Noch vor ein paar Tagen wünschte ich mir, dass die Geburt endlich startet, obwohl ich erst Anfang der 39. Woche war. Ich hatte täglich regelmäßige, schmerzlose Wehen. Ich wünschte mir, dass meine Kinder betreut sind und ich nicht wieder mit einem Fehlalarm ins Krankenhaus muss. Diese Wünsche wurden alle erfüllt. Dass ich – wie in meinem Gedankenexperiment – während der Endphase der Geburt ohne Hebamme bin, hätte ich nicht gedacht. So einige Sachen liefen ab diesem Zeitpunkt nicht schön, obwohl die Geburt glücklicherweise ohne körperliche Verletzungen überstanden wurde. Die Gefühlsbewältigung erfolgt in meinem Geburtsbericht unseres dritten Kindes.

Blasensprung im Bett – die Geburt startet

Bei dritten Geburten weiß man nie, wie sie werden, hörte ich von vielen Seiten. Wie bei der ersten Geburt startete diese unmissverständlich mit einem Blasensprung. Ich erwachte um 9 Uhr neben den Söhnen, die an dem Tag Ferien hatten. Ich merkte das leichte Tröpfeln. Zudem hatte ich leichte, dauerhafte Rückenschmerzen. Welch ein Zufall, dass mein Mann an diesem Tag Homeoffice machte. Noch am Abend zuvor merkte ich bis auf die schmerzlosen Wehen keine Anzeichen für eine baldige Geburt. Es war alles wie bisher auch. Doch dann war ich sicher: an diesem Tag wird unsere Tochter geboren.

Wie auch beim ersten Sohn hatte ich keine Wehen nach Blasensprung. Selbst die schmerzlosen Wehen sind verschwunden. Wir riefen meine Mama an, die sich um unsere Söhne kümmern sollte. Zum Glück packte sie auch Sachen für eine Übernachtung ein!

Warten auf die Wehen

Die Wehen kamen nicht, nur die leichten Rückenschmerzen waren noch da. Um 10 Uhr tanze ich gut gelaunt in der Küche und esse Kuchen, trinke Kaffee und bereite das Mittag für die Kinder vor. Die Söhne sind aufgeregt, weil Oma sie besuchen kommt. Sitzen mag ich nicht mehr, in bin ein wenig unruhig und denke daran, dass Bewegung und eine aufrechte Haltung vermutlich für den Geburtsbeginn am besten sind. Um 10.30 Uhr endlich eine Wehe: jedoch erneut schmerzlos, mit ein wenig Druck nach unten.

Nach Blasensprung soll ich nach 3 – 4 h Stunden im Kreißsaal sein, sagte mir auch meine Vertretungshebamme, die ich glücklicherweise schnell erreiche. Um 12.30 Uhr machen wir uns auf den Weg dorthin. Ich denke beim Losgehen: eine Hausgeburt im Beisein von Kindern wäre für mich unvorstellbar. Diese wuseligen Geschöpfe würden mich nicht entspannen lassen. Gut gelaunt geht’s zum Krankenhaus.

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Warten auf Wehen nach Blasensprung im Krankenhaus

Krankenhaus-Aufnahme: CTG und spazieren gehen

Ich wusste, was folgen würde: ein CTG. Auch wurde ein Fruchtwasser-Test gemacht, der positiv ausfiel. Der Befund war erwartungsgemäß mau: der Muttermund lag weit hinten, die Hebamme tastete sehr unangenehm ab. An diesem Tag durfte ich nicht mehr nach Hause, da eine ambulante Versorgung nicht vorgesehen ist. Es hätte mir gut getan, hätte ich zuhause auf die Wehen warten können. Krankenhaustreppen sind immer noch etwas anderes – unentspannend. Auf dem CTG bin ich bis 14 Uhr angeschlossen. Die schmerzlosen Wehen kommen alle 10 Minuten. Uns wird gesagt, dass ein Zimmer vorbereitet wird und ich beharre auf meinem Plan, ambulant zu entbinden und dieses nicht zu brauchen. Ich wollte absolut nicht über Nacht bleiben und sagte der Hebamme, dass mein Kind bis 20 Uhr da wäre. Beschlossene Sache.

