Nun ist es soweit: Meine drei Kinder gehen ab diese Woche alle in die Kita bzw. Schule – mit dem Corona-Wechselunterricht. Während es in der Kita bei den normalen Gruppen bleibt, sind die Klassen meiner Söhne in jeweils zwei Gruppen aufgeteilt. Leider wurde für uns Eltern alles schlimmer. Wie soll man so noch arbeiten?

Homeschooling-Unterricht machen Eltern

Wir hatten uns beim Homeschooling eingegroovt. Trotz Fernunterricht, der dieser Bezeichnung nicht gerecht wurde. Einer meiner Söhne bekam von einer Lehrkraft nur wöchentliche Aufgaben mit Lösungen. Das war’s. Tolle Wurst. In anderen Fächern lief es besser, teils anstrengender.

Das wird bei vielen Familien ähnlich (schlecht) gelaufen sein. Digitalunterricht in Deutschland ist anscheinend rar gesät, wenn ich so von vielen Berichten anderer Eltern lese. Nur vereinzelt gab es zufriedene Stimmen. Übrigens lassen sich die Videostunden mit Lehrerinnen meiner Söhne zusammen an zwei Händen abzählen. Vielleicht vier, wenn wir aufrunden.

Das Corona-Wechselmodell, Homeschooling und Homeoffice. Seufz. - mamaskind.de
Das Corona-Wechselmodell, Homeschooling und Homeoffice. Seufz. – Foto von cottonbro von Pexels

„Homeschooling-Unterricht“ fand also (größtenteils) nicht statt. Ausgedruckte Arbeitsblätter gab es für die erste Klasse, ab und an mal ein YouTube-Video. Homeschooling-Unterricht ist das, was wir Eltern draus machten. Die Verantwortung, ob mein Erstklässler richtig lesen und schreiben lernt, lag also bei uns. Welch zusätzlicher Druck!

Das Wechselunterricht an Schulen macht Arbeit unmöglich

Wir hatten unseren Rhythmus gefunden: Frühstück, Homeschooling-Aufgaben, Zock-Zeit, gemeinsame Spielzeit, essen, vorlesen. Das ist grob unser Corona-Pandemie-Alltag mit Schulkindern und Kita-Kind. Wir arbeiteten in Schichten, damit wir unsere Soll-Stunden mit klarem Kopf schafften. Wochenend-Arbeit, Stress für alle und garantiert kein so liebes Familienumfeld mehr, wie wir es gerne hätten. That’s a fact.


Arbeit mit Kita-Kind und Schulkindern ist stressig. Mit Corona-Wechselunterricht beinahe unmöglich.

Durch den Wechselunterricht an der Berliner Schule wird es für uns noch schwieriger, zu arbeiten. Und wir sind in der privilegierten Situation mit Homeoffice!

Homeschooling geht weiter mit dem Corona-Wechselmodell in Berlin - Mamaskind.de
Homeschooling geht weiter mit dem Corona-Wechselmodell in Berlin – Foto von energepic.com von Pexels

Wechselunterricht an der Schule: halbe Tage

Ich kann es mir nur so erklären: Die Personen, die das festgelegt haben, haben keine kleinen Schulkinder. Und selbst für größere Kinder ist es ein – in meinen Augen – sehr beschränktes Modell.

Beschränkt im Sinne von doof als auch einschränkend. Denn für uns heißt das: Der Erstklässler muss pünktlich um 8 Uhr in der Klasse sitzen. Aber bitte auch nicht zu pünktlich. Um 10.30 Uhr muss er wieder abgeholt werden.

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Das bedeutet für uns: Wir müssen ihn aufgrund des Weges zur Schule bringen und abholen. Unter zwei Stunden Arbeitszeit verbleiben also, während das kleine Schulkind in der Schule ein paar Aufgaben löst.

Die nächste Gruppe startet dann von 11 Uhr – 13.30 Uhr mit dem Unterricht. Die Kita hat wieder für mind. 7 h pro Tag geöffnet. Meine Tochter darf endlich wieder ihre Freunde sehen – und will auch gebracht und abgeholt werden.

Chaos - Arbeit, Hausaufgaben, Kinder abholen, die 2,5 h in der Schule sind. - Mamaskind.de
Chaos – Arbeit, Hausaufgaben, Kinder abholen, die 2,5 h in der Schule sind. – Foto von cottonbro von Pexels

Homeschooling lite zu Hause

„Natürlich müssen weiterhin Aufgaben zu Hause bearbeitet werden.“ hieß es von der Schulleitung. Selbstverständlich finden das ein Erstklässler und dessen Eltern uncool. Wir machen also weiterhin „Homeschooling lite“ zu Hause mit einem Kind, das eigentlich nur noch fix und fertig ist und endlich Pausen braucht.

