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Nie im Leben hätte ich gedacht, dass ich eins meiner drei Kinder so lange stillen würde. Über zwei Jahre, sogar 2,5 Jahre, stille ich meine Tochter nun. Es ist kein Ende in Sicht, auch wenn ich manchmal hoffe, sie würde sich allein abstillen. Der Zug ist abgefahren. Langzeitstillen wird leider nicht immer positiv bewertet. Fehlende Aufklärung und die Milchindustrie tun ihr Übriges.

Langzeitstillen: 2,5 Jahre und es geht noch weiter

Immer wenn ich mit meiner Oma (Jahrgang 1934) übers Stillen rede, erzählt sie mir von einer meiner entfernten Cousinen, die noch als Schulkind gestillt wurde. Jedes Mal mit diesem schrecklichen Unterton. Diese Stilldauer kann ich mir für uns persönlich nicht vorstellen, doch wünschte ich, würden unbeteiligte Personen sich mit ihren Vorstellungen rund um die Kindererziehung zurückhalten. Gerne tausche ich Erfahrungsberichte aus, doch dann bitte ohne Wertung!

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Kleinkind mit 21 Monaten stillen: mögen wir beide noch.

Doch wenn es um die Erziehung und Ernährung von Kindern geht, scheint die ganze Welt mitreden zu wollen. Sucht man nach Artikeln zum Langzeitstillen, findet man nicht nur Erfahrungsberichte, sondern auch kritische Stimmen. Dabei ist die WHO – die Weltgesundheitsorganisation ganz klar für das Stillen:

Die WHO empfiehlt, innerhalb der ersten Stunde nach der Geburt mit dem Stillen zu beginnen und dann sechs Monate ausschließlich zu stillen, ab sechs Monaten zuzufüttern und das Stillen bis zur Vollendung des zweiten Lebensjahrs oder darüber hinaus fortzusetzen.

WHO

Die Milchindustrie und das Stillen

Ich glaube, man kann es nicht mehr Verschwörungstheorie nennen, denn es ist tatsächlich so. Gehe ich zum Kinderarzt, wird da nicht immer mit Wissen zum Stillen gepunktet. Vielmehr bekomme ich teils kritische Blicke, wenn ich erzähle, dass ich meine 2-jährige Tochter stille. Im selben Wartezimmer liegen dann stapelweise Probepackungen von Industriemilchkonzernen. Hübsch anzusehen sind sie ja und tatsächlich bekam ich bei meinem ersten Kind eine solche Packung direkt in die Hand gedrückt – obwohl ich voll stillte. Ob die ÄrztInnen pro verschenktem Paket Bonuszahlungen bekommen?

Ich stille mein Kind noch mit 24 Monaten. Wir lieben es beide. | Mehr Infos zur Kinder-Entwicklung mit 24 Monaten auf Mamaskind.de
Ich stille mein Kind noch mit 24 Monaten. Wir lieben es beide.

An Hebammen kommt man selbst in Deutschland schwer ran, kein Wunder also, dass nur noch 25 % der Säuglinge in Europa in den ersten sechs Monaten ausschließlich gestillt wurden (2006 – 2012, Quelle: WHO).

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Nein, ich verfluche die Möglichkeit nicht, die viele Mamas in Anspruch nehmen: wieder arbeiten gehen, ausgehen, Alkohol trinken, bei Erkrankungen, wieder sie selbst sein oder auch für Papas und andere Familienkonstellationen (usw.). Einige entscheiden sich auch gegen das Stillen, was ich vollkommen legitim finde, wenn es auf einer soliden Informationsgrundlage basiert.

Das Fläschchen ist das Normale im Alltag

Allerdings finde ich die Aufklärung noch immer sehr dürftig. Wer das Glück hat, eine Hebamme zu haben, darf sich zwar zu Beginn noch über eine fachkundige Begleitung bei allen Fragen rund ums Baby & Stillen freuen, doch viel zu schnell ist die wertvolle Hilfe vorbei. Der Hebammenmangel ist allgegenwärtig, ich hatte sogar eine Geburt ohne Hebamme. Und auch danach war im Krankenhaus keine anwesend. Bis zur Entlassung sah ich keine, selbst keinen Wickeltisch & Co. Doch das ist eine andere Story im mangelhaften Gesundheitssystem.

Kinderärzte, die man zu den häufigen U-Untersuchungen aufsucht, sind nicht immer pro-stillen, einige sind verhalten, andere sogar ablehnend. Wir haben in den letzten Jahren einige Kinderärzte aufgesucht und so einige Erfahrungen gemacht.

