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Nach unserer sehr aufreibenden Kitaplatz-Suche für unsere zwei jüngsten Kinder suchte ich vermehrt Gleichgesinnte und fragte: Wem geht es auch so?

Inga, Mitgründerin von Maternita, begleitet (werdende) Eltern durch den Dschungel der Vereinbarkeit als Schwangerschafts-Concierge und Baby Planner und antwortete im Interview bereitwillig auf meine Fragen zur Kita-Krise und wie Eltern damit umgehen können.

Ein paar Zeilen über dich – wie hast du Erfahrungen mit der Kita-Krise gesammelt?

Ich bin Inga, Zwillingsmama aus Berlin Pankow und unterstütze seit 1,5 Jahren Eltern bei der Suche nach einem Betreuungsplatz. Entstanden ist die Idee auf Nachfrage von unseren Kunden. Wir unterstützen werdende Eltern bereits in der Schwangerschaft bei organisatorischen Fragen und viele der Eltern kamen auf uns zurück, mit der Bitte sie bei der Suche nach einem Betreuungsplatz zu unterstützen.

Tatsächlich hat sich die Situation in den letzten Jahren immer mehr zugespitzt, denn vor 6 Jahren, als ich auf der Suche nach zwei Kitaplätzen war, hieß es noch: am Ende findet jede Familie einen Platz und in den allermeisten Fällen, war dies auch so. Auch zu diesem Zeitpunkt hatten Eltern nicht mehr viel Auswahl, die „Traumkita“ bekam man bereits damals nur durch Zufall, Glück oder Vitamin B.

Seitdem hat sich die Situation mehr und mehr zugespitzt und die Betreuungsplatzsuche ist zu einem deprimierenden Marathonlauf für Eltern, aber auch Erzieher und Leitungen geworden. Und denkt man über Eltern in besonderen Situationen nach, sei es Alleinerziehende, frisch Zugezogenen, Eltern von Kindern mit erhöhtem Förderbedarf, Mehrlingseltern, fremdsprachige Eltern, haben diese es doppelt schwer, auf jeden Fall nicht einfacher, eine Betreuung zu finden.

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Ohne Kita-Platz bleibt z. B. die Betreuung zu Hause, Homeoffice oder ein Coworking Space - Tipps von Inga von Maternita | Mehr Infos zur Kita-Krise auf Mamaskind.de
Ohne Kita-Platz bleibt z. B. die Betreuung zu Hause, Homeoffice oder ein Coworking Space – Tipps von Inga von Maternita

Welche Probleme gehen mit den fehlenden Kita-Plätzen einher?

Wo soll ich da anfangen? Zum Einen ist die Wahlfreiheit vollkommen verloren gegangen. Wie auch beim Hebammenmangel, hat der Mangel an Betreuungsplätzen dazu geführt, dass man fast froh sein muss, überhaupt einen Platz zu bekommen, von Wahlfreiheit kann man hier nicht sprechen. Und was wenn Kind und Eltern dann gar nicht glücklich mit der Betreuung sind? Dann beginnt der Marathon von vorne.

Auch ist ein Wettkampf unter Eltern um einen Kitaplatz entstanden. Kein Wunder, wenn bei einem Tag der offenen Tür, mehr als hundert Eltern besichtigen für wenige Plätze und bei allen die Not groß ist, zu einem bestimmten Zeitpunkt einen Betreuungsplatz zu finden. Da wird gerne auch mal Geld oder Zeit in die Hände genommen, um sich den Platz wenn möglich zu erkaufen, kann das gerecht sein?

Findet man keinen Betreuungsplatz für sein Kind, ist nicht selten immer öfter der Arbeitsplatz in Gefahr bzw. die Eltern oder ein Elternteil gezwungen länger als angedacht nicht zu arbeiten und stattdessen das Kind zu betreuen. War dies nicht im Vorhinein angedacht, steigert es sicherlich nicht die Zufriedenheit, ggf. verstärkt es sogar die Sorge, wie und wann ein Wiedereinstieg überhaupt gelingen kann, inwieweit man den Anschluss durch lange Abwesenheit im Beruf verliert.

Für viele auf den ersten Blick nicht relevant, aber eine längere Auszeit kann finanziell negative Auswirkungen auf den späteren Rentenanspruch haben. Zudem gibt es nicht nur einen Mangel an Plätzen, sondern auch an qualifizierten Erziehern. Immer weniger Erzieher betreuen, aufgrund des Mangels, mehr Kinder. Dies bedeutet, dass die Qualität der Betreuung von den bestehenden Erziehern, teilweise nicht mehr entsprechend ihres Anspruchs gewährleistet werden kann.

