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Es ist Sonntag und die bucklige Verwandtschaft hat sich mal wieder angesagt. Da das Ereignis leider nicht mehr verhindert werden kann, muss ein Kuchen gebacken werden. Der Vater – unbestrittener Autokrat (wenn Frau, Kinder und Katze aus dem Haus sind), Ernährer der Familie und vollendeter Gentleman – bietet sich freiwillig an: “Hasi, lass mich den Kuchen backen!” Die Mutter stimmt sofort zu, verdächtig schnell sogar, was dem Vater aber nicht auffällt, denn jetzt ist sein schöpferisches Genie geweckt.

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Papa backt Kuchen – Kind will mithelfen

Er wird einen Kuchen backen, nein kreieren, nein erschaffen! Ein Wunderwerk kulinarischer Handwerkskunst, eine Ode an den Geschmack, eine… “Schatz, lass doch das Kind mitbacken, das macht bestimmt Spaß!”, unterbricht die Mutter den Gedankengang des Vaters, der sich inzwischen schon von den Freudentränen der Schwiegermutter benetzt wähnt. Der Vater willigt natürlich ein: “Soll das Kind etwas lernen, wenn es dem Meister zuschaut!”

Schnell stellt sich jedoch heraus, dass es mit Zuschauen allein nicht getan ist. Das Kind will mitmachen. Nun denn, auch solche Schwierigkeiten werden einen erfahrenen Vater nicht aus der Ruhe bringen. Schnell werden die Hände gewaschen und das Kind wird halsabwärts wasserdicht verpackt. Dann muss es aufs Klo, weshalb der gesamte Reinigungs- und Einpackvorgang noch zweimal in jeweils unterschiedlicher Richtung durchgeführt wird. Endlich ist alles vorbereitet und das Backen kann beginnen. Der Vater nimmt eine Schüssel aus dem Schrank. “Nicht die”, fordert das Kind, “die andere will ich!” – “Warum? Die Schüsseln sind von identischer Form, werden am Backergebnis mithin nichts ändern?”, sagt der Vater mit geschliffener Rhetorik. “Aber auf der anderen sind Blümchen. Ich mag Blümchen. Ich will die Blümchenschüssel!” Der Vater seufzt und nimmt die Blümchenschüssel. Spätestens hier hätte dem Vater klar sein müssen, welche Odyssee vor ihm liegt, jedoch ist er zu fokussiert auf die Fertigstellung seines Werkes.

Ein Seufzer und viel verschüttetes Mehl

Zunächst muss die Schüssel mit Mehl befüllt werden. Das Rezept verlangt nach “4 Tassen Mehl”. Welcher Art und Größe die zu verwendende Tasse sein soll, verrät das Rezept nicht. Davon lässt sich der Vater jedoch nicht abschrecken. Er nimmt die Lieblingsteetasse der Frau, die passt schon. Er bedeutet dem Kinde, das Mehl in die Tasse zu schütten. Das Kind tut, wie ihm geheißen. Der Vater seufzt, holt einen Löffel und beginnt, die Tasse freizulegen, die unter einem Kilo Mehl verschüttet ist. Das Kind hat Spaß und hilft fleißig mit. Nachdem das meiste Mehl wieder in der Tüte ist (zweimal ist der volle Löffel aus Versehen im Mund des Kindes verschwunden), übernimmt der Vater das Befüllen der Tasse und das Kind darf die Tasse dann in die Schüssel geben. Zum Erstaunen des Vater klappt alles reibungslos. Dann niest das Kind. Da es sich gerade den Mehlhaufen in der Schüssel angeschaut hat, wirbelt dieser jetzt durch die Küche und bedeckt alles mit einer feinen Mehlschicht. Der Vater, dem der weitere Verlauf des Backprozesses nun klar ist,  denkt darüber nach, seinem Schicksal mit Hilfe eines Streichholzes und darauffolgender Mehlstaubexplosion ein Ende zu machen. Er entscheidet sich aber dagegen. Es würde ja doch nur Ärger geben. Stattdessen gibt er mehr Zucker in den Kuchen, um den Geschmack von Kinderniesen zu überdecken.

Nun müssen Eier in den Kuchen. Drei Stück braucht es, fünf sind noch im Kühlschrank. Der Vater schlägt die ersten beiden Eier routiniert auf und zeigt dem Kinde dabei pädagogisch vollendet, wie dies zu bewerkstelligen ist. Das letzte Ei darf das Kind dann selber aufschlagen. Leider verfehlt es die zum Aufschlagen verwendete Tasse komplett und klatscht das Ei auf den Küchenboden. Der Vater seufzt und holt einen Lappen. Das Kind erkennt in dem vor ihm am Boden umherkriechenden Vater die Chance für ein physiologisches Experiment. Es geht dabei um die Frage, was härter ist, das Ei oder Vaters Kopf. Das dem Vater in den Nacken laufende Eigelb gibt die Antwort. Der Vater geht duschen. So sieht man die Tränen nicht so sehr.

