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Gestern passierte es: unser Baby hatte einen kleinen Unfall mit blutigen Folgen. Fröhlich hüpfend stand er am Bett, bis er mit seinem Mund auf die Bettkante krachte. Baby 2.0 schrie und blutete.

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Das Baby wird getröstet, der Mund gekühlt

Plötzlich hellwach schnappten wir den jüngsten Sohn und einen kalten Lappen, um die Blutung zu stillen. Das ging auch recht zügig. Die gute Laune war zurückgekehrt und der kleine Mann krabbelte wieder vergnügt durch die Wohnung. Erst ein paar Stunden später fiel uns auf, dass etwas anders war.

Das Lippenband ist gerissen!

Das Bändchen zwischen den oberen Schneidezähnen ist eingerissen. Ein ungewohnter Anblick. Der Riss blutete nicht mehr, unsicher war ich trotzdem: Muss das eingerissene Lippenbändchen genäht werden? Der Kinderarzt hat Urlaub, der Vertretungsarzt pünktlich Feierabend. Blieb nur noch das Krankenhaus. Da ich nicht gleich in die Notaufnahme fahren wollte, rief ich den kinderärztlichen Bereitschaftsdienst an. Die Dame am Telefon sagte: unbedingt ins Krankenhaus fahren. Und dann begann die Odyssee. Das Krankenhaus, in dem ich Baby 2.0 entbunden habe, hat keine Kinderstation, entfiel also, obwohl es nur 3 min entfernt ist.

Eine Dame in einem weiteren Krankenhaus leitete mich telefonisch an die HNO-Station weiter, in der ich meine Frage stellen wollte. Als endlich die Warteschleifenmusik abklang und ein Mensch am anderen Ende erschien, brüllte selbiger “JETZT NICHT” in den Hörer und legte auf. Geht’s noch? Als ich die HNO-Station direkt wählte, war besetzt. Wie kann man so mit Menschen umgehen, ob telefonisch oder persönlich? Somit fiel auch dieses Krankenhaus raus.

Ein Anruf im wiederum anderen Krankenhaus half mir bei der Wahl des nächstes Telefonats. Mir wurden zwei Kliniken genannt, an die ich mich wenden konnte. Ein Anruf dort brachte endlich Gewisstheit: wir können mit dem Baby und dem kaputten Lippenbändchen sofort vorbeikommen.

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Zwei Krankenhaus-Besuche an einem Tag

Somit schickte ich den Mann und das Baby nach Westend. Es konnte auch niemand ahnen, dass die Reise länger dauern sollte, als geplant. Ich wollte währenddessen mit dem großen Sohn zuhause warten. Würde ich in Berlin selbst Autofahren, wäre ich womöglich selbst gefahren. Mein aufgelöster Ehemann rief mich an, dass er dort falsch wäre, weil es keine Notfall-Kinderchirurgie im Haus gibt. Ohne, dass jemand das Baby angeschaut hat, verließ er den Ort und machte sich auf zur nächsten Klinik. Hätte uns das nicht auch das Krankenhauspersonal vorher mitteilen können oder sogar der kinderärztliche Bereitschaftsdienst?

Mein Mann stand im Stau, im Hintergrund hörte ich mein kleines Baby schreien und ich schob zuhause Panik. Ich schnappte also den großen Sohn, ließ ihn Bücher und Spielzeug packen und legte selbst Kuchen, Hirsekringel und Wasser in die Tasche. Toll zu sehen, wie schnell mein Sohn sich anzog und sich mit mir und den U-Bahnen auf den Weg machte. Dank Internet wusste ich genau, in welches Gebäude und Station ich muss. Im Gegensatz zum Mann. Er gab eine falsche Adresse ins Navi ein und war, als er es feststellte, am südlichen Ende der Stadt. In der entgegengesetzten Richtung. Ein erneuter Anruf meines nun sehr genervten Mannes mit Babygeschrei im Hintergrund ließ mich nun auch wuschig werden. Ich gab ihm die Adresse erneut durch und wartete weitere 30 min, in denen ich mit dem großen Sohn auf den Krankenhausspielplatz ging und Kuchen futterte (und ihn bat, drinnen auf gar keinen Fall Spielzeug anzufassen).

Das gerissene Lippenband ist gut, sagt der Chirurg

Als der erschöpfte Mann von seiner 3-stündigen Tour durch halb Berlin und zu nunmehr zwei Krankenhäusern endlich ankam, spurteten wir gleich zur Notaufnahme und waren nach 10 minütiger Wartezeit schon bei der Ärztin. Sie untersuchte Baby 2.0 ausgiebig, prüfte den Kopf, die Augen und den Allgemeinzustand des Sohnes. Erst zum Schluss schaute sie in den Mund und gab sofort Entwarnung. Auch der dazu geholte Chirurg ließ uns aufatmen. Das eingerissene Lippenband sei sogar gut, meinte er. Es müsse dann nicht durchtrennt werden, weil die Zähne sonst auseinander driften. Also: Ende gut alles gut. Mit viel zu viel Berlin, Verkehr und Stress. Das Baby schrie übrigens nur, als ich anrief. Vermutlich, weil der Anrufton zu laut war. Das nächste Mal fahre ich gleich mit. Oder selbst.

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