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Oft fragt man sich, warum die Medien so seltsame Ansichten verbreiten. Die Medien, das sind in diesem Fall nicht meine geliebten Computerspielredaktionen wie die GameStar, die ich lange als Heft abonnierte, sondern die typischen Aufschreimedien, die gerne Dinge verdrehen und Panik machen. Immer wenn eine schlimme Gewalttat mit Waffen passiert, wird das Thema Killerspiele erneut in den Mittelpunkt gerückt. Ich denke nicht, dass man das direkt miteinander verbinden kann: Killerspiele und Gewalttaten.

Killerspiel ist eine im deutschen Sprachraum verbreitete, negativ konnotierte Bezeichnung (Dysphemismus) für ein gewalthaltiges Spiel. Es werden damit in erster Linie Computerspiele bezeichnet, in denen vom Spieler gesteuerte Gewalt gegen menschliche oder menschenähnliche Spielfiguren dargestellt wird. – Quelle: Wikipedia

Killerspiele verbieten? Warum nicht alle Computerspiele?

Nur warum wird oft die Schlussfolgerung gezogen, dass Ego-Shooter zu realen Gewalttaten führen? Weil zufällig jene Gewalttäter auch Computerspiele spielten, in denen man auf Menschen schießen soll? Logisch betrachtet ergibt das keinen Sinn. Wenn dies direkt dazu führen würde, würden Autorennspiele auch sofort zu Rasen auf der Autobahn und auf Nebenstrecken führen (Need for Speed), ich würde durch Polizeikontrollen brettern, statt artig anzuhalten. Ich würde meine Mitmenschen mit Eistrahlen und mit Pfeilen und Gift erledigen (Diablo 3). Ok, das ist unrealistisch, ich kann nicht zaubern, doch sind die anderen Beispiele besser? Nein. Das denken auch andere.

Und auch auf Zeit.de erschien ein Artikel zu den Killerspielen:

Dennoch kann, um im Duktus des Ministers zu bleiben, kein vernünftiger Mensch behaupten, dass ein Spiel mit expliziter Gewaltdarstellung monokausal zu ausgeübter Gewalt außerhalb eines Spiels führt. Vielmehr muss man immer auch Lebensumstände wie geringe gesellschaftliche Teilhabe, Ausgrenzung, Erkrankungen oder Diskriminierung mit einbeziehen. – Quelle: Zeit.de

Es gibt genug reißerische Medien (einfach Google anschmeißen), die direkt den Zusammenhang zwischen Killerspiel und Gewalt ziehen und sogar „Experten“ zum Thema interviewt haben, ohne auf die Umstände zu achten. Daher ist der Austausch wichtig: mit Spielern, mit Fachleuten aus Spiele-Redaktionen um eben jenen Silversurfern und Scheuklappenträgern zu zeigen: so ist das gar nicht!

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Wird manchmal zum Hulk: Sohn 1.0

Was also machen Killerspiele mit mir?

Sie beruhigen mich, lenken mich ab vom Alltag, sie sind zum Teil meine Freizeit. Ich denke nicht daran, wie ich den Inhalt des Spiels, Waffengewalt an Menschen / Tieren / Monstern in die Realität umsetzen kann. Ich möchte abschalten, mich ganz in das Spiel denken. Spiele ich bspw. das postapokalyptische Rollenspiel Fallout 4, tauche ich komplett in die Story ein. Ich überlege, wie ich die aktuellen Quests (Aufgabe) lösen kann. Das geht nicht nur mit der Waffe, sondern auch via Überreden, teils Stehlen und Schleichen – wenn der Charakter geschickt genug ist.

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Was macht es für einen Spaß, wenn man zusammen mit Freunden ein Spiel spielt und Level erreicht, in denen man noch nicht gewesen ist z. B. in The Binding of Isaac. Oder wenn ich eben doch ein wenig schneller schieße, als meine Freunde in Quake 4. Nennt mich Lucky Luke, also die moderne Variante mit Railgun. Es erfüllt mich mit Freude, diesen Wettbewerb zu gewinnen. Im echten Leben schieße ich übrigens nicht auf Freunde oder andere Menschen.

Die einzige Waffenerfahrung habe ich mit einem Gewehr auf dem Rummel und dabei soll es auch bleiben. Ich mag keine Waffen und möchte auch nicht, dass meine Söhne damit spielen. Doch verhindern kann ich es nicht. Der große Sohn ist mit Nerf Gun, Laserschwert und Holzwaffen sehr gut ausgestattet und der Kleine mischt mit. Wasserpistolen sind oft verbreiten und auch Teil unseres Haushalts. Verbote helfen nicht und verleiten eher dazu, es heimlich zu machen. Dennoch entferne ich die Spielzeugwaffen, wenn das Spiel zu hart wird. Unter Protest versteht sich.

Killerspiel ist kein Kinderspiel

Dennoch sind Spiele mit Gewaltdarstellung oder Pflicht zur Gewaltausübung nichts für Kinder. Ich würde es sogar ausweiten: nichts für Menschen, die Realität und Wirklichkeit nicht auseinander halten können. Kinder können das noch nicht. Das ist auch der Grund, warum ich nicht möchte, dass mein Sohn Comicumsetzungen (Iron Man etc.) schaut, die noch nicht für sein Alter empfohlen werden. Und auch bei der FSK liegt man mit der korrekten Einschätzung der Altersangabe oft daneben. Ich halte mich für Film-Empfehlungen gerne an Kinderfilmblog.

Doch es gibt Spiele, die ich zusammen mit meinem großen Sohn zocke. Auch Spiele, in denen Monster verhauen werden, darf er wahlweise anschauen oder selbst spielen. Dazu gehört z. B. Minecraft, Legend of Zelda, Super Mario Bros. (auch da werden Monster erledigt!) und Click & Point Adventures, sofern ich kontrollieren kann, was gesprochen wird. Die Deponia-Reihe ist z. B. sehr lustig, doch nicht alle Texte sind für Kinderohren bestimmt. Da hilft mir: Untertexte einschalten und die Audio-Ausgabe schnell überspringen. So kann auch er mir bei den Rätseln helfen: Dinge verknüpfen, um die nächste Handlung zu erzielen. Da ist hingegen The Book of Unwritten Tales geeigneter für Kinder, jedoch auch stellenweise lustig.

Vorbild sein und aufklären

Wie so oft gilt: den Kindern ein Vorbild sein und einen normalen Gebrauch mit dem Computer erlauben und fördern. Martin hat dazu vor einiger Zeit geschrieben: Gehört der Computer ins Kinderzimmer? Mittlerweile darf sein Sohn länger an den eigenen Computer, den er sich zusammensparte. Auch mein Sohn darf inzwischen am Wochenende nach Absprache an den PC (ein umgebauter alter iMac G4, auf dem nun Windows läuft). Dort schreibt er Wörter und spielt Minecraft im Baumodus (ohne aktive Monster), was ich sehr gut für die Hand-Augen-Koordination finde, denn Tastatur und Maus müssen gleichzeitig verwendet werden. Nach und nach werde ich ihm den Umgang mit dem Computer zeigen. Bisher schaltet er nur den Monitor aus, wenn er ihn ausmachen möchte.

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Aufklärung ist wichtig: erst die Basics, dann die altersgerechten Spiele. Und irgendwann spielen wir vielleicht im LAN Killerspiele. Team Mamaskind. (Vermutlich wird er dann eher mit Freunden spielen und ich gänzlich out sein. Lasst mir den Gedanken!)