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Beim ersten Kind war ich 23, damals dachte ich, ich war einfach zu jung. Kein Wunder, dass ich überfordert bin. So viel Zeit verbrachte ich mit Baby bei meinen Eltern. Mein Mann war immerhin lange unterwegs. Doch dann merkte ich: es liegt nicht am Alter. Dieses Gefühl kam bei jedem Baby neu auf: wie soll ich das alles schaffen?

Hilfe, ich habe plötzlich ein Baby!

Plötzlich Mama und überfordert und unterfordert mit Baby. - Mamaskind.de
Plötzlich Mama und überfordert und unterfordert mit Baby.

Nach der Geburt im Krankenhaus wunderte ich mich: Und was mache ich jetzt mit dem Baby? Es schlief so friedlich. Das änderte sich natürlich schnell. Mein Kind schlief nicht mehr gut, schrie, war scheinbar nicht zufrieden und ich war überfordert. Wie man mit einem Kind umgeht, dass man es nach Bedarf stillen darf und dass frische Luft sehr heilsam sein kann – das lernte ich erst mit der Zeit. Meine damalige Hebamme war mir leider keine gute Hilfe. Zum Glück gab es das Internet – und Mama.

Doch schien ich es bei jedem meiner drei Babys neu lernen zu müssen. Wie kann das sein? Kann man es verlernen, Mutter eines Neugeborenen zu sein? Warum schreit mein Kind denn? Ich zweifelte mitunter an meinen Mama-Skills.

Beim zweiten Kind war ich plötzlich auf mich gestellt, fernab der Familie, im großen Berlin. Ein paar Mal traf ich mich mit Bekannten, konnte bloggen, doch ich fühlte mich einsam. Es fehlte mir, dieses Dorf, von dem auch Nicola in ihrem Buch: Erziehen ohne Schimpfen schreibt. Erneut war da dieses Gefühl: wie soll ich das schaffen wenn mein Mann wieder arbeitet?

Die Elternzeit liebte ich, war trotz der vielen Zeit überfordert und wollte nicht allein sein. - Mamaskind.de
Die Elternzeit liebte ich, war trotz der vielen Zeit überfordert und wollte nicht allein sein.

Abends nicht mehr weggehen

Abendliche Verpflichtungen meines Mannes? Das konnte ich mir nicht vorstellen. Es ging einfach nicht und es setzte mich unglaublich unter Druck. Gleichzeitig hatte ich das Gefühl: ich verbiete meinem Mann, zu seinem Sportkurs zu gehen und hatte ein doppelt schlechtes Gefühl. Generell scheine ich als Mama das schlechte Denken für mich gepachtet zu haben. Schuldig? Schuldig!

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Mein Mann schien es zu verstehen, nahm es grummelnd hin, dass ich ihn vor allem abends brauchte. Denn mein Baby schlief nie. Weg konnte ich nicht, ich stillte ja. Fläschchen hatten wir nicht. Und wohin sollte ich auch gehen? Meine Freunde waren in der Heimat, Bekannte in der Nähe hatten auch alle Kinder, schnell zu Mama fahren: ging nicht mehr. Gefangen zu Hause quasi.

10 Jahre Rückblick: Schwangerschaft, drei Kinder, drei Jobs. - Mamaskind.de
10 Jahre Rückblick: Schwangerschaft, drei Kinder, drei Jobs.

Gleichzeitig unterfordert mit Kind zu Hause

Der Grund, warum ich meinen Blog 2010 startete war, dass ich mit meinem Kind geistig unterfordert war. Alle Prüfungen im Studium schrieb ich noch hochschwanger, ein paar Wochen vor der Geburt. Mit Baby saß ich nun nur noch an der Bachelorarbeit. Dazwischen war mir öde. Es war keiner da zum Reden.

Wie komisch das ist: alles war anders, ich fiel in ein kleines Loch. Das Studium lag gefühlt Jahre hinter mir, dabei hatte ich es noch nicht mal beendet. Auf den Abschluss würde ich zusammen mit dem Baby hinarbeiten. Doch bis dahin: Leere. Wie praktisch, dass ich mich mit meinem Blog gleichzeitig weiterbilden konnte. Sogar noch ein weiteres Online-Projekt setzte ich auf. Mit meinen Babys und Kindern war ich dennoch stets glücklich, mir fehlte nur das Denken außerhalb der Baby-Blase.