Eine individuelle, liebevolle Betreuung wird immer seltener möglich. Dazu kommen die ErzieherInnen an ihre Leistungsgrenzen, ein verantwortungsvoller Job, mit schlechten Rahmenbedingungen. Inwieweit sich dies auf die Betreuung auswirkt, kann man nur erahnen. In diesem Zusammenhang stellt sich aus meiner Sicht auch die Frage, wie es bei diesen Grundlagen mit den gleichwertigen Bildungschancen für alle Kinder aussieht?

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Ohne Kita-Platz drohen negative Folgen: kein Gehalt, weniger Rentenanspruch, ein gefährdeter Job | Mehr Infos zur Kita-Krise auf Mamaskind.de
Ohne Kita-Platz drohen negative Folgen: kein Gehalt, weniger Rentenanspruch, ein gefährdeter Job

Deine Tipps: Wie komme ich zur Wunsch-Kita?

Ich habe absolut keine Ahnung….denn bei über 2500 Kitas in Berlin, die alle ihre eigene Vorgehensweise haben, gibt es einfach kein „so geht es“. Wie mache ich den besten Eindruck bei den Kita-Gesprächen?

Ich habe zwei Freundinnen die Kitaleiterinnen und schwer schockiert darüber sind, dass teilweise Bewerbungsmappen mit Fotos und Vorlieben und Eigenschaften der Kinder gesendet werden, Eltern sich scheinbar der Leitung entsprechend verdrehen, nur um einen Platz zu bekommen.

Auch Geld oder tatkräftige Unterstützung anzubieten, ist keine Seltenheit mehr. Dies schreckt eher ab (Ausnahmen bestätigen wie immer leider die Regel), als dass es förderlich ist. So schwer die Situation sein mag, es hilft nicht sich zu verdrehen. Interesse bekunden ja, aber einen Platz durch welche Mittel auch immer erzwingen zu wollen, ist leider eher nicht hilfreich.

Arbeiten im Homeoffice: sehr hilfreich in unserer Familie | Mehr Infos auf Mamaskind.de
Arbeiten im Homeoffice: sehr hilfreich in unserer Familie

Hilft es, wenn man sich schon in der Frühschwangerschaft bewirbt?

Wichtig, finde ich auf jeden Fall, sich bereits in der Schwangerschaft Gedanken darüber zu machen, wie lange man mit dem Baby zu Hause bleiben möchte, wann der Wiedereinstieg geplant ist und ob dieser Zeitpunkt aus Platzangebotssicht geeignet ist.

Wenn mein Kind im Januar geboren wird und ich ein Jahr zu Hause bleiben möchte, dann sollte man sich bewusst sein, dass der Großteil der Einrichtungen im August/September die Gruppen zusammengestellt hat und daher die Wahrscheinlichkeit von freien Plätzen im Januar sehr gering ist.

Daher ist es sinnvoll sich von vorne herein zu überlegen ob und wie man in der Lage ist, die Elternzeit bis zum Sommer zu strecken. Sei es durch das Strecken von Elterngeld, durch zwei Teilzeitjobs, bei denen ein Elternteil arbeitet und der andere das Kind betreut, Verwandte, Freunde, ggf. eine private Kinderbetreuung.

Leider entscheidet jede Einrichtung für sich selbst ob sie bereits in der Schwangerschaft Anfragen annimmt, aber es kann nicht schaden innerhalb der Schwangerschaft Betreuungseinrichtungen im nahen Umfeld zu recherchieren oder Bekannte dazu zu befragen, diese zu besuchen, um einen Eindruck Vorort zu gewinnen, zu schauen ob man sich die Einrichtung für sein Kind überhaupt vorstellen kann.

Hier kann eine Liste mit dem Namen der Einrichtung, den Kontaktdaten, ggf. Terminen zu Tag der offenen Tür und wann ich das letze Mal in welcher Form Kontakt hatte, sehr helfen.

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Was macht man bei Kitas, die erst nach Geburt das Einschreiben erlauben?

Ich würde diese vorab besuchen, mir einen Eindruck verschaffen, wenn möglich die Anmeldeformulare mitgeben lassen und diese senden sobald, das Baby da ist. Ob es dann bereits zu spät ist, die Warteliste ggf. bereits aufgrund zu vieler Anmeldungen, geschlossen ist, kann leider niemand sagen.

