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Ein Gastartikel von einer Leserin, die gerne anonym bleiben möchte. Sie schreibt über mehrere Fehlgeburten, ihre Hochs und Tiefs und letztlich über ihre aktuelle Schwangerschaft im 5. Monat. Lange freut sie sich nicht, nach Fehlgeburt wieder schwanger zu sein. Doch irgendwann setzt das Glücksgefühl ein: strampelndes Baby im Bauch.

Kinderwunsch – Regen – Sonne – Regenbogen

Der Kinderwunsch erwachte ganz plötzlich in mir. Buchstäblich von einem Moment auf den anderen. Ich saß mit meinem Mann (damals waren wir noch nicht verheiratet) im Auto auf dem Rückweg von der Geburtstagsfeier seiner Nichte und fand den Gedanken, nun ein Baby zu bekommen, einfach richtig und passend. Ich war 26, hatte den richtigen Mann mit Eigenheim und wir verdienten genug Geld.
Mein Mann wollte davon zuerst einmal nicht viel wissen. Aber nur ein paar Tage später stimmte er mir zu und wir waren uns einig, dass wir es versuchen wollen. Ich war überrascht von seiner Zustimmung.
Wir waren seit mehr als 5 Jahren zusammen und er war zu meinem Sohn, welcher zu diesem Zeitpunkt 5 Jahre alt war, immer wie ein Vater. Und das machte er sehr gut. Dennoch betonte er stets, dass eigene Kinder für ihn nicht infrage kommen. Wenn überhaupt erst in mindestens 5-7 Jahren. Umso mehr freute ich mich über seinen Entschluss.

Nach dem laufenden Zyklus beendete ich Anfang 2015 die Pilleneinnahme. Wir wollten uns keinen Druck machen, ließen es einfach drauf ankommen. Natürlich behielt ich meine fruchtbaren Tage etwas im Auge, befasste mich aber nicht weiter mit dem Thema, frei nach dem Motto „wird schon werden“.
Nach 4 Monaten erfuhren wir, dass meine Schwägerin schwanger sei. Wir freuten uns sehr, da wir wussten, wie steinig der Weg für sie und ihren Mann war. Aber nun packte mich der Ehrgeiz, ich wollte so schnell wie möglich auch schwanger sein. Aber es klappte nicht und ich begann, mir Gedanken zu machen.

Schwanger nach Fehlgeburten
Schwanger nach Fehlgeburt – wann darf man sich freuen?

Der positive Test

Nach einem halben Jahr ohne Erfolg las ich das erste Mal von Ovulations-Tests und beschloss, sie zur Hilfe zu nehmen. Und ich konnte meinen Augen nicht trauen, als ich Ende August, im ersten Ovu-Zyklus, nur 2 Tage vor meinem 27. Geburtstag, einen positiven Schwangerschaftstest in meinen Händen hielt!
Ich freute mich wahnsinnig und rief sofort meinen Mann an, der sich gerade auf dem Weg zur Arbeit befand. Wir waren voller Euphorie, fingen sofort an zu planen, über Namen nachzudenken und beschlossen, noch vor der Geburt zu heiraten. Das Baby meiner Schwägerin wäre zudem nur 4 Monate älter als unseres. Perfekt!
Wir behielten die Neuigkeit nicht lang für uns und haben unserer Familie recht früh davon erzählt. Auch im Freundeskreis sickerte die Neuigkeit nach und nach durch, sodass vermutlich um die 10. SSW herum fast jeder von unserer Schwangerschaft wusste. Aber das fanden wir nicht schlimm, da sich jeder aufrichtig mit uns freute.

Kein Herzschlag mehr zu sehen

Unseren ersten Arzttermin hatten wir in der 8. SSW. Mein Mann begleitete mich, auch wenn er sich in der Atmosphäre der Frauenarztpraxis sehr unwohl fühlte. Das Baby sah aus wie eine Erdnuss und man sah das Herz kräftig schlagen. Wir waren sofort hin und weg. Nie im Leben hätten wir damit gerechnet, dass wir in diesem Moment unser Baby das erste und einzige Mal lebend sehen. Denn nach 4 Wochen, in der 12. SSW sahen wir im Ultraschall ein totes Baby.
Der Anblick war so grausam und einprägsam, dass ich ihn bis heute noch genau vor mir habe. Das Baby war voll entwickelt und sah ganz normal aus, so als würde es schlafen. Doch leider teilte die Ärztin uns mit, dass sie keine Lebenszeichen feststellen kann. An den Rest der Untersuchung erinnere ich mich nur vage weil ich augenblicklich weinte wie ein kleines Kind. Mein Mann weinte mit mir. Wir konnten es nicht fassen.

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Schock: Ausschabung im Krankenhaus

Anschließend saßen wir auf dem Parkplatz im Auto und schwiegen. Wir weinten, benebelt vom Schock. Ich fuhr nicht zur Arbeit, stattdessen direkt nach Hause und weinte während er ganzen Fahrt. Fünf Tage später fand ich mich im Krankenhaus ein, um die Ausschabung durchführen zu lassen.
Überflüssig, zu erwähnen, wie es mir in diesen Tagen im Oktober 2015 und während der Ausschabung ging. Noch heute muss ich bei dem Gedanken daran weinen. Ich ließ mich weitere 3 Wochen krankschreiben und startete danach wieder in den Alltag. So als wäre nichts gewesen.
Gerne wäre ich sofort wieder schwanger geworden. Meine Ärztin riet mir jedoch davon ab, und schlug vor, erst einmal meine Impfungen aufzufrischen, da ich keinen Röteln-Titer hatte und auch restliche Impfungen wieder fällig seien. Ich stimmte dem zu, wollte ich doch beste Voraussetzungen für eine neue Schwangerschaft haben.

