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Zugegeben, wir haben noch ein paar Jahre Zeit mit der Entscheidung, ob unser erstes Kind auf das Gymnasium gehen soll. Im Social Network piekste ich unabsichtlich in ein Wespennest, als ich sagte, dass mir Zensuren und Leistungen in der Schule wichtig sind, und mein Sohn auf ein Gymnasium gehen soll. Ohne Druck geht das nicht. Es ist mir nicht egal, welchen Abschluss mein Kind macht!

Dann brach die kleine Gegenwelle über mich ein – ohne den Versuch, meine Ansicht verstehen zu wollen. Es wurde einfach nur verurteilt und das bei einem Thema, das wegweisend für die Entwicklung von Kindern ist.

Druck in der Schule – Gymnasium als Ziel

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Ein Klassenzimmer in einer Grundschule.

Ich verstehe es nicht: Warum urteilen andere (Mamas) über mich, weil ich einen anderen Weg gehe? Ich möchte meinen Kindern die Wahl ermöglichen: mit Abitur können sie sich für eine Ausbildung, ein Studium oder sogar ein duales Studium entscheiden. 

Deswegen ist mein Ziel, meine Kinder auf ein Gymnasium zu schicken, das ihren Interessen entspricht. Bei meinem Sohn könnte das ein mathematisch-naturwissenschaftlicher Fokus werden.

Natürlich ist der Druck auf dem Gymnasium ein anderer. Aber dieser ist auch schon in der Grundschule zu spüren. Es beginnt bereits in der dritten Klasse mit den Schulnoten, die auf einer Elternentscheidung basieren und die den Kindern einiges abverlangen. 

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Allerdings sind auch die Eltern gefragt: ohne Hilfe beim Lernen und Üben geht es nicht. Der Druck sitzt im Nacken. Wir wollen unsere Kinder nicht ausprobieren lassen, was passiert, wenn man nicht lernt. Lernen gehört dazu. 

“Du lernst nicht für uns, du lernst für dein Leben” – Mama

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Erstes Schreiben in der Schule. Geht gut!

Und damit hat meine Mama recht. Wir hatten viele dieser Diskussionen. Doch bei mir führten sie dazu, dass ich weitermachte. Dass ich schließlich ein okayes Abi machte, eine Ausbildung begann, es testete, diese schmiss (das kann man auch ohne Druck der Eltern ;)) und schließlich ein Studium als Jahrgangsbeste absolvierte – mit Baby.

Erwarte ich das von meinen Kindern? Nein. Aber ich möchte ihnen zumindest die Chance geben, wählen zu können. Eine Chance für die bestmögliche Bildung, sofern sie die Fähigkeiten dazu haben. Ich denke, wir können stolz sein auf die Möglichkeiten, die sich uns für die Kinder bieten. Warum diese nicht wahrnehmen?

“Mir hat das auch nicht geschadet”

Und dann kam der Spruch in diesem Social Network, der mir ein bisschen den Boden unter den Füßen wegzog: Eine Mama meinte, hhr hätte es auch nicht geschadet, dass sie keinen Gymnasialabschluss habe. Im Gegenteil ist sie beruflich ziemlich erfolgreich. 

Dann überlegte ich, was eigentlich auf der kurzzeiligen Kommunikation schief lief. Es fühlten sich einige angegriffen.

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Gymnasium: ein Türenöffner!

Natürlich braucht man keinen Abschluss vom Gymnasium, um beruflich erfolgreich zu sein. Und wer definiert Erfolg überhaupt? Doch ich behaupte, dass dieser Abschluss Türen öffnen kann.

Türen in eine berufliche Richtung, die den eigenen Interessen entspricht. Genau das konnte ich tun – mich selbst verwirklichen! Ich schmiss meine Ausbildung in einem großen Konzern (dort wurden nur Abiturienten eingestellt!) und ging studieren. Ich gründete ein Unternehmen mit Freunden, lernte viel Praktisches und startete nebenbei meine SEO-Karriere.

Und erneut betone ich das: nicht immer braucht man diesen Abschluss, aber er hilft ungemein. Warum soll ich meinen Kindern nicht ein wenig unter die Arme greifen, sie zum Lernen ermutigen und dieses verflixte Einmaleins lernen, damit sie die Grundvoraussetzungen für die Schule haben?