Im Anschluss beschließen wir, zwei Stunden spazieren zu gehen. Wir nehmen uns vor, alle Treppenhäuser zu entdecken, gehen bei strahlendem Sonnenschein in den kleinen Krankenhauspark, in die Cafeteria, die nur bis 16 Uhr geöffnet hat und flüchten nach drinnen, wenn es wieder regnet, hagelt oder schneit. Bestes Entbindungswetter. Zudem gehen wir an unserem Auto vorbei, wo mein Mann endlich die Isofix-Halterung für die Babyschale einbaut. Immerhin wollten wir an diesem Tag gemeinsam mit unserer Tochter nach Hause fahren!

Ich freue mich über die sehr kurzen, jedoch schon spürbaren Wehen alle 4 – 6 Minuten. Diese kann ich gut aushalten und müssen auch noch nicht veratmet werden.

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Spazieren im Krankenhaus-Park um die Geburt voranzubringen

Das zweite CTG: die Wehen werden stärker

Um 17 Uhr zeigt das zweite CTG diese auch schon besser an. Die Hebamme findet die Wehen „schön“, freut sich über den Fortschritt und fragt, ob wir lieber in ein Zimmer umziehen wollen oder weiter spazieren gehen möchten. Ich lehne erneut ein Zimmer auf der Station ab und gehe mit meinem Mann wieder Treppen steigen und beim Bäcker Nachschub holen. Beim Essen eines Brötchens habe ich mehrere Wehen, die wegmassiert und veratmet werden müssen. Das geht in die richtige Richtung – in bin sehr positiv gestimmt. Das mit 20 Uhr klappt, behaupte ich meinem Mann gegenüber felsenfest. Ich glaube daran!

Schmerzhafte Wehen und Schmerzmittel

Um 19.30 Uhr sollen wir zurück im Kreißsaal sein, dürfen aber jederzeit zurück kommen. Um 19 Uhr merke ich die Veränderung der Wehen. Ich möchte ein Schmerzmittel haben und fühle mich beim Treppen steigen weitab des Kreißsaals nicht mehr sicher. Vor dem Schmerzmittel werde ich untersucht. Noch immer ist der Muttermund hinten bzw. abgeknickt. Ich bekomme ein Buscopan-Zäpfchen von der anwesenden Hebamme. Die Wehen werden trotzdem stärker. ;)

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Ich möchte mehr Schmerzmittel haben und bekomme einen Zugang vom Arzt gelegt, den ich bei der Aufnahme ablehnte. Die Wehen steigen schnell an und verändern sich wie auch mein mein Veratmen. Ich töne bereits. Der ernüchternde Befund: der Muttermund ist höchstens 4 cm geöffnet. Auf dem Tropf stand NaCl, das war vermutlich keine schmerzenlösende Infusion…

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Wehen veratmen im Krankenhaus – Geburt drittes Kind

Die rasante Geburt in 30 Minuten

Hilfe, der Kopf guckt schon raus! – angrenzender Kreißsaal

Im danebenliegenden Kreißsaal schreit der werdende Papa: „Hilfe, der Kopf kommt raus“ und meine Hebamme, die neben dem Arzt steht, rennt in den anderen Kreißsaal. Anscheinend ist zu dieser Zeit nur eine Hebamme vor Ort. Er meint zu ihr, er würde es auch allein schaffen. Wie vertrauenswürdig. Ich sage, dass ich pressen muss und er meint, dass ich stattdessen lieber hecheln soll. Von wegen, dachte ich und schiebe mit. Mein Mann ist direkt neben mir, strahlt eine unglaubliche Ruhe aus und sagt, dass ich ruhig atmen soll.

