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Zugegeben, mein Sohn kann eine Diva sein, genau wie ich. Erschreckenderweise erkenne ich mich sehr oft in ihm wieder. Sogar der Mann hat dies erkannt und fürchtet sich ein wenig vor dem zukünftigen Zusammenleben.

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Zickig sein ist doch normal, oder?

Während man allen Frauen Zickigkeit andichtet, sind bockige Kinder dem Volksmund nach falsch oder zu lasch erzogen, zu viel betuddelt oder einfach nur ungezogen, wenn sie nicht hören. Ich habe ja noch die Hoffnung, dass einfach alle 4-Jährigen so sind: bockig, laut, trampelnd und zeitweise nervig. So manches Mal überlegte ich, ob ich mich als genervte Mama outen will. Ja! Es geht bestimmt vielen ähnlich.

Und schon sind wir drin in der Spirale. Besonders, wenn ich hoffe, dass der Tag nicht stressig werden soll, wird er das. Vermutlich hängt das auch mit der sich selbsterfüllenden Prophezeiung zusammen (Psychologie Grundkurs, tada!). Ich erwarte quasi, dass mein Sohn anstrengend wird und reagiere schon vorher so, dass dies auch geschehen wird – auch bei Problemen, die keine sind.

Aktuelles Beispiel: Plakatfarben. Ich wusste, dass er alles schmutzig macht, wenn er keine Unterlage und Malkittel benutzt und er seine fertigen Kunstwerke auf die Kommode legt, zu der alle drei Katzen Zugang haben. Ich weiß, dass er m. E. zu viel Farbe nimmt (ganz kritisches Thema), die er entweder nicht aufbraucht und wegspült oder gänzlich auf dem Bild verteilt, sodass die Farbe 1 cm dick ist.

Leider reagierte ich schon genervt, als er beim Malen war und meckerte über den fehlenden Farbschutz. Als eine Katze tatsächlich mit gefärbtem Schwanz durch die Wohnung rannte und die Wände schmutzig machte, fühlte ich mich bestätigt und war noch genervter. Da half es auch nicht, dass er die anderen plitschnassen Kunstwerke in ein sauberes Ablagefach legen wollte. Nein. Als ich entnervt die Pinsel wusch, sagte er mir noch frech ins Gesicht, ich könne diese auch wegschmeißen, wir könnten ja neue kaufen. Nur um danach zu sagen: “Ich war dir eine gute Hilfe.” *Schrei*

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Es war also wieder der Wurm drin. Der Sohn und ich stacheln uns gegenseitig auf. Wenn ich zu viel meckere, wirft er mir an den Kopf, dass das kein schöner Tag war. Für ihn ist selbst wenig Schimpfen zu viel. Klar, kein Kind will angemeckert werden, ich will das auch nicht. Vermutlich verfolgt er auch seine Idee, wie er etwas ganz toll umsetzen kann, nur sehen wir Erwachsenen das nicht so. Da muss ich sicherlich viel ruhiger werden und mehr auf ihn eingehen. Nur wie, wenn ich schon vorher weiß: Was er vorhat, geht schief.

Hinzu kommen aber diese (echten kritischen) Situationen, in denen er rotzfrech ist, die Zunge rausstreckt, mit Absicht provoziert und uns ärgert (typischer 4-Jähriger halt). Da fällt mir auch nichts mehr ein, außer ihn aus dem kritischen Vorfall zu nehmen und in sein Zimmer zu schicken. Meist merkt er auch, dass seine Taten nicht gut waren und kommt mit schuldigem Gesicht wieder aus dem Zimmer. Wir reden dann immer über unser Verhalten (denn auch wir müssen ihm unser Tun erklären und sagen, was gut und schlecht war) und was wir in Zukunft besser machen wollen.

Ich brauche ganz dringend eine Strategie, um nicht immer gleich auf jedes Verhalten anzuspringen und er braucht vielleicht einfach nur ein gutes Vorbild. Aber das zu sein, fällt mir an vielen Tagen echt schwer.

Eltern werden ist nicht schwer, Eltern sein dagegen sehr.

Andrea schrieb auf ihrem Blog Runzelfüßchen dazu einen sehr bewegenden Beitrag, der auch vielen anderen Eltern zeigte, dass sie nicht alleine sind.

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