Weitere Fehlgeburten folgten

Schweren Herzens pausierten wir mit unserem Kinderwunsch 3 Monate lang und machten uns zu Jahresbeginn 2016 an einen neuen Versuch. Nach nur 2 Zyklen klappte es erneut (Ovus sei Dank!). Ich stand an jenem Morgen des positiven Tests in meiner Küche und weinte. Aus Freude und aus Angst. Abends erzählte ich meinem Mann davon aber entgegen meiner Erwartung war seine Reaktion sehr verhalten. Er hatte wohl mehr Angst als dass er sich darüber wirklich freuen kann. Leider endete diese Schwangerschaft wenige Tage später mit einer starken Blutung.

Im Monat darauf passierte das selbe noch einmal. Da verlor ich den Embryo zu Beginn der 7. SSW. Ich war nicht traurig. Ich war einfach nur wütend und sauer. Das Baby meiner Schwägerin war inzwischen auf der Welt und ich konnte es kaum ertragen. Es tat sehr weh, wenn ich sie oder das Baby sah. Auch als sie schwanger war, war es jedes Mal ein Stich ins Herz sie zu sehen. Glücklicherweise konnte ich sehr offen mit ihr darüber sprechen und sie war sehr verständnisvoll. Trotzdem fühlte ich mich vom Schicksal gedemütigt und verstand nicht, wieso der liebe Gott so unfair ist.

Schildrüsenunterfunktion als Grund für Fehlgeburten?

Ich ging wieder zu meiner Frauenärztin und erzählte Ihr, was passiert war und dass ich mir Gedanken mache, dass etwas nicht stimmen könnte. Glücklicherweise nahm sie dies ernst und ordnete einige Tests an. Dabei stellte sich eine Schilddrüsenunterfunktion, vermutlich bedingt durch die Ausschabung, heraus und ich bekam Medikamente dagegen. Das erklärte auch, warum ich nach der Ausschabung innerhalb kurzer Zeit 10 kg zugenommen habe.

Im Monat darauf, im April 2016, wenige Wochen vor dem ET unseres ersten Sternchens, heirateten mein Mann und ich. Ich musste oft daran denken, dass ich eigentlich mit dickem Babybauch heiraten wollte und unser Baby bald zur Welt kommen sollte. Stattdessen stand ich nun da in einem wunderschönen weißen Kleid, heiratete den Mann den ich liebe, trank Sekt und hatte kein Baby im Bauch.
Natürlich versuchte ich, mir von dem Gedanken nicht den Tag vermiesen zu lassen, doch so ganz gelang es mir nicht.

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Endlich: eine intakte Schwangerschaft

Mein einziger Wunsch war es, bald ein gesundes Baby bekommen zu dürfen. Heute sitze ich hier und schreibe diesen Text, der mir schon länger im Kopf herum schwirrt. Noch während ich mir die Tränen, die mir beim Schreiben kamen, aus den Augen wische, schaue ich ungläubig auf meinen 5-Monats-Bauch, in dem ich seit einigen Tagen immer eindeutiger Bewegungen wahrnehme und kann noch immer nicht fassen, dass nach dem Regen die Sonne aufging.
Genau 2 Monate nach unserer Hochzeit durfte ich erneut positiv testen. Ich war emotionslos, traute mich nicht, mich auch nur ein kleines bisschen darüber zu freuen, da ich mir sicher war, dass ich das Baby sowieso wieder verlieren werde und wir erzählten niemandem davon. Zudem wollten wir gerade in diesem Monat eigentlich nicht schwanger werden, da unser Schützenfest vor der Tür stand, bei dem ich endlich mal wieder richtig feiern wollte und ich zudem gerade meinen Job verloren hatte. Aber die Blutung blieb aus. In der 8. SSW stattete ich der Vertretungsärztin einen Besuch ab und war eigentlich sicher, dass da nichts Lebendiges in mir sein kann, da ich tags zuvor leichte Blutungen hatte. Doch das Herz schlug kräftig und auch bei der Untersuchung in der 12. SSW war alles Bestens.

Seit diesem Zeitpunkt erlaube ich mir, mich über de Schwangerschaft zu freuen, auch wenn ich immer noch sehr große Angst habe, dass das Schicksal uns einholt und mit dem Baby etwas nicht in Ordnung sein könnte.

Wir versuchen, so gut es geht nach vorn zu blicken und negative Gedanken nicht mehr zuzulassen. Trotz allem denke ich noch sehr oft an unser erstes Sternchen, welches mittlerweile 4 Monate alt wäre und hoffe, dass es oben im Sternenkinderhimmel viele Freunde zum Spielen hat. Ich habe ihm soviel Liebe mitgegeben, dass es für alle Zeiten reicht.

Liebe L., ich wünsche dir alles Liebe für die Schwangerschaft und Geburt. Vielen Dank für deinen Bericht und dass du diesen mit uns teilst.