Bei meinem großen Sohn werden es sicher mehr Aufgaben sein, die er bearbeiten muss. Die vierten bis sechsten Klassen in Berlin dürfen in dieser Woche wieder in die Schule: In halben Klassengrößen und ebenfalls mit 2,5 h Präsenz in der Schule.

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Schule & Corona-Wechselmodell: Wie sollen Eltern so arbeiten? - Mamaskind.de
Schule & Corona-Wechselmodell: Wie sollen Eltern so arbeiten?

Betreuung durch Lehrkräfte nicht mehr möglich

Ich kann es verstehen und dennoch wird alles weiterhin auf den Rücken der Eltern und Kinder ausgetragen. Es gibt in Berlin zwar keine Präsenzpflicht, jedoch kann die Schule es nicht bewerkstelligen, Unterricht für freiwillig Daheimgebliebene anzubieten. Unterricht ist das (meiste) in meinen Augen nicht. Es ist betreutes Aufgaben-Abarbeiten. Betreut durch die Eltern.

Das soll kein Rant gegen Lehrkräfte sein, die sicherlich ebenfalls unter großem Druck stehen. Noten vergeben müssen, die Eltern aushalten und Kinder unterstützen wollen. Meine Kritik greift höher.

Danke an die Lehrerinnen! An dieser Stelle der Hinweis, dass es bei meinen Söhnen vordergründig tolle Lehrerinnen gibt, die das wirklich toll machen und auch wollen, dass die SchülerInnen etwas lernen und den Unterricht dementsprechend gestalten!

Brandenburg: Wechselunterricht nach Wochen

Besser für die Organisation der Arbeit finde ich den Wechselunterricht in Schulen in Brandenburg. Dort hat Gruppe 1 eine volle Unterricht, die andere Gruppe Homeschooling. Dann wird gewechselt.

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Für uns persönlich wäre dieses Wechselmodell besser, da einfach die Zeit zum Denken fehlt. Die Zeit zum Arbeiten und produktiv sein. Und damit meine ich nicht kochen, putzen und aufräumen.

Auch mein kleiner Sohn findet es doof: Ab 11 Uhr in die Schule zu müssen, wo es kein Mittagessen gibt, keine Mittagspause und er das Mittagessen erst zu Hause gegen 14 Uhr bekommt. Verständlich. Selbst feste Uhrzeiten fände ich sinnvoller – nicht dieses Schichtsystem, das wöchentlich wechselt. Für uns Eltern ist das super schlecht zu planen!

Wie machen das andere Familien?

Ich schreibe aus meinem gemütlichen Homeoffice. Als Selbstständige muss ich mich aber auch aktiv um Arbeit kümmern. Mein Mann hat einen sehr guten Arbeitgeber mit flexiblen Arbeitszeiten (und ein tolles Programm rundherum). Wir haben in dieser Hinsicht Glück!

Doch viele Eltern haben Jobs, die sie nicht zu Hause erledigen können. Jobs, die zu den wichtigsten zählen. Eltern, die andere pflegen, betreuen, unser System am Laufen halten, richtig systemrelevant sind.

Wie soll das perspektivisch weitergehen? Sollen Eltern zwei Wochen im Monat Urlaub nehmen? Über eine Krankmeldung (mit reduziertem Gehalt) kann’s ja nicht laufen. Es ist nicht zu Ende gedacht, sondern eine weitere Belastung für Eltern und Kinder.

Lasst die Corona-Spiele beginnen!

Spannend ist natürlich auch, dass es sowohl in der Schule meines großen Sohnes im Herbst einen Corona-Fall gab und letzte Woche in der Kita meiner Tochter: Kind als auch Elternteil – in einer anderen Gruppe. Die Erzieherinnen sind noch nicht geimpft, Tests gibt es meines Wissens nach noch nicht. Es ist ein Spiel auf Zeit, nur eben kein schönes.

Und doch nehmen wir die Betreuung in Anspruch. Nach fast 3 Monaten ohne Betreuung und Regelmäßigkeit, dafür mit mehr Stress als ich jemals hatte, brauchen wie diese Pause. So kurz sie auch sein mag. Bis zum nächsten Lockdown oder Corona-Fall.

Meinen Job als Angestellte habe ich dieses Jahr gekündigt – es ging nicht mehr alles gleichzeitig. Das ist meine persönliche Corona-Auswirkung bisher. Und ich hoffe, dass es bei der Tatsache bleibt und wir oder unser Umfeld nicht mit der Gesundheit bezahlen müssen.

Bleibt gesund.

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