzen. Wir haben Kindle FreeTime von Amazon dafür eingerichtet. Die Kinder teilen sich ein Kinder-Tablet, das Amazon Fire HD Kids Edition (Werbelink), dessen Benutzung sie untereinander abstimmen müssen.

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Digitale Medien für Kinder – Screentime | Vorbild sein

Nicht nur Technik

Während ich also früher viel spielen durfte (bzw. mich so daran erinnere), ist es verrückterweise als Elternteil beschränkt. Wichtiger sind mir jedoch andere Werte: Familie, Zusammenhalt, Aktivitäten draußen. Unsere Laune steigt, wenn wir neue Dinge sehen, frische Luft atmen, uns austoben.

Meine Mama beschäftige sich viel mit mir: malen, mal etwas basteln, Spiele spielen. Mein Highlight ist heute noch: Apfelstrudel im Wohnzimmer vor dem Fernseher essen und dabei Seaquest (yay!) oder Skispringen (nay!) schauen. Wir aßen sonst nie vor dem Fernseher! Ist es verwerflich, dass eine tolle Erinnerung an die Glotze gebunden ist?

Das Schöne ist: wenn man Eltern wird, kann man sich die Umgebung so schaffen, die man mag. Einiges verwirft man, weil es in der Praxis eben doch nicht funktioniert. Anderes übernimmt man, wie z. B. die besondere Zeit mit dem Essen vor dem Fernseher. Einmal pro Woche machen wir unseren Filmnachmittag im Wohnzimmer. Wir alle lieben es!

Vorbild sein und begleiten

Ich möchte nun nicht dazu aufrufen, kleine Kinder stundenlang vor den digitalen Geräten zu parken. Ein Begleiten beim Tablet spielen und auch beim Fernsehen finde ich schön. Meine Eltern ermöglichten mir früh Zugang zur Technik. Erst spielte ich, als Jugendliche fing ich testweise an zu programmieren. Meinen ersten Blog hatte ich 2004 – vor 13 Jahren! Bei mir schaffte es das Interesse für die neue Welt, das Internet, mit dem ich heute auch angestellt mein Geld verdiene.

Ähnliches erlebte mein Mann. Er bekam ebenfalls früh einen Computer, entwickelte eine Leidenschaft für Software, Websites und Entwicklung und ist, wie ich, heute in der digitalen Branche unterwegs.

Was meinte Eltern damals schon machten: sie begleiteten mich. Wir spielten zusammen Die total verrückte Rally, die schon 1995 das gemeinsame Spiel am Computer ermöglichte. Ein richtig witziges, teils fieses Brettspiel. Mein Papa schwärmt heute noch davon. Meine Eltern wussten damals, was ich spiele.

Das möchte ich auch tun. Zusammen mit meinen Kindern spielen, ihnen zur Seite stehen, mitbekommen, was sie mögen. Nur eben begrenzt. Auf dem Smartphone ist schnell ein neues Spiel runtergeladen. Ich sehe meinen Kindern zu, wie sie im Minutentakt die Apps wechseln. So finde ich das nicht sinnvoll.

Früher fühlten wir uns in die wenigen Spiele ein, die wir hatten. Deswegen schwärmen wir wahrscheinlich oft von den Klassikern. Wir konzentrierten uns auf wenige Spiele, gewannen sie lieb. Passt das nicht mehr in die Wegwerfgesellschaft à la höher, größer, weiter? Ich würde gerne das Gefühl weitergeben, das man hatte, wenn man sich stolz von seinem Taschengeld ein neues Spiel kaufte. Vielleicht würde auch den Kindern digitaler Minimalismus bei Spielen guttun.

Ob unsere Kinder auch mal von den guten, alten Spielen schwärmen werden?