Der Arzt meint dann, ich soll mitschieben und plötzlich merke ich den Kopf! Das geht schnell. Ich frage ungläubig, ob der Kopf tatsächlich schon da wäre und mein Mann antwortet:

Ja! Und sie hat Haare! <3

Ich fasse den Kopf an, und soll auf die nächste Wehe warten. Dann wird auch der Körper geboren. Unsere Tochter schreit und wird von der Nabelschnur befreit, die um Hals und Brustkorb gewickelt ist. Zudem wurde ihre Faust zusammen mit dem Kopf geboren. Wie Superwoman eben. Es ist 19.31 Uhr – ich war nur eine halbe Stunde zur rasanten Geburt im Kreißsaal. Meine süße Babytochter bekam ich direkt auf den Bauch und wollte sie direkt anlegen. Mein Mann schnitt die Nabelschnur nach dem Auspulsieren durch und wir kuschelten mehrere Stunden mit ihr im Kreißsaal.

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48 cm – 2680 g Geburtsgewicht – unser Babymädchen <3

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Geburtsbericht drittes Kind – ohne Hebamme im Krankenhaus

Eine Geburt ohne Hebamme

Ich hätte mir für die Endphase der Geburt eine Hebamme an meiner Seite gewünscht. Eine Hebamme, die mögliche Geburtsverletzungen abwenden kann, die mir Anweisungen gibt, wann ich atmen, hecheln, pressen soll. Natürlich war auch ein Arzt anwesend, doch er war eher passiv als aktiv. Ich hatte Glück, dass ich keine Verletzung erlitt. Ich denke, dass Hebammen sehr viel steuern können, sagt jedenfalls mein Eindruck nach den ersten beiden Geburten.

Als mein Mann und ich die Geburt im Nachgang besprachen, wird uns bewusst, wie gefährlich die Situation war. Für uns Gebärende und die Neugeborenen. Was wäre, wenn wirklich eine Notsituation gekommen wäre – bei uns oder im anderen Kreißsaal? Warum wurde nicht früher Personal zur Hilfe gerufen? Im dritten Kreißsaal lag immerhin auch eine Gebärende.

Ungewollte Nacht im unterbesetzten Krankenhaus

Nach der Geburt lief vieles verkehrt. Wir bekamen einerseits sehr viel Raum zum Kuscheln mit unserer Babytochter, doch sehr gerne hätte ich mich wieder angekleidet. Es hieß, wir könnten gegen Mitternacht nach Hause, doch zwei Stunden nach der Geburt teilte mir der Arzt mit, dass ich gegen ärztlichen Rat nach Hause gehen würde. Ich sollte mit meiner Tochter noch im Krankenhaus bleiben, weil sie so leicht ist und Anpassungsstörungen haben könnte. Das passiere manchmal bei leichten Babys. Uff. Mit 2640 g wäre sie im unteren Bereich der Gewichtstabelle.

Als er mir das sagte, holte mein Mann gerade die Babyschale für den Nachhauseweg aus dem Auto. Ich wollte ambulant entbinden und hatte auch nur meine Kliniktasche für die ambulante Geburt dabei – die andere war im Auto. Ich war unglaublich enttäuscht, denn natürlich wollte ich nicht gegen ärztlichen Rat handeln und das unterschreiben. Wie kann es sein, dass diese Nachricht erst mehrere Stunden nach der Geburt verkündet wird? Die Sorge war, dass sie Probleme mit dem Blutzucker haben könnte, das wollten sie gerne auch über Nacht beobachten. Letztlich waren alle Werte in Ordnung. Erst gegen Mitternacht konnte ich in das Zimmer auf der Station. Nach ein paar Stunden fiel dem Arzt auf, dass er die U1-Untersuchung noch nicht gemacht hat. Eine weitere Verzögerung.

