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Martin schreibt über Erziehungsratgeber und Leitwölfe. Sein Beitrag zur Blogparade von myToys:

Das musste ja so kommen. Da ist man treusorgender Familienvater und versucht, den Anforderungen an diese Rolle gerecht zu werden. Man schenkt den Kindern die Aufmerksamkeit, die sie brauchen  – aber nicht zu viel. Man erzieht konsequent, aber nicht autoritär. Man hat ein Auge auf die schulische Entwicklung, helikoptert aber nicht. Man sorgt (gegen den Widerstand) für eine gesunde, ausgewogene Ernährung, für ausreichend Schlaf und frische Luft. Man hat für alle Sorgen und Nöte ein offenes Ohr, achtet aber darauf, dass die kleinen Mäuse nicht zur Dramaqueen werden. Außerdem ist man natürlich noch routinierter Hausmann, erfahrener Heimwerker, perfekter Gentleman und vollendeter Liebhaber. Das alles selbstverständlich neben der Traumkarriere, die man problemlos mit dem Familienleben vereinbart. Das ist aber leider nicht genug. Laut dem neuesten Elternratgeber soll ich auch noch Leitwolf sein.

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Erziehungsratgeber vs. Realität

Diese ganzen Erziehungsratgeber funktionieren immer gleich. Beim Lesen hat man so ein warmes, wohliges Gefühl in der Bauchgegend. Die Lektüre wird immer wieder von Tagträumen unterbrochen, in denen das eben Gelernte an den eigenen Kindern probiert wird – und natürlich hervorragend funktioniert. Ja, und dann kommen die Kinder im Real Life, benehmen sich wie kleine Mistkerle und das warme, wohlige Gefühl in der Bauchgegend weicht einem bohrenden, hämmernden Schmerz in der Kopfgegend. Und irgendwie schaltet dann das Großhirn ab, vergisst alles eben gelernte und man schnauzt doch wieder rum. Klar sind ab und zu gute Tipps dabei, aber man sollte nicht glauben, nach der Lektüre eines Erziehungsratgebers wäre nun alles anders.

Ich halte mich für einen relativ gut geratenen Menschen. Ich klaue, prügele und betrüge nicht. Ich bin immer nett zu anderen (manchmal vielleicht zu nett), ich nehme Rücksicht, reflektiere viel und versuche, mich in die Ansichten anderer hineinzuversetzen. All das kommt ja nicht aus dem blauen Dunst. Es ist das Ergebnis der Erziehungsarbeit meiner Eltern, Großeltern, Erzieher, Lehrer und natürlich meiner Frau. Und jetzt kommt der Trick: Wenn ich mit meinen Kindern umgehe, wie die alle mit mir umgegangen sind, dann sollte aus meinen Kindern doch auch was vernünftiges werden. Das allerbeste: da ich diese Erziehungsmethoden seit frühester Kindheit kenne, habe ich sie quasi im Schlaf drauf. Da brauche ich gar nicht zu lernen.

Ich ignoriere Erziehungsratgeber!

Natürlich ist dieser Weg nicht ganz einfach. Es ist immer besser, wenn jemand zu dir sagt: “Mach das auf meine Weise, das ist besser!”, weil du, wenn es schiefgeht, immer jemanden hast, dem du die Schuld geben kannst. Wenn die eigenen Methoden (für den Moment) nicht funktionieren, kann das schnell Unsicherheit erzeugen, gerade in der heutigen Zeit, in der “das perfekte Kind” eine Art Statussymbol ist. Da muss man stark sein. Ich für meinen Teil habe beschlossen, die ganzen Erziehungsratgeber ab sofort zu ignorieren. Ich erziehe jetzt aus dem Bauch heraus. Ein paar Grundsätze helfen mir dabei:

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  1. Ich schlage, beleidige und verarsche meine Kinder nicht. Ich bin auch nicht zynisch.
  2. Ich zeige meine Gefühle deutlich. Ein glücklicher Papa albert rum, ein zorniger darf auch mal brüllen, wenn dabei Regel Nr. 1 beachtet wird.
  3. Ich werde meinen Kinden alle Fragen beantworten (ok, die Regel stammt aus einer Zeit, als ich noch nicht wusste, WIE VIELE Fragen Kinder stellen können, aber ich versuchs trotzdem).
  4. Kinder müssen Schwierigkeiten auch mal allein meistern. Ich kann ihnen Rückhalt geben, Sorgen und Ängste lindern, aber durch müssen sie trotzdem.
  5. Ein konsequenter Papa ist ein guter Papa, einer der auch mal ein Auge zudrückt, ist besser. (Ausserdem ist hundertprozentige Konsequenz auch viel zu anstrengend).
  6. Ich nehme die Sorgen und Ängste meiner Kinder ernst, auch wenn sie mir vielleicht trivial erscheinen. Für die Kinder sind sie das nicht.
  7. Wenn sich Probleme mit Konsequenz nicht lösen lassen, hilft es oft, den Kindern Verantwortung zu übertragen.
  8. Ich werde meine Kinder nicht übermäßig in Watte packen. Das Leben ist hart, es ist besser, wenn sie gleich daran gewöhnt sind (natürlich in einem Rahmen, den sie verstehen können).

Das wars schon. Das sind die Regeln, die für mich jetzt im Moment funktionieren. Vielleicht kommen da bald neue hinzu, wenn beide Kinder in der Schule sind. Vielleicht ändern sich ein paar oder werden verworfen. Wer weiß das schon? Wir alle entwickeln uns und damit ändern sich die Beziehungen, die wir führen. Und daraus lässt sich vielleicht noch eine generelle Regel fürs Leben ableiten:

Wenn du dich bei dem, was du tust, gut fühlst, mach es weiter. Wenn nicht, versuche es zu ändern. Fange dabei unbedingt bei dir selbst an. Und sei absolut ehrlich zu dir selbst.

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