Nur Mama sein: das konnte ich nicht. Wie glücklich ich war, wenn ich abends mit einem erwachsenen Menschen reden konnte! Die meisten Kommilitoninnen hatten noch keine Kinder, auch im Freundeskreis waren wir früh dran. Das Dorf musste erst noch wachsen. Und tut es immer noch.

Allein verantwortlich ist nicht alleinerziehend! | Ich wurde in der Zeit, in der mein Mann verreist war, nicht mit den Problemen von Alleinerziehenden konfrontiert. Ich hatte nur zeitweise die alleinige Verantwortung. | Mehr Infos auf Mamaskind.de
Allein verantwortlich ist nicht alleinerziehend!

Allein mit drei Kindern?

Beim dritten Kind war es ähnlich. Wieder war da dieses Loch: Cool, kann man ja mal reinfallen! Ich allein mit drei Kindern zu Hause? Was da alles schiefgehen kann! Hilfe, das geht nicht, geh nicht weg! Erneut suchten wir gemeinsam Wege. Es litt wieder der Sport und so einige der Karriere dienlichen Events: Essen mit Chefs und Kollegen am Abend.

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Wir befanden uns in unserer kleinen Blase, fernab der Unterstützung im Alltag. Um nicht durchzudrehen arbeitete ich wieder in der Elternzeit (was sich geldlich für mich nicht lohnte, eher im Gegenteil!). Dieses hilflose Gefühl, mit drei Kindern allein nicht handlungsfähig zu sein, begleitete mich lang. Tatsächlich bis weit ins dritte Lebensjahr meiner Tochter hinein.

Man kann sich vorstellen: das war für keinen von uns angenehm. Kam mein Mann 10 Minuten später von der Arbeit, drückte ich ihm schon genervt die Kinder in die Hand. Ob der sich nicht denken kann, wie anstrengend das alles ist? Konnte er, immerhin hat er auch einen sehr stressigen Job. Doch das sah ich in der Situation nicht.

Überfordert mit Baby zu Hause: wie soll ich das alles allein schaffen? - Mamaskind.de
Überfordert mit Baby zu Hause: wie soll ich das alles allein schaffen?

Ich kann das auch allein

Erst jetzt weiß ich: ich schaffe das auch „locker“ allein mit drei Kindern und drehe nicht durch, wenn mich mein Mann um eine Befreiung vom gemeinsamen Flohmarkt-Besuch bittet. ;) Ich war allein mit drei Kindern dort! Was sich für andere Eltern vielleicht lächerlich anhört ist für mich ein Erfolg. Es war wie erwartet: alle Kinder flogen in verschiedene Richtungen aus, ich hatte anfangs kaum Zeit zu schauen oder mit Bekannten zu sprechen. Doch es klappte!

Bin ich abends mit den Kindern allein, male ich mir keine Schreckensszenarien mehr aus, sondern überlege, wie ich das für alle witzig bewältigen kann. Ich habe meine Abendroutine mit drei Kindern, die sich ändert, je nachdem ich allein bin oder nicht. Meistens ist mein Mann da und übernimmt abends.

Allein verantwortlich für drei Kinder - ich schaffe das! #Mompositivity | Eine Blogparade von Lotte & Lieke. | Mehr Infos auf Mamaskind.de
Allein verantwortlich für drei Kinder – ich schaffe das! #Mompositivity

Das Wissen, dass ich auch mal einen Vormittag mit den Kindern wuppen kann, ich mich nicht überfordert fühle, hilft ungemein. Das Vertrauen hätte ich gerne früher gehabt. Jetzt flehe ich meinen Mann nicht mehr an, dass er seinen Kurs sausen lässt. Ich grummle höchstens noch. Aber auch das wird weniger.

Am Ende wird alles gut. Und wenn es nicht gut wird, ist es noch nicht das Ende.“

Oscar Wilde?

Was hat dir in der Babyzeit geholfen?

Lasst es uns gemeinsam festhalten: was hat euch geholfen, als ihr (unerfahren?) mit dem Baby zu Hause wart?