Das Allerwichtigste aber ist, nicht davon auszugehen, dass man mit der Anmeldung für immer auf der Warteliste bleibt. Denn nicht wenige Einrichtungen löschen die Anmeldung nach individuellen Zeitpunkten. Daher ist wohl der wichtigste Rat: bei der Anmeldung erfragen, wie und in welcher Form die weitere Interessensbekundung erfolgen soll oder ob es diese nicht benötigt, wenn es dazu irgendetwas Schriftliches gibt, kann man sich darauf gut beziehen. Dann gibt es hoffentlich auch kein böses Erwachen.

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Was kann ich machen, wenn ich gar keinen Platz bekomme, aber die Elternzeit endet?

Über die vorausschauende Planung habe ich ja bereits geschrieben. Es ist immer gut, wenn man sich einen guten Zeitpuffer einbaut, vorab überlegt, was würden wir machen, wenn wir keinen Platz zum gewünschten Zeitpunkt finden.

Da die Elternzeit bei Angestellten für die ersten zwei Jahre im Erstantrag festgelegt werden muss, sollte man schauen ob man bereits vorab eine Teilzeit in Elternzeitregelung finden kann, bei der ggf. die Partner sich mit der Betreuung über einen gewissen Zeitraum abwechseln können und so mehr Puffer nach hinten haben.

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Arbeit und Kinder vereinbaren: so wichtig. Das sollte Standard sein!

Mittlerweile gibt es in Berlin immer mehr Coworking Spaces mit Kinderbetreuung. Vielleicht wäre dies eine Möglichkeit um mit dem Chef über die Möglichkeit des Homeoffice zu sprechen. Vielleicht kann er sogar einen Teil zur Kinderbetreuungskosten beisteuern, da dies für ihn abzugsfähige Betriebsausgaben sind.

Coworking-Spaces findet man z. B. in dieser Übersicht.

Seit Sommer diesen Jahres bietet Berlin nach Prüfung aller Möglichkeiten eine Kostenübernahme für eine privat gesuchte Kinderbetreuung an. Grundlage hierfür ist, dass zum einen ein Kitagutschein vorliegt, man selbst aktiv gesucht hat und auch das Jugendamt nicht in der Lage ist einen Platz zum angestrebten Zeitpunkt anzubieten.

Mehr dazu findet ihr auf der Seite von Kitakrise Berlin, die von engagierten Eltern gegründet wurde und sehr hilfreiche und vor allem aktuelle Informationen bereitstellt. Eine wundervoll neue Idee hatten auch die Frauen von Siteinander. Sie haben ein Tool entwickelt, wo Eltern aus der Nachbarschaft sich gegenseitig vernetzen und die Kinder gegenseitig betreuen. Als vorübergehende Alternative sicher eine tolle Option.

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Zeit für Kinder trotz Arbeit: Unser Traum

Verrückte Idee: Sollte man Kinder nur noch für einen Geburtstermin im August planen, damit sie besser ins neue Kita-Jahr passen?

Wenn, dass nur alles so planbar wäre ;) Nein, viel besser ist es, die Frage nach dem Wiedereinstieg bzw. dem Zeitpunkt ab dem man sein Kind betreuen lassen möchte, bereits in der Schwangerschaft zu durchdenken und nicht zu weit nach hinten zu schieben. Es kann einem auch wirklich viel Druck nehmen, wenn man sich zeitliche Puffer einbaut, also den Plan B, für den Fall der Fälle, in der Hand hat.

Kita-Krise: Wie finde ich einen Kita-Platz? Interview mit Inga von Maternita | Mehr Infos auf Mamaskind.de
Kita-Krise: Wie finde ich einen Kita-Platz? Interview mit Inga von Maternita

Fazit: Wer hat ähnliche Erfahrungen gemacht?

Liebe Inga, vielen Dank für die ausführliche Beantwortung meiner Fragen! Ich nehme mit: sich rechtzeitig bei den Kitas anmelden, sich regelmäßig dort melden und ein bisschen hoffen. Dazu die Überbrückung zum Kita-Platz planen und gegebenenfalls mit dem Arbeitgeber und Partner eine Zwischenlösung finden, damit der Job ohne Kita-Platz erledigt werden kann.

Bei mir meldeten sich bereits ein paar Eltern, die ebenfalls Schwierigkeiten hatten, einen Kita-Platz zu finden. Daraus möchte ich gerne einen Sammelbeitrag machen: Meldet euch bei mir gerne im Kommentar, per Mail oder Facebook Messenger!

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