Also irgendetwas läuft doch da falsch. Da wartet man die gesamte Schwangerschaft auf die Geburt, watschelt schnell zum Bürgeramt und beantragt zügig die Geburtsurkunde, während des Wochenbettes – nur um den flotten Eingang des Elterngeldes zu gewährleisten. Und dann? Kommt das Amt nicht hinterher.

elterngeld-berlin-antrag-mamaskind

Elterngeld in Berlin

Benötigte Unterlagen für den Elterngeldantrag

Es beginnt mit den Hürden, die die Beantragung des Elterngeldes mit sich bringt:

  • jeweils zwölf Gehaltsnachweise
  • halbwegs den Segen und eine Arbeitgeberbestätigung zur Elternzeit und ggf. zu leistender Arbeitsstunden
  • Bescheinigung über den Mutterschutz bzw. die Zuzahlung
  • Geburtsurkunde
  • Kopien der Ausweise
  • Schrieb der Krankenkasse zum Mutterschaftsgeld

Jetzt mal ehrlich. Ich habe 24 Gehaltsnachweise kopiert und musste sogar noch welche nachreichen – kann sich die betreffende Stelle das nicht mit meinem Einverständnis vom Arbeitgeber einholen?

Warum muss ich denn so einen riesigen Batzen Papier verschwenden und Dinge ausfüllen, die es sicherlich in digitaler Form abzuholen gibt? Finanzamt? Einwohnermeldeamt? Arbeitgeber? Das System würde mit ein wenig Fleiß sicherlich sehr einfach funktionieren – ohne Papierverschwendung, mehrerer Seiten Ausfüllvoodoo und vor allem: ohne die ewigen Wartezeiten.

Wartezeiten für das Elterngeld in Berlin

Ich habe schon von mehreren Personen gehört, dass sie sehr lange auf die Bewilligung des Elterngeldes warten mussten – das sowieso jedem zusteht. In Brandenburg mussten wir meiner Erinnerung nach nur wenige Wochen warten, meine Freundin in Potsdam ebenso. Bekannte in Berlin Charlottenburg-Wilmersdorf (der Bezirk, in dem ich auch wohne) mussten acht (8 !!!) Monate auf ihr Elterngeld warten. Das ist doch nicht mehr normal. Wie soll man das denn in der Zwischenzeit überbrücken?

Man müsste bereits vor der Schwangerschaft Geld für diese einnahmenlose Zeit sparen, wenn man von dieser schon vorher weiß. Mein Vermieter kann ja auch nicht acht Monate lang auf meine Zahlung warten. Dann hilft es auch nur wenig, wenn der Zahlungseingang zwar später, dafür auf einen Haufen erfolgt. Die Zinsen, die dadurch entgehen, sind verschwunden, ein womöglicher Dispo kostet sogar noch Geld, das man nicht von der Elterngeldstelle zurückfordern kann.

Bei uns wird das hoffentlich nur die Sparsocke angreifen und nicht den Dispo. Wir werden sehen, wie lange wir durchhalten. Verstehen kann ich die Bürokratie jedenfalls nicht. Schön und gleichzeitig ernüchternd ist die Anzeige des aktuellen Bearbeitungsstandes auf der Website zum Elterngeld in Berlin Wilmersdorf. Aktuell werden vollständig (!) ausgefüllte Anträge der 19. Kalenderwoche bearbeitet. Zum Vergleich: Heute befinden wir uns in der 32. Kalenderwoche. Merkste was?

Wir hoffen also auf eine zügige Bearbeitung (die leider nicht erfolgen wird) und eine Vereinfachung der Bürokratie. Einfach mal machen, Leute, kann doch nicht so schwer sein!

Update 2017

Auch bei unserem dritten Kind hat sich die Lage mit dem Elterngeld in Berlin nicht gebessert. Unser Baby-Mädchen ist nun vier Monate alt und wir haben weder einen Elterngeld-Bescheid noch das Elterngeld selbst bekommen. Das geht definitiv auf unsere Ersparnisse, denn wir müssen in Vorkasse gehen. Wie machen das andere Familien? Nehmen sie einen Kredit auf? Das ist leider eine passende Vorstellung. Meine E-Mail bezüglich des Bearbeitungsstandes wurde ebenfalls nicht beantwortet.