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Etwas muss sich ändern, dachte ich oft an Tagen, an denen ich meine Kinder scheinbar grundlos anmotzte, wo sie mir nichts recht machen konnten weil ich unfassbar genervt von Kleinigkeiten war. Nicht mehr meckern ist mein hohes Ziel in der Kindererziehung bzw. der Beziehung zu meinen Kindern. Meine Freundin empfahl mir nicht nur den Erziehungsratgeber Das gewünschteste Wunschkind aller Zeiten treibt mich in den Wahnsinn, sondern auch Familienkonferenz von Thomas Gordon (Werbelink).

Gemeinsam setzen wir Familienkonferenz nach Thomas Gorden um. Ein Erfahrungsbericht für gute Kommunikation mit Kindern.

Familienkonferenz: Neue Wege lernen

Meine Ziele vor dem Lesen waren: weniger meckern, den Kindern mehr zuhören, lieb miteinander sprechen und vor allem: die Bestrafung abschaffen. Das oberste Ziel: eine gute Bindung zu meinen Kindern haben und behalten. Sie sollen mir vertrauen und immer zu mir kommen können, wenn sie etwas plagt oder weil sie einfach so von ihrem Tag erzählen wollen.

Da ich meine genervte Sprechweise bereits in den Kindern wiedererkenne, muss sich schnell etwas ändern. So möchte ich nicht mit meinen Kindern reden! Leider ist eine komplette Verhaltensänderung nicht so zackig möglich. Meine Haltung steckt tief in mir drinnen und ich muss selbst lernen, aus dieser herauszukommen und mich den Kindern zuwenden, statt anzumeckern, wenn ich gestresst bin.

Ich bin noch lange nicht am Ziel und auch mein Mann nicht, der sich das Hörbuch (Werbelink) im Auto anhörte. Viel zu oft geraten wir wieder in die alten Handlungsweisen, meckern, befehlen und geben Ratschläge, obwohl die Kinder diese nicht brauchen. Dennoch denke ich, dass ein erster Schritt getan ist: wie durchdenken unser Handeln gegenüber den Kindern.

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Das Gordon-Modell

Thomas Gordon entwickelte bereits 1970 das Gordon-Modell, ein Kommunikations-Modell, welches Konflikte lösen soll. Dabei geht es vor allem um effektive Ich-Botschaften, aktives Zuhören sowie niederlagelose Konfliktlösungen.

Annahme und Nichtannahme

Tatsächlich hatte ich bereits zu Beginn einige Aha-Effekte. Ich lernte darüber, dass jeder Mensch einen anderen Annahmebereich hat, logisch. So akzeptieren manche, dass die Wohnung mit Schuhen betreten werden darf, bei mir müssen die Schuhe im Flur ausgezogen werden. Das zieht sich über alle Lebensbereiche.

In den Bereich der Nichtannahme fallen viele Dinge, die per se negativ sind, u. a.:

  • Kritisieren
  • predigen
  • ermahnen
  • moralisieren
  • kommandieren
  • einmischen
  • kontrollieren
  • mitmachen
  • befehlen
  • interpretieren

Als Ergebnis gibt es oft Kinder, die sich dagegen wehren. Kein Wunder, denn man übermittelt ihnen, dass die eigenen Bedürfnisse wichtige sind als die der Kinder.

Ich habe Gordons Familienkonferenz als detaillierte Mindmap aufgemalt. Per Klick kommt man zum größeren Bild.:

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Mindmap: Familienkonferenz von Thomas Gordon | Mehr Infos zur erfolgreichen Kommunikation mit Kindern auf Mamaskind.de

Mindmap: Familienkonferenz von Thomas Gordon

Familienkonferenz in der Praxis

Früher:

Es ist schwer, sich von Macht und Autorität zu lösen. Denn nichts anderes taten wir. Wir sagten (und sagen noch immer zum Teil: „Räum deine Tasche sofort weg!“, „Nein, du musst dies und jenes jetzt erledigen.“, „Das hast du mit Absicht gemacht.“

Letzter Satz klang schon immer falsch. Doch interpretieren ist keine gute Lösung nach Gordon. Tatsächlich bringt dieser auch nichts, weder für das Kind, das sich verurteilt fühlt, noch für die Eltern, die sich noch schlimmer fühlen.