Können Kinder die Entscheidung treffen?

Nein. Wie soll ein Kind in der sechsten Klasse – mancherorts früher – entscheiden, welcher Werdegang der richtige ist? Ich fand die Wahl der zweiten Fremdsprache schon schwierig – wer weiß, welche ich mal brauchen könnte?

Für meine Eltern war das gar keine Frage: Ab auf’s Gymnasium und da helfen natürlich auch die Einschätzungen der Lehrer. Um das klarzustellen: bei einem kritischen Durchschnitt würde ich natürlich das Gespräch suchen und ergründen, ob das Gymnasium Sinn macht.

Bis dahin vergehen allerdings noch ein paar Jahre. Der Schuldruck ist hausgemacht und bisher gibt es noch das Schulnotensystem, das mich tatsächlich schon in der der dritten Klasse Nerven kostet.

Antworten auf meinen Beitrag

Wie schön, endlich ein Thema gefunden, das so herrlich polarisiert! Doch warum eigentlich, ist es nicht eine sehr persönliche Entscheidung, die jede Familie für sich treffen muss?

Es wurden Klischees ausgepackt, dass Kinder, die man zwingt, drei verschiedene Studien anfangen und nichts zu Ende bringen. Mit 30 machen die dann doch eine Ausbildung, für die Realschule gereicht hätte.

 Ach so! Und was hat das damit zu tun, dass mein Sohn Abitur machen soll? Die Türen stehen ihm offen. Keiner wird zum Studium gezwungen. Das oder eine Ausbildung müssen den Interessen entsprechen.

Dann wurde mir unterstellt, ich reduziere Menschen auf ihren Abschluss, ich solle meine Haltung überdenken und das ein besserer Abschluss ja nicht heißt, man habe auch eine bessere Sozialkompetenz, wie mein Beitrag zeigen würde. Überhaupt wolle sie mal wissen, wo ich denn arbeiten würde, weil das ist ja richtig nervig!

Uhhh, das trifft mich hart. Und wieder überlege ich, wie es zu dieser Annahme kommt. Leute interpretieren in Aussagen einfach etwas hinein, was nicht da ist. Tatsächlich habe ich einige sehr erfolgreiche Leute ohne Abitur in meinem Freundes- und Bekanntenkreis. Anders gesagt: alle meine Bekannten ohne Abitur haben beruflichen Erfolg.

In meiner Familie bin ich die erste mit Abitur. Heißt das, ich empfinde mich als bessere Person? Nein, zur Hölle, das habe ich nie gesagt. Meine Aussage war und bleibt: Abitur kann Türen öffnen. Allerdings ist auch das kein Garant, es ist ein Schlüssel, den man noch benutzen muss.

Andere weiterführende Schulen

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In Berlin-Charlottenburg: die Verkehrsschule ;)

Ich bleibe dabei: sofern es die schulische Entwicklung erlaubt, schauen wir uns die Infoveranstaltungen auf den weiterführenden Schulen an.

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Denn mit anderen Schulformen haben wir uns noch nicht beschäftigt: integrierte Sekundarschulen (welche die Haupt- Real- und Gesamtschulen ablösten), bei denen man ebenfalls Abitur machen kann. Als “Schnelllerner” werden wir unseren Sohn jedoch nicht ab der 5. Klasse auf ein Gymnasium schicken – auch hier warten wir ab, wie er sich entwickelt.

Dann gibt es noch die Gemeinschaftsschulen, bei denen ab der 1. Klasse zusammen gelernt wird – bis zum Abschluss. Der Zug ist bereits abgefahren. Also bleiben nur die integrierten Sekundarschulen und Gymnasien.

Bei all diesen kritischen Themen wünsche ich mir mehr Offenheit, mehr Nachfragen, wenn etwas nicht verstanden wurde und keine Verurteilungen.

Einen Menschen macht das aus, wie er handelt und ist, nicht was er irgendwann mal (beruflich) erreicht hat. Doch wenn man Menschlichkeit und berufliche Chancen miteinander verbinden kann, ist das doch super!

Ich gebe meinem Sohn den Schlüssel in die Hand. Welche Tür er nimmt, kann er später entscheiden. Bis dahin begleite ich ihn.

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Gymnasium: Warum meine Kinder Abitur machen sollen
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