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Backen mit Kindern ist wie ein Action-Film

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Wer viel backen will hat am besten Helfer. Erwachsene. ;-)

Wir erinnern uns, es sind erst zwei von drei Eiern im Kuchen, eines fehlt noch und dies ist das Letzte. Der Vater schlägt es auf und fühlt sich dabei ein wenig wie Bruce Willis beim Showdown in “Das 5. Element”. Es gelingt, die Zutaten können verrührt werden. Das macht der Vater selbst, wodurch nach kürzester Zeit ein Teig mit perfekter Anmutung hergestellt ist.

Zum Schluss muss noch das Blech eingefettet werden. Der Vater wickelt eine Packung Butter aus – und geht das Silberpapier holen. Als er wiederkommt hat das Kind in vorauseilendem Gehorsam bereits das Blech eingefettet. Und seinen Mund. Und die Haare. Der Vater seufzt und schält die Hand des Kindes aus dem Butterblock. Immerhin – so gut eingefettet war das Blech noch nie. Der Teig wird auf dem Blech verteilt, eine Kokos-Zuckermischung drüber verteilt und ab damit in den sorgfältig temperierten Ofen. Vorher zeigt der Vater dem Kinde den Kuchen. Dieses niest darauf. Der Vater streuselt noch ein wenig Zucker über den Kuchen und fragt sich, warum das Kind das getan hat. Vielleicht will es so sein Revier markieren?

Nach 20 Minuten muss der Backofen geöffnet, der Kuchen mit einer Gabel durchlöchert und mit Sahne übergossen werden. Der Vater – Familienheld, Spinnen-nach-draußen-bringer und Akkuschrauber-Virtuose – übernimmt die potentiell tödliche Arbeit am heißen Herd natürlich selbst. Das Kind steht in respektvoller Entfernung und schaut zu. Da es aber so nicht viel sehen kann, kommt es näher und stützt sich auf Vaters Rücken ab. Der verliert dadurch das Gleichgewicht und muss sich nun seinerseits abstützen. Das Einzige, was er zu greifen bekommt, ist das Kuchenblech. Das sauheiße Kuchenblech. Für einen Moment verliert der Vater seine felsengleiche Ruhe und sagt ein Wort.

Peinlich: Schimpfwörter zur falschen Zeit

Es ist eines der größten Rätsel der Menschheit, wie Kinder entscheiden, welches Wort sie wann lernen. Während “Bitte” und “Danke” unendlicher Übung bedürfen, sitzt “Mistdrecksverdammtekacke” sofort. Stolz wird der neu erworbene Wortschatz sofort bei jeder Gelegenheit und gegenüber den verschiedensten Personen vorgeführt. Der Vater behilft sich dann mit Verleumdung: “Das hat er aus dem Kindergarten. Der Justin-Kevin hat das wohl neulich gesagt!”

Über die Wundversorgung des Vaters ist es Nachmittag geworden, die Kaffeetafel ist gedeckt und die Gäste sind erschienen. Die Mutter weist stolz auf die Beteiligung des Kindes beim Kuchenbacken hin. Das Kind wird überschwenglich gelobt. Der Vater nicht. Nun, das ist wohl das Los eines jeden Genies. Wenigstens gibts leckeren Kuchen – ach nein, mit den verbundenen Händen wird das schwierig. Das Kind liest die Gedanken des Vaters: “Mistdrecksverdammtekacke”, kräht es laut in die Runde. Die Verleumdungstaktik wirkt leider nicht und es hagelt böse Blicke für den Vater. Um die Situation zu entschärfen reicht die Mutter den Kuchen herum. Als der Teller beim Kind vorbeikommt, niest es. Der Vater lächelt.

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ENDE

So, und wem jetzt das Wasser im Mund zusammenläuft, hier das Rezept:

Martins Kokoskuchen

Ofen: 180 °C – Backzeit: insgesamt 40 min

3 Eier, 2 Packen Vanillezucker, 2 Tassen Zucker, 4 Tassen Mehl, 2 Packen Backpulver und 2 Tassen Buttermilch zu einem Teig verrühren und auf ein eingefettetes Backblech geben. 2 Tassen Zucker mit 2 Tassen Kokosraspel vermischen und drüberstreuen. Dann 20 Minuten bei 180° backen. Kuchen herausnehmen, gründlich mit einer Gabel durchlöchern und 2 Becher Schlagsahne drüber geben. Dann nochmal 20 Minuten backen, ggf. mit Alufolie abdecken. Lecker! Ach ja, die Verwendung einer 250 ml-Tasse ergibt ein Blech.

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