Heute:

Statt diesen Befehlston anzuschlagen erinnere ich mit Ich-Botschaften an unsere Vereinbarungen. So ähnlich klingt das jetzt bei mir. Manchmal muss noch eine zweite Ich-Botschaft folgen.:

„Ich würde mich freuen, wenn du dich an unsere gemeinsame Absprache hältst und die Tasche wegräumst. Das fühlt sich sonst wie Chaos für mich an und das finde ich nicht fair mir gegenüber.“

Warum reden wir nicht auf Augenhöhe mit den Kindern?

Weil es schwer ist, aus (guten wie schlechten) Gewohnheiten auszubrechen. Was wir jahrelang als richtige und gute Erziehung ansahen, wandelte sich ins Gegenteil. Doch wie wird man Gewohnheiten los? Wie verhindert man, dass man gleich los meckert, wenn ein Glas umfällt? Wie löst man Konflikte, ohne ebenfalls loszuschreien? Fragen, die nicht einfach sind, wenn man zu wenig schläft und ein Baby, Kleinkind und Schulkind hat. Drei Kinder mit unterschiedlichen Bedürfnissen.

Ich kann nicht bestimmen, was das Beste ist. Es steht mir nicht zu. Sie müssen, wollen und sollen eigene Lösungen für ihre Probleme finden. Zu oft mache ich ihre Probleme zu meinen.

Probleme in der Kommunikation

Wir haben / hatten teilweise Kommunikationsprobleme, vor allem morgens und abends, wenn es ans Fertigmachen der Kinder geht. Man erkennt als Außenstehender sofort, was hier falsch läuft:

„Nein, du nimmst nicht deinen Rucksack mit. Du hast dein Auto!“ (Kommandieren) – Antwort: Bääääh!
„Steck jetzt deinen Arm da rein!“ (Befehl) – rabääääh
„Wenn du so morgens bist, holen wir keine Katze!“ (Sohn 1.0 zu 2.0, moralisieren) – Antwort: „Ich will auch keine Katze, ich will eine Babykatze!“

Wir sind zu sehr im Befehlston, wenn es ans Anziehen geht. Zähne putzen ist auch ein sehr heikles Thema. Da weichen die Vorstellungen der Kinder von unseren stark ab. Und das zu Zeiten, wo wir Stress haben, weil die Arbeit ruft oder wir erschöpft dem Feierabend entgegensehen.

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Wer hat das Problem?

Nachdem Annahme und Nichtannahme definiert sind, geht Gordon in Familienkonferenz auf die Probleme ein. Bei wem liegt das Problem?

Ist es tatsächlich mein Problem, wenn das Schulkind seine Hausaufgaben nicht macht? – Nein, das Kind muss dann der Lehrerin erklären, warum es keine gemacht hat. Bisher kam das noch nie vor.

Ist es das Problem der Kinder, wenn sie Gartenspielzeug draußen liegen lassen oder meins, weil ich die Unordnung nicht mag? Die Kinder stören sich nicht daran, also ist es mein Problem, für dessen Lösung ich verantwortlich bin.

Es ist wichtig, herauszufinden, wer das tatsächliche Problem hat. Liegt es nicht bei den Kindern, sind sie auch an keiner Lösung interessiert.

 

Hängt neben dem Schreibtisch: Poster zur Familienkonferenz nach Gordon | Mehr Infos auf Mamaskind.de

Hängt neben dem Schreibtisch: Poster zur Familienkonferenz nach Gordon

Familienkonferenz am Esstisch

Nachdem ich das Buch ausgelesen habe, setzten wir uns zusammen an den Tisch und sprachen über Computerzeit, Süßigkeiten und Haushalt. Mich störte, dass der Große zu viel spielte, danach schlechte Laune hatte und dass die Jungs ständig nach Süßkram fragen. Auch fand ich es doof, dass es jeden Abend Stress gab, weil das Schulkind sich kein Brot für die Schule schmieren wollte.

Wir hatten die Probleme auf unserer Seite. So fanden wir Lösungen nach Gordons Schema für niederlagelose Konflikte.

