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Heute war der Tag der Tage: ich meldete meinen Sohn in der Schule an. Der Sohn, der vor vier Jahren noch nicht mal sprechen konnte plappert nun wie ein Wasserfall, rechnet Plus- und Minus-Aufgaben und freut sich auf das Abenteuer Schule. Für mich ist das zur Zeit eher ein bürokratisches Monster. Die Schulanmeldung zeigt erste Hürden und fehlendes Wissen!

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Schulanmeldung – viel bürokratischer Aufwand

So manches Mal denke ich mir: “Zum Glück haste studiert und dich dabei durch lange Gesetzestexte geplagt, sonst würdeste die Berge von Papier und Anmeldung für die Schule gar nicht auf die Reihe kriegen.” Tatsächlich bereitet dich niemand auf die Realität vor. Man muss sich plötzlich Gedanken machen, wohin man sein Kita-Kind in den sechswöchigen Ferien steckt, in welche Schule es soll, ob die in Berlin typische verlässliche Halbtagsgrundschule reicht, man den Hort dazu bucht oder es doch ein gebundener Ganztagsbetrieb sein soll. Fragen über Fragen, die uns seit mehreren Wochen beschäftigen und den Austausch mit anderen Kita-Eltern anregten. Uns reicht der Unterricht bis 13.30 Uhr nicht aus – der Sohn wird den Hort besuchen und das sogar schon vor der Einschulung, was nicht von jedem gerne gesehen wird. Klar, das Kind wird unmittelbar in eine neue Umgebung mit neuen Leuten gegeben. Doch was machen arbeitende Eltern? Wir bereiten unseren Sohn darauf vor, dass er den Hort in der Ferienbetreuung besuchen wird, weil wir arbeiten werden. Er fasste das ganz gut auf, denn die Besichtigung der Schule gefiel ihm.

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Es gibt jedoch ein großes Angebot an Schulen. Allein um uns herum sind mehrere verschiedene staatliche Schulen als auch private Schulen. Ein Platz an unserer Einzugsschule kann nicht versichert werden. Warum also nicht das Glück versuchen, an einer Wunschschule angenommen zu werden, die hohe Ablehnungsquoten, aber das passende Schulkonzept hat? Sollte mein Sohn besser auf die Schule gehen, wo viele seiner Kita-Freunde hingehen, die aber in einem anderen Gebiet liegt? Fußläufig sind alle für uns gleich gut zu erreichen. Das Problem: wenn 2.0 eingeschult wird, kann nicht sichergestellt werden, dass auch er auf der Schule des Bruders landet. Es wird immer nach verfügbaren Plätzen entschieden. Selbst an der Schule im eigenen Einzugsgebiet kann es zu einer Ablehnung kommen, wenn die Jahrgänge (wie 2010) sehr geburtenstark sind. Horror: das wird uns erst nächstes Jahr mitgeteilt, woraufhin wir noch eine andere Schule wählen können. Toll. So richtig und hundertprozentig wusste das jedoch niemand in der Schule. “Das entscheidet das Bezirksamt.” Willkommen in der Schule, liebe Eltern, das kann ein Spaß werden.

Religion oder Weltanschauungsunterricht?

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Religion oder Lebenskunde

Doch eine Frage überforderte mich: soll mein Sohn Religionskunde (evangelisch oder katholisch) oder Weltanschauungsunterricht bekommen? Erste Frage: Ist das Pflicht? Ja, “bei uns ist das ein Unterrichtsfach”, sagte man mir. Auf der Berliner Website steht dazu etwas anderes. Demnach ist dieser freiwillig und ca. 50 % der Schüler nehmen daran teil. Ich musste das in meiner Schulzeit nicht belegen und habe keine Ahnung, was Inhalt ist. Verzweifelt chattete ich den Mann an, was er davon hält. Religion fiel sofort raus, da wir keine Berührungspunkte damit haben. Doch eigentlich möchte ich, dass mein Sohn zumindest die Möglichkeit hat, sich darüber zu entscheiden.

Warum gibt es nur diese beiden Religionsfächer? Sollte es hingegen nicht nur ein Fach für alle Schüler geben, das sachlich über die Religionen informiert? Ich bin sehr stark dafür. Jeder darf glauben, was er will, das sage ich auch meinem Sohn, der vor kurzen beschloss, an Gott zu glauben und ihn immer mal wieder erwähnt. In der Anmeldung heißt das Fach Weltanschauungsunterricht plötzlich “humanistischer Lebenskundeunterricht”. Nach dem Blick in den Lehrplan bin ich erleichtert, das ist doch genau das, was ich mir wünsche (auch für mich): sachliche Aufklärung, Toleranz, Verständnis anderer Religionen. Das klingt doch vielversprechend. Es heißt auch nicht umsonst: durch Kinder lernt man. Das werden wir definitiv.

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Die Hortanmeldung

Schon jetzt sollen wir uns mit der Frage beschäftigen, wann unser Sohn den Hort besuchen wird. Das wird er noch in den Sommerferien, die wir teils mit der Betreuung durch die Oma und mit eigenem Urlaub überbrücken. Sehr krass und vermutlich das Leid vieler Eltern: nach ein paar Wochen Schule sind schon die nächsten Ferien: es gibt Herbstferien! *kreisch* Mein Sohn wird den Hort hoffentlich mögen. Bei der Schulbesichtigung in der letzten Woche schien er sogar begeistert von den Horträumen zu sein. Diese liegen auf den jeweiligen Etagen der Klassenräume und sind mit ausreichend Spielzeug, Bastelmaterialien und vor allem: Betreuungspersonen ausgestattet. Anhand einer Tafel erkennt man, wo sich ein Kind gerade befindet. Geht es raus, wird der Fotomagnet des Kindes auf den Schulhof verschoben. Insgeheim dachte ich, dass mit Sendern ausgestattete Kinder doch viel effektiver und problemloser zu orten seien. Aber das ist wohl noch ein Zukunftsding – zumal rechtliche / persönliche / was auch immer für Gründe gegen eine Digitalisierung sprechen könnten…

Es bleibt Arbeit für uns Eltern

Die Hortanmeldung konnte ich noch nicht abgeben, die muss erst zum Jugendamt geschickt werden. Das war mir trotz ausreichend Formularwirrwarr nicht klar. Wieder müssen Einkommensnachweise und Vermerke der Arbeitgeber zum Jugendamt geschickt werden. Das haben wir doch erst für die Kita-Anmeldung von 2.0 erledigt. Ich fühle mich ein wenig verloren in dem Berliner Schulnetz und das, bevor die Schule überhaupt anfängt! Trotz eifrigen Lesens der Flyer und Hinweishefte ist das für mich ein einziges Durcheinander, es bleibt die Recherche, man muss selbst etwas tun. Ob unser Sohn an der gewünschten Schule mit seinen Freunden angenommen wird, erfahren wir erst im nächsten Sommer. So sollte das nicht funktionieren. Warum ist das digitale Zeitalter noch nicht in den Behörden und Schulen angekommen? Wie kann ich meinem Sohn im Fall der Fälle klar machen, dass er nicht die ausgesuchte Schule besuchen wird, auf die auch seine Freunde gehen? Wie kann das erst so spät feststehen? Es ist ein Graus.

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