Was auch auffällt: in der Werbung, bei Spielzeug (Playmobil, Puppen, Serien) usw. sind Fläschchen das Normale. Klar, das verkauft sich gut und schon ich spielte als Kind mit einer Puppe, die das Fläschchen bekam. Mir fehlt an dieser Stelle die Aufklärung für kleine Kinder. Fläschchen sind für mich eben nicht das Natürliche, sondern wie Schnuller eine gute Hilfe für einige Eltern.

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Playmobil-Puppenhaus: Baby-Fläschchen inklusive

Stillen sollte als normal angesehen werden

Es gibt immer mal wieder Kampagnen, die das Stillen von Kindern bewerben. Traurig, dass es dafür überhaupt Werbung geben muss. Inzwischen steht es sogar im Gesetz, im Mutterschutzgesetz, dass stillende Frauen am Arbeitsplatz für eine Pause freigestellt werden können:

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Der Arbeitgeber hat eine stillende Frau auf ihr Verlangen während der ersten zwölf Monate nach der Entbindung für die zum Stillen erforderliche Zeit freizustellen, mindestens aber zweimal täglich für eine halbe Stunde oder einmal täglich für eine Stunde. 

§ 7 (2) MuSchG

Das Problem auch hier: nicht alle Frauen werden davon wissen, Arbeitgeber das nicht unbedingt froh verkünden. Dabei zählt das Mutterschutzgesetz zu den aushangpflichtigen Gesetzen im Betrieb. Dazu wird es auch nicht wenige Frauen geben, die sich nicht trauen, das anzusprechen oder Angst haben, dadurch Nachteile zu bekommen.

Langzeitstillen mit 2 Jahren: Warum uns die Umgebung schräg ansieht, die Milchindustrie und fehlende Aufklärung. - Mehr Infos auf Mamaskind.de
Langzeitstillen mit 2 Jahren: Warum uns die Umgebung schräg ansieht, die Milchindustrie und fehlende Aufklärung.

Stillen sollte als normal angesehen werden, doch das Wissen um die Vorteile des Stillens (hier verlinke ich euch meine liebste Hebamme und Stillexpertin!) verschwindet immer mehr. Hebammenmangel, fehlende Aufklärung, wachsende Werbung für Milchersatz, all das sind Faktoren, welche die wunderbare Muttermilch mehr und schneller verdrängen. Dabei ist Muttermilch (i. d. R.) immer verfügbar, perfekt temperiert und hygienisch. Ich brauchte nur dutzende Stilleinlagen* Stilleinlagen kaufen*, die ich bald aus Stoff anschaffte: einfach mitwaschen, Müll reduzieren!

Langzeitstillen mit 2 Jahren langsam beenden

Mit 2,5 Jahren gehört meine Tochter zu den wenigen, die noch im Bekanntenkreis gestillt werden. Hier ist die Akzeptanz aber super hoch. Dennoch merke ich langsam, dass ich es tagsüber nicht mehr so häufig möchte. Ich biete Wasser als Alternative, was nicht immer angenommen wird. Meinen Sohn stillte ich mit 22 Monaten nachts ab und mit 22 Monaten komplett, die Kraft war nicht mehr da, zu oft wollte er stillen. Diese Entscheidung finde ich noch heute gut: wenn es für einen nicht mehr passt, muss man das ändern.

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Sanftes Abstillen mit 22 Monaten

Meine Tochter hängt noch sehr an ihrer „Mamamilch“ und sieht Kuhmilch, fremde Milch, nicht als Ersatz an. Wie unsere Stillbeziehung weitergeht, weiß ich noch nicht. Vielleicht sagt sie eines Tages: „Nicht mehr stillen, Mama!“ oder es schleicht sich ganz langsam von selbst aus?

Das natürliche Abstillalter liegt laut WHO zwischen 2 und 7 Jahren – meine Cousine war also im natürlichen Rhythmus. Stillen oder nicht stillen: das sollte eine persönliche Entscheidung bleiben. Doch die Aufklärung muss verbessert werden. Wer sich informiert und kümmert, bekommt diese Infos leicht. Doch nicht jeder hat die Möglichkeit, sich in diesem Maße mit dem Thema zu beschäftigen. Und nun? Bleibt nur, sich umfangreich selbst zu informieren und das ein oder andere Verbot von künstlicher Säuglingsmilch an öffentlichen und gesundheitsorientierten Orten wäre auch toll.