Ausstattung im Krankenhaus katastrophal

Gemessen wurde der Blutzuckerwert erneut um 1.30 Uhr, wo mir mitgeteilt wurde, dass der Wert in Ordnung sei, ihre Temperatur mit 36,3 °C jedoch zu niedrig wäre und ich mit ihr kuscheln soll. Schlafen ging gleichzeitig nicht, denn das Bett auf der Station war zu eng, sodass ich sie nicht gefahrenlos neben mir hinlegen und kuscheln konnte. Ein richtiges Beistellbett gibt es nur im Familienzimmer. Auf der normalen Station liegen die Babys im Plastikrollwagen, der um einiges höher als das Bett ist. Ich musste also nach dem anstrengenden Abend wach bleiben, statt Zuhause im Bett zu kuscheln und zu schlafen.

Die Familienzimmer waren alle ausgebucht und auch ein Zustellbett im Einzelzimmer wird nicht mehr angeboten, wie es noch bei unserem zweiten Sohn der Fall war. Bei seiner Geburt waren wir im selben Krankenhaus und damals sehr zufrieden. Die Alternative: ein Einzelzimmer für 100 € pro Tag, das sie netterweise erst ab 0 Uhr berechnen wollten.

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Geburtsbericht: Blasensprung, keine Hebamme und eine katastrophale Krankenhausausstattung

Keine Ausstattung für Babys vorbereitet

Ich war plötzlich mit unserem Neugeborenen alleine im Zimmer, obwohl ich mir meinen Mann an meiner Seite gewünscht hatte. Dass er auf dem Stuhl im Zimmer nächtigt, war keine Option. Hier wünsche ich mir mehr Flexibilität für einen guten Start in die Elternschaft. Ich wurde allein gelassen, bekam noch ein schnelles Abendessen gebracht und den Hinweis, dass ich immer klingeln dürfte. Zum Glück habe ich Erfahrungen im Stillen und Umgang mit dem Kind, ich fühlte mich sehr im Stich gelassen. Frisch entbunden musste ich mich nachts ins Bett knien, um mein Baby aus dem Bett zu heben und zu stillen. Schwierig ohne Stillkissen.

Meine Tochter bekam zwar ein Bett (Plastikrollwagen), doch keinen Schlafsack, die wären gerade alle. Sie wurde in zwei Handtücher gewickelt. Einen Wickeltisch gab es nicht, der sollte noch nachkommen – kam er nicht. Ein Stillkissen gab es nicht, konnte leider nicht besorgt werden. Auf meine Nachfrage, ob sie aus dem Kreißsaal noch größere Vorlagen besorgen könnten, bekam ich die Antwort, dass es leider schwierig wäre. Die zweite Schwester sagte, dass es leider nicht gehen würde. Mein Mann brachte am nächsten Morgen Ersatz von Zuhause mit. Es war eine Katastrophe!

Auch ein Nachtlicht gab es nicht. Vom Bett aus konnte ich nur das sehr grelle Licht anschalten, das aber zum nächtlichen Stillen nicht geeignet war. Die Schwester schlug vor, das Licht im (immerhin innenliegenden) Bad anzumachen und die Tür geöffnet zu lassen. Der Gedanke daran lässt mich noch immer den Kopf schütteln.

Keine Anpassungsschwierigkeiten

Meiner Tochter ging es super. Sie trank an der Brust – zum Glück hatte ich Erfahrung. Ich weiß nicht, ob die Schwesternschülerin, die mich nachts betreute, eine Stillberatung ersetzen könnte und das finde ich besonders am Anfang sehr wichtig. Ich bin so froh, dass ich weiß, wie das Stillen funktioniert und selbst hier lerne ich beim dritten Kind dank meiner Nachsorgehebamme noch dazu. Die Geburt und die Umstände werden mich noch eine Weile beschäftigen.

So verläuft mein Wochenbett