Niederlagelose Konflikte

  1. Konflikt identifizieren & definieren
  2. Mögliche Alternativlösungen entwickeln
  3. Diese kritisch bewerten
  4. Sich für die beste annehmbare Lösung entscheiden
  5. Entscheidung ausführen
  6. Nachfolgende kritische Bewertung

Wir suchten zuerst eine Lösung für das Problem Computerzeit. Ich formulierte als Ich-Botschaft, dass es mir nicht gefällt, dass er so lange zockt, weil ich mich nicht wohlfühle, wenn seine Laune anschließend sinkt.

Da mein Sohn nicht auf seine Computerzeit (Netflix / Konsolenspiele) unter der Woche verzichten will, schlug er selbst mehrere Dinge vor. Die anderen Vorschläge wie kein Computer unter der Woche fand er nicht gut und wurden abgeschmettert. Mein Sohn war es, der eine Zeit von 30 min unter der Woche und eine Stunde am Wochenende als Idee präsentierte. Wir waren alle einverstanden.

Dadurch ist er ermuntert, seinen Vorschlag auch zu befolgen. Er achtet selbst auf die Zeit. Allerdings startet die Zeit erst, nachdem er Hausaufgaben machte und seine Schultasche ausräumte. Eine weitere Bedingung – mit der alle zufrieden sind – er spielt nicht nach 17 Uhr, damit noch Zeit für den Cooldown ist, bevor es Abendbrot gibt.

Es klappt hervorragend. Hätten wir ihm plump gesagt, dass er nur noch 30 min am Tag spielen darf, hätte er das nicht so umgesetzt. Das versuchten wir alles bereits. Die niederlagelose Konfliktlösung hat hingegen super geholfen! Keiner fühlt sich benachteiligt, weil wir gemeinsam eine Lösung erarbeitet haben.

Leitfaden für gute Kommunikation mit Kindern nach Thomas Gordon. | Mehr Infos auf Mamaskind.de

Leitfaden für gute Kommunikation mit Kindern nach Thomas Gordon.

Erfolge dank Familienkonferenz

Wir sind noch weit davon entfernt, das Gelernte gut und nachhaltig umzusetzen. Dennoch gibt es einige Erfolge.:

  • Schulkind kommt (oft) freiwillig zum Zähne nachputzen
  • bringt Müll nachmittags raus, ohne Murren obwohl müde
  • das Miteinander klappt besser
  • der Morgen ist nicht laut, wie sonst, das Kleinkind schreit nicht wild herum.
  • die Kinder gehen ohne Murren Zähne putzen und mit dem Mann außer Haus
  • Kleinkind will morgens mit Papa duschen und lässt sich danach gerne anziehen

Sascha kann die Moderation eines Konflikts super:

  • löste zwei Konflikte am Esstisch, bzw. ließ die Kinder lösen
  • Sohn 2.0 wollte eine Kiwi teilen, Sohn 1.0 wollte sie selbst schneiden
  • Sascha vermittelte: dein Bruder möchte… Was sagst du dazu?
  • wir waren erstaunt, wie einfach es sein kann
  • nächster Schritt: Kinder regeln das allein, ohne Moderation

Probleme mit der Umsetzung

Ob wir so ganz alles richtig machen? Wir verfallen oft in Du-Botschaften und senden Lösungen mit. Der Mann ist ein wenig genervt, weil SEIN Wecker nicht klingelte und ER in Zeitnot ist und eine Stunde länger arbeiten muss. Das Problem liegt also auf seiner Seite. Das Kleinkind muss nicht modifiziert werden, wie Gordon so oder so ähnlich sagt.
Es fällt dennoch schwer, alles umzusetzen, da der Ansatz Zeit braucht. Zeit, die wir vermeintlich nicht haben, obwohl es tatsächlich schneller gehen kann, wenn man auf die Bedürfnisse achtet, statt den eigenen Willen durchzusetzen.

Lösungen – Minischritte zum Ziel

  • Mini-Pausen einlegen, um runterzukommen
  • Aufschreiben, wie man tagsüber handelte – durchdenken

Hier geht es zum Buch: